A.I. Künstliche Intelligenz (USA 2001) - Kritik von fincher

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Inhaltsverzeichnis

Film-Details

  • Titel: A.I. Künstliche Intelligenz
  • Originaltitel: Artificial Intelligence: AI
  • Land/Jahr: USA/2001
  • Lauflänge: 140 Minuten

Cast & Crew

  • Drehbuch: Steven Spielberg und Ian Watson
  • Design der Roboter]]: Stan Winston Studio

Darsteller:

  • Haley Joel Osment (David)
  • Frances O’Connor (Monica Swinton)
  • Sam Robards (Henry Swinton)
  • Jake Thomas (Martin Swinton)
  • Jude Law (Gigolo Joe)
  • William Hurt (Prof. Allen Hobby)
  • Brendan Gleeson (Lord Johnson-Johnson)
  • Ben Kingsley (Erzähler)

Einleitung

Menschen und Roboter: Zwei in ihrem Wesen völlig unterschiedliche Spezies, die nichtsdestotrotz zum Hauptthema vieler Science-Fiction-Filme avancierten. Vor allem solch spannende Fragen, welche sich mit einem möglichen Zusammenleben beider „Rassen“ beschäftigen oder ob überhaupt ein Roboter einen verstorbenen Menschen ersetzen und geliebt werden kann, tun sich gerade bei diesem heiklen Sachverhalt auf. Könnten wir nicht ein wenig leichter unseren Alltag bewältigen, wenn Maschinen spezifische Aufgaben erledigen würden, die uns zwar normal vorkommen mögen, dennoch aber zeitaufwändig und unter Umständen auch nervtötend erscheinen? Spielbergs märchenhafte Zukunftserzählung mit dem schlichten Titel „A.I. Künstliche Intelligenz“ wirft jene genannten, höchst moralischen Fragen auf, dessen Beantwortung nicht jedem leicht fallen wird.

Handlung

Mitte des 21. Jahrhunderts gibt es Roboter, die ein Bewusstsein und Gefühle besitzen. Einer dieser Maschinen ist David, ein Junge, der auf Liebe programmiert ist und folglich auch lieben kann. Er wurde "angeschafft", um das Kind einer Famile zu ersetzen, das schwerkrank in einer Klinik liegt. Allerdings kehrt Martin eines Tages zurück und David wird daraufhin abgestoßen, weggeschickt und soll erst wiederkommen, wenn er ein "richtiger" Junge geworden ist, mit welchem sich eine geheimnisvolle "Blaue Fee" beschäftigen soll. Begleitet von einem "Love Mecha", entsteht eine gefahrvolle Reise, die es zu bewältigen gilt...

Umsetzung

Schon vor über 30 Jahren verfasste der renommierte Science-Fiction-Autor Brian Aldiss seine Shortstory „Super-Toys Last All Summer Long“ („Super-Spielzeug hält den ganzen Sommer“), welche erstmals 1969 in der Zeitschrift Harper´s Bazar abgedruckt wurde und später dann die Vorlage für den hier besprochenen Film werden sollte. Die Kurzgeschichte spielt in der Zukunft und thematisiert ein Roboter-Kind, das sich bemüht, mit seiner widerum menschlichen Mutter auszukommen. Erster, der sich intensiv für eine filmische Adaption interessierte, war kein geringerer als Stanley Kubrick („Shining“, „Uhrwerk Orange“, „2001: Odyssee im Weltraum“), der zu der Zeit eng mit Regisseurenkollege Steven Spielberg befreundet war, dem er letztendlich auch den Regieposten aus verschiedenen Gründen angeboten hatte. Nach eigener Aussage von Kubrick entsprach das Filmprojekt eher Spielbergs Gemütslage und der Film wurde demnach einige Jahre später unter der Regie von Spielberg realisiert. Trotzdem, „A.I.“ beinhaltet einige Verweise und Andeutungen an frühere Kubrick-Filme. Vor allem einige elegante Kamerafahrten und Anspielungen im Setdesign, worauf später noch genauer eingegangen wird, finden sich im Film wieder, nicht zuletzt, weil Spielberg keinesfalls nur ein Freund von Kubrick war, sondern auch ein großerer Bewunderer und Fan seiner auf Zelluloid gebannten Filme, welche zurecht Kultstatus genießen.

