Babylon A.D. (USA/Frankreich 2008) - Kritik von Isinesunshine
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Babylon A.D.
Die USA sind eine hochtechnisierte Supermacht mit Holobildschirmen so weit das Auge reicht, Sicherheits und DNA-Kontrollen an den Landesgrenzen und robotergesteuerten Wohnungen. Russland hingegen ist eine Brutstätte für Gewalt, die aus Armut entspringt und in der jeder eine Waffe braucht, um sein Überleben zu sichern. In diesem perspektivenlosen Umfeld wohnt auch Ex-Söldner Toorop (Vin Diesel). Er wird von seinem ehemaligen Boss Gorsky (Gérard Dépardieu, Vidocq, Bogus, Die letzte Metro) für einen Job als Schleuser angeheuert: er soll ein Mädchen von Russland aus in die USA bringen.
Aurora (Mélanie Thierry) ist jedoch nicht alleine, sondern wird von ihrer Adoptivmutter, Schwester Rebeka (Michelle Yeoh, Die Mumie 3), begleitet. Toorop holt die beiden aus dem Kloster der Nohiliten ab, das Aurora bis dato noch nie verlassen hat und bringt sie zum ersten Umsteigepunkt auf der Reise in die Staaten: einem Bahnhof. Vor dem Gebäude tobt ein Markt und am Eingang zu den Gleisen drängen sich Unmengen von Menschen. Plötzlich läuft Aurora weg und eine Bombe detoniert; hat sie hellseherische Fähigkeiten? Wie dem auch sei, den Zug müssen sie trotzdem nehmen, um anschließend in ein U-Boot Richtung USA zu gelangen, wo die Hohepriesterin der Nohiliten (Charlotte Rampling) schon auf Auroras Ankunft wartet. Dann tauchen da noch andere Söldner auf, die behaupten Auroras toter Vater hätte sie geschickt und der Weg in die Staaten gestaltet sich als zunehmend schwierig… …
Babylon A.D. - ein nachchristliches Babylon. Warum genau die Macher diesen Titel ausgewählt haben, konnte sich mir nicht erschließen. Im alten Testament, also im vorchristlichen Babylon, ist diese Stadt eine Stätte der Unterdrückung, eine Sammelstelle für Ungläubige und ein Herd der Unzucht. Soll das die Situation Russlands beschreiben? Historisch gesehen war Babylon in seiner Blütezeit eine boomende Metropole inmitten eines wirtschaftlich starken Landes. Eine Parallele zu New York und den USA im Film?
Darüber will ich hier nicht weiter philosophieren, denn auf ein überzeugendes Ergebnis zu kommen scheint mir unmöglich. Der Film bietet einfach keinerlei Ansatzpunkte, um einen Bezug zu seinem Titel zu erschließen. Das liegt unter anderem daran, dass er absolut keine Aussage hat. Die Story macht genau so viel Sinn wie der Film selbst: überhaupt keinen - nicht einmal im Ansatz.
Dass Vin Diesel zwar einen Charakterkopf hat, seine meisten Rollen sich aber doch eher durch plumpe Hau-Drauf-Schemen, keinerlei Tiefgang oder besonders nennenswerte Persönlichkeit auszeichnen, ist ja durchaus bekannt, aber mit Babylon A.D. setzt er dem ganzen die Krone auf: unterirdischer geht es einfach nicht. Toorop ist irgendwer, der was macht, weil er dafür Geld kriegt und ihm jemand den Auftrag gegeben hat. Daran kann auch sein kurzzeitig an die Oberfläche gespültes “Ich will raus aus dem Dreck und du [Aurora] bist meine Chance dafür”-Gewäsch nichts ändern.
Überhaupt ist Aurora von vorne bis hinten komisch und die vom Film gezeichnete Person ist unvollständig (und das bei einem vollkommenen Wesen!!!), ihre Geschichte und ihre Fähigkeiten sind total unlogisch und nicht erklärbar. Zugegeben einige schon, aber der Rest sind aus den Fingern gesogene Eigenschaften, die vorne und hinten keinen Sinn ergeben. Mélanie Thierry gibt in Babylon A.D. ihr internationales Kino-Debut und hätte sich dafür besser einen anderen Film aussuchen sollen. Auch wenn ihre blauen Augen glänzen, tut sie dies in ihrer Rolle nicht. Eine junge Frau, die alles weiß verliebt sich dann auch noch ausgerechnet in ihren hohlen und muskelbepackten Lebensretter: in wen denn sonst? Mahlzeit.
