Almost Famous (USA 2000) - Kritik von Liam

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Inhaltsverzeichnis

Almost Famous

Kritik von Liam.

Hintergrund

Almost Famous ist der Film, der Filmemacher Cameron Crowe wohl am meisten am Herz gelegen hat, doch fast nicht zustande gekommen wäre. Erst durch einen Freund wurde er wieder auf das Projekt aufmerksam, was ein großes Glück für uns Filmfans ist, denn Almost Famous ist nicht nur einer der besten Filme von Crowe, sondern auch einer der besten Filme der vergangenen Jahre. Zwar ist er an den Kinokassen gefloppt, doch wurde er mit Nominierungen und Preisen überhäuft (zb. Oscar für das beste Drehbuch für Cameron Crowe, Kate Hudson war für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert und bekam für ihre Darstellung einen Golden Globe, ebenso wurde Almost Famous mit dem Golden Globe als bester Film [Komödie/Musical] ausgezeichnet).

Story

Der 15jährige William (Patrick Fugit) bekommt die Chance, eine Reportage über seine Lieblingsband „Stillwater“ für das Rolling Stone Magazine zu schreiben. Er soll mit der Band auf Tour gehen und die einzelnen Mitglieder interviewen. Doch besonders wichtig ist dabei das Interview mit dem introvertierten Songwriter und Gitarristen Russel Hammond (Billy Cudrup), da er der Kopf der Band ist. Doch der hat andere Sorgen im Kopf, er kämpft um die Liebe des Edel-Groupies Penny Lane (Kate Hudson), auch scheint die Band immer mehr zu zerfallen, vor allem der Konflikt mit dem Sänger Jeff Bebe (Jason Lee) weitet sich immer mehr aus. Doch William hat von seiner konservativen Mutter (Frances McDormand) nicht die Erlaubnis, so lange von zu Hause wegzubleiben, da auch der Schulabschluß vor der Tür steht. Zum Glück ist er mit dem Musikjournalisten Lester Bangs (Philip Seymour Hoffman) befreundet, der ihm mit Rat und Tat (telefonisch) zur Seite steht. Eine faszinierende Reise des Rock n Roll Lebens der 70er Jahre beginnt ...

Allgemein

Der Film basiert fast ausschließlich auf wahren Begebenheiten, die Regisseur Crowe selbst erlebt hat. Man muß dabei wissen, daß Cameron Crowe ebenfalls als 15jähriger Junge für den Rolling Stone geschrieben hat und bei diesem auch eine lange Karriere als Musikjournalist hinter sich gebracht hat. Er begleitete, wie William, ebenfalls viele Bands auf ihren Konzerttourneen, unter anderem machte er Reportagen und Interviews mit Led Zeppelin, Neil Young, Fleedwood Mac oder etwa Peter Frampton, der auch eine kleine Rolle im Film bekommen hat. William’s Mutter ist ebenfalls sehr autobiographisch, denn auch Crowe’s Mutter war damals nicht wirklich einverstanden, was ihr Sohn da machte. Die meisten Figuren und Dialoge in Almost Famous sind eine Mischung aus realen Personen und Erinnerungen von Crowe aus dieser Zeit, so ist etwa Penny Lane eine Mischung aus allen Groupies und sogenannten Live Aids (mit den Bands mitreisende Mädchen, denen es nur um die Musik geht), die er damals so getroffen hat, oder der Spruch „I’m a golden god“, den ursprünglich Robert Plant von Led Zeppelin am Sunset Boulevard hinausschrie, manche Kleider, die Frances McDormand im Film trägt, stammen von der Mutter des Regisseurs. Auf solche Kleinigkeiten kommt es an, jede Szene und jede Figur hat seine eigene Geschichte und genau das ist es, was Almost Famous so verdammt gut macht.

Darsteller

Doch auch die bombastischen schauspielerischen Leistungen tragen eine Menge dazu bei. Der Cast liest sich zwar relativ unspektakulär, doch alle Beteiligten bringen sensationelle Performances in den Film mit ein. Allen voran Kate Hudson, die als Penny Lane die Rolle ihres bisherigen Lebens spielt. Einfach wunderbar, wie sie die impulsive und doch nachdenkliche Penny spielt, wie sie mit einem Blick diese endlose Trauer wiedergibt, daß man förmlich spürt, wie ihr Herz in tausend Stücke zerspringt (die Szene, als William ihr sagt, daß Russel sie für Alkohol an eine andere Band verspielt hat), eine wirklich beachtliche Leistung. Billy Cudrup als Russel Hammond weiß ebenfalls zu gefallen, sein Charakter ist im Film auf der Suche nach sich selbst, und das bringt Cudrup auch perfekt rüber. Vor allem die immer größer werdenden Konflikte mit Sänger Jeff Bebe sind sehr gelungen. Und dieser Jeff Bebe wird auch noch extrem gut vom großartigen Jason Lee verkörpert, er stellt die Unsicherheit und auch die Eifersucht auf Hammond gekonnt dar und kommt dabei aber immer verdammt cool rüber. Der junge William, der die ganze Bande interviewen sollte, wird von Newcomer Patrick Fugit gespielt, und sein Schauspiel paßt hervorragend zum ruhigen aber netten William. Seine Mutter wird von der mir überaus geschätzten Oscar Preisträgerin Frances McDormand gespielt, und auch sie kann vollkommen überzeugen. Zu erwähnen bleibt noch Philip Seymour Hoffman, der William’s (und auch Cameron Crowe’s) Mentor Lester Bangs verkörpert und eine tadellose Leistung abliefert, auch Noah Tyler soll hier nicht unerwähnt bleiben, er mimt den Bandmanager von „Stillwater“ und auch er liefert eine bemerkenswerte Kostprobe seiner Schauspielkunst ab.

