Alexander (USA 2004) - Kritik von Liam

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Alexander

Kritik von Liam.

Hintergrund

Nach den negativen Kritiken und einer imdb-Wertung von gerade mal 5,5 war ich doch positiv überrascht von Oliver Stone's Epos. Es ist ein gelungener Historienfilm, der mich eigentlich die ganze Spielzeit über nie langweilte (und das waren immerhin fast drei Stunden).

Kritik

Allerdings waren einige doch sehr große Zeitsprünge vorhanden, die Geschichte wurde hier sehr schnell vorangetrieben. Das mag zwar Zeitgründe gehabt haben, trotzdem wäre es mir lieber gewesen, wenn man die ersten Jahre Alexanders als König von Makedonien und seine ersten Eroberungen zu Gesicht bekommt. Auch verstehe ich nicht, warum man die Ermordung seines Vaters erst einige Zeit später als Rückblende zeigt und nicht chronologisch verfährt. Ein Satz des Erzählers und schon ist Alexander König und Eroberer. Gerade das hätte mich sehr interessiert, seine Anfänge als großer Feldherr. Daß seine Kindheit nicht allzu ausführlich gezeigt wurde, hat mich wiederum nicht gestört. Den Stil mit dem Erzähler hätte Stone meiner Meinung nach auch anders lösen können, zwar ist es löblich, einem Meister wie Anthony Hopkins diese Rolle anzuvertrauen, doch hätte es gereicht, diesen nur am Anfang und am Endes des Films zu zeigen. Die Blenden auf Ptolemeus stören ein wenig das Tempo des Films, außerdem wirken diese Szenen doch sehr "künstlich" (damit mein ich den Hintergrund und die Kulissen). Die sonstigen Stilmittel passen aber sehr gut, die Schnitte bei den Schlachten sind nicht allzu schnell, gerade noch erträglich. Die Schlachten selbst waren ja nicht sehr zahlreich, sahen aber sehr gut aus. Vor allem die zweite mit den Elefanten hat mich sehr beeindruckt. Der Rot-Ton am Ende der Schlacht war zwar etwas merkwürdig, passte letztendlich aber doch gar nicht so schlecht.

Darsteller

Was wäre eine Charakterstudie, die Alexander zweifellos ist, ohne hervorragende Schauspieler. Colin Farrell spielt Alexander den Großen, und das zu meiner Überraschung sehr gut. So eine Leistung hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Er spielt die Rolle sehr intensiv und hat einige sehr schöne Szenen, wobei mir seine Ansprachen zu seinen Soldaten vor der Schlacht am besten gefallen haben. Auch hat er einige gute Dialogszenen mit seinen Eltern (Angelina Jolie und Val Kilmer), sowie mit seinem "besten" Freund Hephaistion (ein sehr guter Jared Leto), wobei man Alexanders's Homosexualität zwar bemerkt, dies aber bei weitem nicht so exzensiv dargestellt wird, wie man das in sehr vielen Kritiken lesen konnte. Angelina Jolie spielt, wie bereits erwähnt, Olympias, die Mutter Alexanders. Der geringe Altersunterschied zwischen Jolie und Farrell fällt dabei nicht so sehr ins Gewicht. Sie macht ihre Sache gut, eine solide Vorstellung, würde ich sagen. Die hat zweifelsohne auch Val Kilmer als einäugiger König Philip, den er sehr intensiv darstellt. Leider hat er nicht sehr viele Szenen, seine Performance hat mir wirklich sehr gut gefallen. Der im Abspann an fünfter Stelle genannte Christopher Plummer hat als Aristoteles eine Leinwandzeit von ca. 3 Minuten. Naja. Die restlichen Schauspieler waren alles passend besetzt, ich will sie hier jedoch nicht alle aufzählen, da es einfach zu viele sind.

Ausstattung

Die Ausstattung von Alexander ist eine Augenweide, auch wenn es manchmal etwas künstlich aussieht (wie bereits erwähnt die Kulisse von Hopkins). Die Bauten sehen sehr autenthisch aus, Babylon sogar atemberaubend. Auch die Landschaftsaufnahmen können sich sehen lassen, die Schlacht in der Wüste mit dem ganzen Staub, die Schlacht in Indien im Wald, die Berge, alles wunderschön anzusehen. Die Kostüme sind ebenfalls sehr gelungen sowie die Waffen.

Filmmusik

Der Score ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sehr monumental und heroisch, andererseits wirkt es wie ein 80er Jahre Synthesizer (besonders das Intro im Vorspann). Eines muß man jedoch sagen, Vangelis drückt dem Ganzen seinen Stempel auf und verleiht der Musik eine ganz eigene Note. Die positiven Aspekte des Soundtracks überwiegen.

Fazit

Oliver Stone hat mit Alexander eine würdige Verfilmung des Stoffes abgeliefert, die jedoch nicht ganz ohne Fehler ist. So sind manche Zeitsprünge zu groß, die Erzählweise manchmal etwas seltsam, Stone konzentriert sich oft auf eher unwichtige Dinge. Allerdings dauert der Film fast 3 Stunden, genug Zeit also, auch viele sehr gelungene Dinge einzubauen, die bei weitem überwiegen. Ausstattungstechnisch über jeden Zweifel erhaben, famos besetzt und (die meiste Zeit) toll dirigiert, setzt Alexander zwar keine neuen Maßstäbe im Historien-Genre, weiß aber durchaus zu gefallen.

8 von 10 Punkten

Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 26. Mai 2006 um 14:42 Uhr geändert.
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