Michelle Yeoh konnten wir in diesem Jahr schon in Die Mumie 3 im Kino sehen. Der Film bekam von mir noch relativ viele Punkte (6,5/10), bei den meisten anderen sah das aber ganz anders aus und mit Babylon A.D. hat sie gleich zwei gefloppte Filme in einem Jahr zu verzeichnen. Ihre Rolle zeichnet sich - wie jede andere im Film - durch Ungereimtheiten aus: sie ist Nonne, war es aber nicht immer. Obwohl sie schon seit über zwanzig Jahren im Kloster ist, kann sie sich immernoch schlagen wie ein Mann und lügen tut sie noch dazu. Was ist das denn für eine merkwürdige Gläubige?
Die Anführerin der Religion ist auch nicht besser: ganz am Anfang wird sie in einer überflüssigen und unverständlichen Szene eingeführt, die nichts bewirkt und nur Verwirrung stiftet. Am Schluss ist sie einfach nur eine größenwahnsinnige blutrünstige Schlampe: top.
Bei Gérard Dépardieu kann man nur hoffen, dass er eine Maske trägt, denn es ist nicht einfach ihn unter seinem verquollenen Gesicht überhaupt zu erkennen: man denkt zwar “die Nase passt, die Augen passen, aber der Rest?”. Hoffentlich ist er inzwischen also nicht auch in natura so aufgedunsen.
Da mein Freund ein bekennender Keine-Vin-Diesel-Filme-Gucker ist und die Outline des Films mich nicht überzeugen konnte, hätte ich den Film vermutlich gar nicht angeschaut - wäre da nicht noch ein anderer Name auf dem Filmplakat aufgetaucht: Mathieu Kassovitz. Der Franzose arbeitete am Drehbuch mit und führte Regie, was mich dazu bewegte den Film doch anzugucken. Hatte es in Die purpurnen Flüsse doch so herrlich geklappt, als er im Regiestuhl saß, nachdem er das romanadaptierte Drehbuch selbst geschrieben hatte, erwartete ich hier ähnliches. Leider wurden meine (doch recht hohen) Erwartungen auf ganzer Linie und noch darüber hinaus enttäuscht. Das Drehbuch zu Babylon A.D. kann man wirklich nur als “Schund” bezeichnen und hoffen, dass Kassovitz als nächstes wieder einen Glanzpunkt in seine Biographie setzt, wie er es vor acht Jahren mit Die purpurnen Flüsse getan hat.
Die angesprochenen Ungereimtheiten, Logiklöcher und Fehler was die Charaktere angeht sind eine Sache, aber auch was die Handlung, die Geschehnisse, anbelangt bleiben etliche Fragen offen oder werfen sich auf, sobald der Bildschirm schwarz wird.
!!! ACHTUNG, SPOILER !!!
Warum hatte Aurora nun eigentlich hellseherische Fähigkeiten und konnte den Tod anderer Menschen spüren? Ihr wurde schließlich das Wissen der Menschheit mit in die Wiege bzw. in den Mutterleib gelegt, aber keine künstliche Übermacht implantiert. So ist es auch seltsam, dass sie eine Explosion in fünf Centimeter Entfernung von ihrem Kopf unbeschadet übersteht.
Eine weitere Frage, die die Explosion aufkommen lässt, ist: wieso um alles in der Welt braucht Toorop eine künstliche Handverstärkung und eine Beinprothese, wenn schräg über seinem Kopf eine Rakete in die Luft geflogen ist, trägt aber keinerlei Verbrennungen davon? Absolut unlogisch.
Wie dem auch sei, die härteste aller Fragen wirft dann doch wiederum das wandelnde Lexikon Aurora auf: von wem ist sie schwanger? Hat der Arzt sie vergewaltigt? Hat ihr Vater vor zwanzig Jahren einen Embryo mit Timer in ihren Embryo mit eingesetzt? Hat Toorop sie durch die Luft oder Hautkontakt geschwängert? Unerklärlich. Und woher weiß sie dann schon vorher, dass sie bei der Geburt sterben wird? Und woran?
!!! SPOILER ENDE !!!
Die Worte Hä, Warum, Wieso, Weshalb und Schwachsinn kann man also gar nicht so fett drucken wie es nötig wäre, um den Film damit treffend zu beschreiben.
Babylon A.D. ist damit einer der schlechtesten Filme, die ich mir je angetan habe und ich kann niemandem empfehlen, sein Geld dafür zu verschwenden: selbst fünfzig Cent wären noch zu viel. Mit 0,5 von 10 Punkten ist der Film fast noch gnädig bewertet.
- Diese Seite wurde zuletzt am 24. Oktober 2008 um 13:31 Uhr geändert.
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