Ausstattung und Soundtrack

Die Ausstattung ist eine wahre Augenweide, man fühlt sich tatsächlich in die 70er zurückversetzt (auch wenn ich diese aufgrund meines Alters nicht miterlebt habe). Die Outfits der Protagonisten stechen dabei besonders ins Auge, es gibt herrliche 70er Klamotten, enge Jeans, Lederjacken, Oldschool T-Shirts, alles wunderbar. Auch die Konzerthallen und die Hotels wurden sehr authentisch dargestellt, man bekommt einen ungefähren Einblick, wie es auf so einer Tour zugehen mag. In den Hotels wird dann nur noch gefeiert, musiziert, getrunken und Drogen konsumiert, auch das wurde sehr schön nachgestellt. Es kommt eine richtig schöne 70er Jahre Atmosphäre auf, die natürlich von der ausgezeichneten Musik noch unterstrichen wird. Und beim Soundtrack gibt sich Crowe wieder einmal keine Blöße und versammelt hier alles, was in den 70er und auch noch heute Rang und Namen hat: Simon and Garfunkel, The Who, Iggy Pop, Jethro Tull, Black Sabath, The Beach Boys, Joni Michtell, Peter Frampton, Fleedwood Mac, Neil Young, Deep Purple, Jimi Hendrix, Cat Stevens, David Bowie, Steve Wonder, Elton John, Led Zeppelin, ... das liest sich ziemlich gut und hört sich sogar noch besser an. Einige Stücke wurden auch von Cameron Crowe und seiner Ehefrau Nancy Wilson selbst komponiert, alle Songs, die die Leinwand-Band Stillwater zum Besten gibt beispielsweise stammen aus der Feder der beiden. Sehr beeindruckend sind dabei die Konzerte, die sie geben, Crowe hat dabei das Feeling eines echten Konzertes perfekt eingefangen. Super Arbeit. Kameratechnisch wurde der Film bewußt nicht allzu auffällig gefilmt, die Kamerapositionen und Fahrten, sofern es überhaupt welche gibt, sind sehr einfach gehalten, man sollte sich nämlich vollkommen auf die Story und die Charaktere konzentrieren, was auch ausgezeichnet gelungen ist.

Fazit

Almost Famous ist ein weiterer großer Film von Cameron Crowe, wieder einmal schreibt er ein sensationelles Drehbuch und verfilmt es auch auf eine geniale Art und Weise. Daß der gesamte Film auch noch autobiographisch daherkommt, ist ein weiterer schöner Aspekt. Die Schauspieler sind zwar nicht allzu große Stars, passen aber alle perfekt zu ihren Rollen. Die Ausstattung ist grandios und der Soundtrack wie nicht anders von Crowe Filmen gewohnt, wunderbar. Der Film verschmilzt mit seiner Musik und umgekehrt. Almost Famous ist ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk und wartet obendrein auch noch mit einer berührenden Geschichte auf, die alle möglichen Gefühlslagen in einem weckt. Es ist ein Film von einem Musikfan für einen Musikfan.

10 von 10 Punkten

Dvd

Die Dvd ist dem Film zwar nicht ganz angemessen, doch sie ist durchaus in Ordnung. Es gibt zwar relativ wenige Extras, dafür gibt es auf der Bonus-Dvd den Extended Cut des Films, der eine gute halbe Stunde länger ist als die normale Fassung. Allerdings muß man sich bei der Langfassung mit der englischen Tonspur begnügen, wird aber mit einem wirklich sehr guten Audiokommentar vertröstet, bei dem neben dem Filmemacher selbst auch seine Mutter zu Wort kommt, die von den Geschehnissen dieser Zeit berichtet. Auch werden hier die vielen Parallelen zu Cameron Crowe’s richtigen Leben aufgedeckt, was teilweise sehr witzig daherkommt. Sehr interessant sind auch die Berichte, die der Regisseur in den 70ern im Rolling Stone veröffentlicht hat, sowie das (leider sehr kurze) Interview mit dem echten Lester Bangs, der bereits verstorben ist.

Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 26. Mai 2006 um 14:42 Uhr geändert.
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