Wie in „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ und „E.T.“ begibt sich der Regisseur, der als einer der bekanntesten und erfolgreichsten im Mainstream gilt, in „A.I.“ auf gewohntes Terrain: Außerirdische, hier genauer gesagt Roboter, werden als eine stets friedliche, bisweilen auch „niedliche“ Spezies angesehen, wo von sich keiner fürchten muss. Entsprechend optimistisch, hoffnungsvoll und manchmal auch melancholisch kommt auch Spielbergs Inszenierung daher, die sich jedoch gänzlich mit der von Kubrick unterscheiden würde. Letzterer würde „A.I.“ mit einem eher pessimistischerem und düsterem Erscheinungsbild versehen und den Film nicht so märchenhaft enden lassen. Überhaupt gilt „A.I.“ eher als modernes, technisch aufgepepptes Märchen, welcher seine Wurzeln im Drama-Genre ausbreitet, nicht als knalliger Schience-Fiction-Film, obgleich die Schauwerte für sich genommen absolut überzeugend wirken.

Wer Spielberg kennt, weiß, dass seine Filme unter Umständen höchst manipulativ sind, dass visuelle Raffinessen häufig über die Schwächen des Drehbuchs hinwegzuhelfen versuchen. Entweder man lässt sich auf einen Erzähler wie Spielberg ein, oder man lässt es eben bleiben. So verhält es sich auch in „A.I. Künstliche Intelligenz“, der mithilfe des Pinocchio-Themas ein auf modern getrimmtes Märchen in der Zukunft thematisiert, welches mit einer Erzählerstimme im Hintergrund unterstützt und gefestigt wird. Jener Kommentar wird übrigens mit der deutschen Synchronstimme von Ben Kingsley gesprochen. Der erste Teil des Filmes beschäftigt sich mit dem Familienverhältnis der Swintons und der Einführung des Kind-Roboters in sein neues Zuhause. Hierbei entpuppt sich Spielbergs Regieführung als höchst eindrucksvoll. Mit vielen Emotionen, Dialogen und wachsender Spannung überzeugt der erste Teil sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch auf ganzer Linie, in welchem die Technik der Zukunft ersteinmal in den Hintergrund gerät und sich erst später nachhaltig offenbart. Die Qualität des Streifens wird erst in den späteren Abschnitten abnehmen und beginnt schon mit der total unplazierten und auch reißerischen Verfolgung, bei der Maschinen „eingesammelt“ werden, um sie später auf einer Art Großveranstaltung zu zerschrotten. Hier wollte man womöglich unbedingt Action in den Film integrieren, was jedoch gründlich daneben gegenagen ist.

Spätestens, wenn sich David und sein Weggefährte Joe in der Großstadt befinden, wird dann der Einfluss Kubricks schnell bemerkbar und Spielberg verbeugt sich sozusagen vor dem Altmeister. Unter anderem hat Rouge City eine Milchbar zu bieten, genauso wie in Kubricks „Uhrwerk Orange“, ebenso wie dessen skurile Setgestaltung stark an den Kultfilm erinnert. Fantasy-Elemente wie die „Blaue Fee“ aus Pinocchio finden sich ebenfalls im Film wieder und „Dr. Know“, der wohl alles zu wissen scheint, könnte ein Abbild - schon rein äußerlich gesehen - von Albert Einstein sein. Das wohl größte Manko findet sich jedoch im Ende von „A.I.“ wieder, welches stark am Kitsch vorbeischrammt und den Streifen unnötig in die Länge zieht. Spielberg hat einen guten Schluss nach dem anderen verpasst und dehnt das Ende in voller Länge aus, sodass vor allem die letzte Sequenz negativ ins Gewicht fällt. Drehbuchtechnisch fällt auf, dass sich die Geschichte mehr oder weniger ruhig ausdehnt. Auf große Actionsequenzen hat man gänzlich verzichtet, will heißen das Roboter-Kind und sein Anliegen, ein „richtiger“ Junge zu werden, stehen im Fokus und sorgen für eine emotionsgeladene, ja auch anspruchsvolle und philosophisch angehauchte Story. Mit viel Bildgewalt und Symbolik gliedert sich die Handlung zusammenfassend also in klare drei Abschnitte, dessen erster und letzter Teil die eindeutige Handschrift von Spielberg trägt und die mittlere Passage eine Hommage an Kubrick darstellt.

