Basta - Rotwein oder Totsein (Deutschland 2004) - Kritik von hasendeddy
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(orig. Titel: C(r)ook)
Kritik von hasendeddy.
Inhaltsverzeichnis |
Einleitung
Heute möchte ich mal wieder ein Review zu einem deutschen Film schreiben - da sind ja in letzter Zeit wirklich viele interessante Titel auf uns losgelassen worden. Wobei deutsch nicht ganz richtig ist deutsch-österreichisch wäre da schon treffender.
Ich habe „Basta - Rotwein oder Totsein“ ausgewählt, weil hier Henry Hübchen und auch Moritz Bleibtreu mitspielen. Die beiden Schauspieler bürgten ja schon in der Vergangenheit für Qualität. Trotzdem waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, denn Gangsterkomödien aus deutschen Landen hatten für mich bis auf wenige Ausnahmen immer einen faden , typisch muffigen deutschen Beigeschmack.
Doch lassen wir die Vorurteile mal beiseite...
Handlung
Ein Gefängnisausbruch mit Geiselnahme. Der Gefangene Oscar (Henry Hübchen) hat die Gefängnispsychologin Maria (Corinna Harfouch) in seiner Gewalt. Diese kann den Häftling kurz bevor er zu seinem Fluchtauto gelangt durch Atemübungen dazu bewegen, nochmal über die geplante Flucht nachzudenken um vielleicht doch noch aufzugeben. Dies tut er aber nur unter der Bedingung, dass sie mit ihm nach seiner Entlassung Essen geht. Oskar liebt ganz offensichtlich Maria, da war dieses Angebot für ihn natürlich verlockend und er gibt nach ihrer Einwilligung zum Dinner auch bereitwillig auf.
2 Jahre später. Oscar ist aus der Haft entlassen und geht für seine Organisation seiner gewohnten Tätigkeit als Schutzgelderpresser und als Mann für's Grobe nach. Oscar und Maria sind inzwischen ein Paar, und er hat ihr versprochen, seine Verbrecherlaufbahn zu beenden und ein ehrlicher Mann zu werden. Da Oscar schon immer leidenschaftlicher Koch war, will er ein Kochbuch auf den Markt bringen und so seiner Verbrecherkariere lebewohl sagen. Dies muss natürlich seinen Verbrecherkollegen verborgen bleiben, da die für solche Ambitionen kaum Verständnis zeigen würden.
Doch der Mafiaboss Konstantin (Karlheinz Hackl) hat noch einen letzten Job für Oscar. Er soll den Bordellbesitzer Leo (Paulus Manker) ermorden, weil der für den Tod seiner Tochter verantwortlich ist.
Helfen soll ihm dabei der etwas naive Valentin (Moritz Bleibtreu). Oscar hat natürlich nicht vor, Leo umzubringen - da muss also eine andere Lösung her. Zusätzlich wird Valentin noch mißtrauisch, als er erfährt, dass Oscar im Geheimen ein Buch schreibt - könnten doch darin Interna über die Mafia verraten werden, welche die Polizei sicherlich sehr gerne hören würden.
Die Lage wird entgültig kompliziert, als Valentin sich in Oskars Lektorin und beste Freundin Marias verliebt, und Maria dann sogar noch vom Bordellbesitzer Leo entführt wird. Zum freikaufen braucht er jetzt dringend sehr viel Geld, das er sich von seinem Boss großzügig "ausleiht".
Dabei schaut der Pate von Wien natürlich nicht tatenlos zu und Oscar wird zum Gejagten.
Kritik
Nun, was hab ich eigentlich erwartet?
Ich habe eine Gaunerkomödie a la „Bang Boom Bang“ oder „Knocking on Heaven‘s Door“ erwartet und lag da nicht ganz falsch. Es werden aber nicht nur ältere deutsche Gangsterfilme zitiert, sondern es wird sich ungeniert bei dem dänischen "In China essen sie Hunde" und auch bei einer Schießereiszene aus "Requiem for a Dream" sowie anderen Werken ähnlicher Machart bedient.
Die Mischung aus wirklich sehr schwarzem Humor und dem typischen Wiener-Schmäh wird ergänzt durch die comichaft übertriebenen Charakter. Jede Person hat irgendeine schwerwiegende Macke und wird zum Glück auch intensiv in die Handlung eingeführt, sodass sich der Zuschauer schnell in die Geschichte hineinversetzten kann und dann auch mit den Sonderlingen mitfühlt. Dadurch bekommt die ohnehin schon interessante Geschichte einen unverwechselbaren Touch und es macht wirklich Spass diese zu verfolgen.