Effektetechnisch ist „A.I.“ (mal wieder) vollends gelungen und die Leute bei ILM haben ganze Arbeit geleistet. Das überflutete Manhattan mit einigen wunderbaren Bildern sei an dieser Stelle erwähnt oder die vom Stan Winston Studio entworfenen Roboter, die zum Teil sogar mit eigener Hand gefertigt worden und fabelhaft aussehen, allen vorran der kleine, sprachfähige Teddy. Natürlich sieht man mal hier und da den Ursprung des Computers, doch im Großen und Ganzen sind die Special-Effects sehenswert und manchmal auch, wie im Falle der neuen Generation von Maschinen (keine Aliens!) ganz am Ende, eine Augenweide. Das schon angesprochene Setdesign orientiert sich an Kubrick, zumindest im mittleren Teil des Filmes – in der Großstadt – bietet es knallige, kräftige Farben, während Kaminski die anderen Abschnitte in hellen Farben photographiert. Überhaupt ist seine Kameraführung diesmal weniger spektakulär, man sehe mal von einigen Einstellungen und der Kamerafahrt gegen Ende ab, und setzt sich eher aus kurzen, aber eleganten Schwenks zusammen. Auch John Williams Score kommt hauptsächlich leise, aber dennoch gelungen rüber und unterstreicht das Geschehen mit spirituellen Chorklängen adäquat und angemessen.

Die Darsteller

Spielberg hält Haley Joel Osement für einen der talentiertesten Jungschauspieler der Filmbranche. Und wahrhaftig, nach dem Erfolgsknüller „The Sixth Sense“ bekam er die anspruchsvolle Rolle des David und wurde somit zur zentralen Figur von „A.I. Künstliche Intelligenz“. Die erforderliche „Steifheit“ und die leeren Mimiken, die so ein Roboter mit sich bringt, wird exzellent von Osement geschauspielert und man ist ohne Zweifel beeindruckt von so einem Darsteller geringen Alters. Trotz der etwas geringen Screentime holt Jude Law das Nötigste aus seinem Charakter heraus, mit Osement kann er dennoch nicht mithalten, was angesichts der überdurchschnittlich-guten Vorstellung von ihm auch nicht sonderlich schwer ins Gewicht fällt. Die restlichen Nebendarsteller, beispielsweise die Eltern von David spielen grundsolide und Oscarpreisträger William Hurt kommt ebenfalls ganz gut mit seiner Rolle zurecht, auch wenn er eine viel zu kleine Screentime aufweisen kann, was womöglich auf das durchschnittliche Drehbuch zurückzuführen ist.

Fazit

„A.I. Künstliche Intelligenz“ ist bei weitem nicht so philosophisch und spirituell wie bisweilen noch Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, will er aber auch nicht, sondern liefert eine märchenhafte filmische Parabel über den Stellenwert eines Roboters ab und kommt dazu noch mit einem gewissen Anspruchsfaktor daher. Großartige Bilder und ein brillant aufgelegter Hauptdarsteller machen den Film zu einem klasse Sci-Fi-Drama, der verallgemeinert schon den typischen Stil von Spielberg trägt. Hätte Stanley Kubrick allerdings den Streifen gemacht, käme eventuell noch etwas kunstvolleres, noch etwas besseres heraus.

Bewertung: 8/10

DVD-Details

  • Getestete Version: A.I. Künstliche Intelligenz Premium Limited Edition
  • Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1 EX, Englisch Dolby Digital 5.1 EX, Spanisch Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Isländisch, Italienisch, Kroatisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch, Tschechisch, Ungarisch
  • Bonusmaterial: Schauspielkunst in „A.I.“, Design in „A.I.“, Beleuchtung + Roboter in „A.I.“, Spezielle Visuelle Effekte und Animationen von ILM, Ton und die Musik in „A.I.“, Trailer, Storyboard, massig Fotos, Text-Tafeln

Verpackung

Die „A.I. Künstliche Intelligenz“ Premium Limited Edition kommt in einem silbernen Metalpak daher, welches über ein eingestanztes Warner-Logo + dessen Schriftzug verfügt und neben der Bonus-DVD noch eine mehrseitige Filminformation in Form eines Presseheftes beinhaltet.

  • Diese Seite wurde zuletzt am 5. Mai 2008 um 15:37 Uhr geändert.
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