Kommen wir nun zu den Schauspielern. Bei der Auswahl derselben hat Regisseur Pepe Danquart wirklich ein sehr gutes Händchen bewiesen. Henry Hübchen als Oscar, dem hobbykochenden Gentlemanverbrecher und Moritz Bleibtreu als Valentin, dem sowohl dümmlichen, als auch brutalen Weiberheld können wohl als die Idealbesetzung angesehen werden. Allein den beiden zuzusehen macht eine Menge Spass.
Kameraarbeit und der Score passen jederzeit zur Handlung, fallen aber weder positiv, noch negativ auf.
Warum ist der Film dann nur gehobener Durchschnitt?
Ich weiß auch nicht warum mich der Film nicht so recht vom Hocker hauen will. Ich denke, dass die häufig sehr übertrieben dargestellte Gewalt, bei deren Ausbruch schon einmal eine Frau zusammengetreten wird, einen erheblichen Spassdämpfer austeilt. Kommen noch die allzu offensichlichen Zitate aus anderen Filmen hinzu - die haben mich auch etwas gestört.
Außerdem hat der Film den typisch deutschen Muff noch nicht ganz ablegen können - er ist zwar schon sehr viel moderner, als andere deutsche Filme ähnlicher Art, kann aber in der Liga der internationalen Produktionen trotzdem noch nicht ganz mitspielen. Wenn man jetzt die Summe dieser Störfaktoren zusammenzählt, hat man dann doch schon ein ein größeres Problem, welches von mir natürlich mit Punktabzug geahndet wird.
Zwar können die Schauspieler wieder einiges herausreißen, für eine Spitzenwertung reicht es aber dennoch nicht. Der Film beschreitet aber sicher den richtigen Weg und kann als Wegweiser für künftige Produktionen hergenommen werden.
Die einzige wirklich echte Innovation in diesem Film besteht in der kulinarischen Komponente, die ein wenig für Abwechslung im Gangsteralltag sorgt und für diese Produktion dann auch Titelgebend war.
Also ich kann diesen Film trotz der beschriebenen Macken durchaus für einen gelungenen Filmabend mit Freunden empfehlen.
Persönliche Anmerkung: Schön, dass Moritz Bleibtreu endlich wieder in einer für ihn wirklich perfekt passenden Rolle glänzen kann. In letzter Zeit habe ich das vermisst (wer "Der Fakir" oder "Vom Suchen und Finden der Liebe" anschautt, weiß was ich meine)
Meine DVD
Eurovideo hat beim Bild alles richtig gemacht. Schärfe, Kontrast und Farben liegen auf hohem Niveau. Beim Ton schaut die Sache bei mir schon anders aus. Irgendwie hatte ich wirklich manchmal Mühe, die Dialoge klar zu verstehen. Durch Nachregeln des Centerspeaker wurde das schon besser, aber bei anderen Filmen war das bisher noch nicht nötig gewesen. Ob's diesmal an meiner Anlage gelegen hat wage ich deshalb zu bezweifeln.
Kommen wir zu den Extras: Mein Hoffen und Flehen wurde diesmal erhört! Ein Booklet! Endlich mal wieder! Richtig dick mit 14 Seiten, die auch noch interessant sind.
Darin sind verschiedene Kochrezepte, die Vorgeschichte zum Film, die Geschichte des Bagels, die Tradition des Leichenschmauses, Fleisch und Blutgerichte, das Süße zum Schluss...wirklich schön gemacht und sehr gut gelungen. Andere DVD Label könnten sich da wirklich eine Scheibe davon abschneiden.
Ansonsten gibts als Extras auf der DVD nur normale Kost, das macht aber bei diesem Film nichts aus:
Die Extras im Einzelnen:
Fazit
Mal wieder ein unterhaltsamer und lustiger Film aus deutschen Landen. Er werden zwar viele internationale Produktionen zitiert (man könnte auch sagen es wurde davon geklaut), wer sich davon aber nicht stören läßt, bekommt einen ordentlichen Gangsterfilm mit viel schwarzem Humor serviert.
Ganz ohne Macken ist diese Produktion dann leider auch nicht ganz, aber ich habe mich schon sehr gut amüsiert. Die Klasse von „Bang Boom Bang“ oder „Knocking on Heaven‘s Door“ wird aber leider nicht ganz erreicht. Einen Großteil am Gelingen des Films hatten aber auch die perfekt auf ihre Rollen zugeschnittenen Schauspieler, ohne die der Film nicht halb so sehenswert wäre.
Also: Chipstüte auf und unterhalten lassen - mehr braucht's nicht. Mehr will der Film aber auch nicht.
6/10 Punkten
Weblinks
- Diese Seite wurde zuletzt am 9. September 2006 um 13:59 Uhr geändert.
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