Davids wundersame Welt (Großbritannien 2003) - Kritik von hasendeddy

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Originaltitel: Wondrous Oblivion

Kritik von hasendeddy.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Es gibt Filme, die ich länger in meiner Sammlung habe, auf die ich aber wegen ihres Themas nicht besonders scharf bin. "Davids wundersame Welt" gehörte da auch dazu, weil der Film als Thema das englische Cricketspiel hat bzw. die Begeisterung darüber, was ich wiederum überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Zudem (Igel mag es mir verzeihen) hat mich das ewig lange Cricket in "Lagaan" ein wenig genervt. Der Film war gut, doch ich habe das Spiel bis heute nicht richtig verstanden - trotz der Länge des Films.

Vorgestern habe ich dann die Zähne zusammengebissen und den Film angeschaut. Da wäre mir doch fast wieder etwas entgangen...aber eben nur fast. ich hatte einen wirklich schönen Filmabend...

Ach ja, der Film lief übrigens auch auf der Berlinale - das aber nur so als kleine Info am Rande.

Handlung

Wir befinden uns im London der 50er Jahre. Der Krieg hat deutliche Spuren in den Seelen der Bevölkerung hinterlassen und viele jüdische Familien sind im Verlauf des Krieges in London eingewandert.

So auch die Familie des kleinen elfjährigen Davis Wiseman (Sam Smith). Seine Großeltern fielen dem deutschen Holocaust zum Opfer, was er aber zum Glück nicht mehr mitbekommen hat - da war er noch zu klein.

Diese Familie hat sich inzwischen schon in ihre kleinbürgerlichen Verhältnissen eingewöhnt und der Vater arbeitet fast rund um die Uhr um seiner Familie einmal etwas Besseres bieten zu können. Die "Einheimischen" Londoner beäugen diese Familie aber noch immer mit Mißtrauen, sie sind eben noch immer Fremde und dazu noch Juden.

Davids volle Begeisterung gilt dem Cricketspiel - er denkt an nichts anderes und sammelt alle Sammelkarten der berühmten Spieler dieses Sports, die er nur bekommen kann. Im krassen Gegensatz dazu steht sein Geschick auf dem realen Cricketplatz. Er ist leider völlig unbegabt, weshalb er von den anderen Spielern auch völlig gemieden wird. Zuletzt landet er deswegen auch als Anschreiber an der Spielstandtafel - er ist einfach nicht tragbar für die Mannschaft und für nichts anderes zu gebrauchen.

Gerade jetzt zieht eine neue Familie ins Nachbarhaus der Wisemans. Am Anfang ist David etwas erstaunt, weil sich herausstellt dass die neuen Nachbarn dunkelhäutig sind, doch als sie im Garten nebenan ein Cricketnetz aufbauen, ist er natürlich sofort begeistert und vergisst seine anfänglichen Bedenken.

Seine Eltern verbieten ihm zunächst den Umgang mit diesen Fremden, weil sie fürchten ins Gerede der Nachbarn zu kommen - aber David nutzt einmal die günstige Gelegenheit und läßt sich vom Vater der Familie die wichtigsten Schläge zeigen. Fortan trainiert er gegen die Bedenken seiner Eltern mit der Tochter Judy (Leonie Elliot) und dem Vater Dennis (Delroy Lindo), denn wie sich herausstellt können sie wirklich sehr gut Cricket spielen.

Auch die Mutter freundet sich so nach und nach mit Dennis an, er hat so eine freundlich warme Ausstrahlung, der sie sich nur schwer entziehen kann.

Die Tage vergehen, langsam wird aus David ein richtig guter Cricketspieler und er hat deswegen auch viele neue Freunde gefunden. Auf seiner Geburtstagsparty sind natürlich alle eingeladen, da steht plötzlich auch seine dunkelhäutige Freundin Judy vor der Türe. Er steht nun vor der schweren Entscheidung - lässt er das schwarze Mädchen ins Haus und wird fortan gemieden oder weist er sie ab....

Kritik

"Davids wundersame Welt" ist ein äußerst unterhaltsamer und gut erzählter Film über Freundschaft, Toleranz und Loyalität. Er will nicht mehr, aber auch nicht weniger sein und macht dann das was er sein will wirklich hervorragend.

Das an sich ernste und durchaus auf unsere heutige Gesellschaft gut übertragbare Thema wird durch die herzerwärmende Geschichte eines Jungen erzählt, dessen größe Leidenschaft das Cricketspiel ist.

Aufgepeppt wird die Handlung durch kleine Details wie die Spieler auf den Sammelkarten, welche plötzlich mit David sprechen und den einen oder anderen guten Rat geben. Aber keine Angst, die Regeln von Cricket braucht der Zuschauer nicht zu kennen.

Auch die Lebensverhältnisse und der durch die Umgebung ausgeübte psychische Druck in der jüdischen Familie, sowie der Lebensmut, die Lebensfreude und die Lockerheit der dunkelhäutigen Familie werden duch die tollen Schauspieler gut und nachvollziehbar dargestellt, so dass der Zuschauer sich gut in die handelnden Personen hineinversetzen kann.

Der Eindruck wirklich in die 50er Jahre zu blicken, wird zusätzlich zu den gelungenen Kulissen auch noch durch den schwungvollen Soundtrack unterstützt. Hier ist für jeden etwas dabei. Die Pallette reicht von Jazz bis Ska und bringt wirklich den letzten Kick in den Film. Fußwippen erwünscht!

Über die gesamte Spielzeit sind keinerlei Längen vorhanden, sodass ich "Davids wundersame Welt" auch in dieser Hinsicht nur die besten Noten ausstellen kann. Ich habe mich jedenfalls bestens Unterhalten und amüsiert.

Wenn ich denn einen Kritikpunkt nennen müsste, dann fielen mir nur die Klischees ein, deren sich der Film ständig bedient. Hier gibt es nur gut oder böse...ich denke das ist in der Wirklichkeit etwas anders, doch solche Klischees will der Film ja gerade zerstören. Daher war es wohl nötig, diese auch in aller Deutlichkeit zu zeigen.

Ein Film für die ganze Familie und jeden Cineasten - wirklich jeder wird bestens unterhalten und kann zusätzlich etwas von diesem Film lernen. Toll - und mir völlig unerklärlich warum diesen Film fast niemand kennt.

Meine DVD

Die DVD von Eurovideo bietet ein in allen Belangen durchschnittliches Bild. Sichtbare Bildfehler sind zwar keine vorhanden, doch die Schärfe und vor allem der Schwarzwert geben Anlass zu leichter Kritik. Das hört sich jetzt schlimm an, doch es hat mich nicht wirklich gestört - die Abweichungen von der Norm sind noch nicht so stark, dass sie stören könnten.

Beim Ton (Deutsch 5.1/2.0 und Englisch 5.1/2.0) gibt es weniger zu bekriteln. Er klingt klar und kräftig. Besonders bei der Musik kommt dankenswerterweise die gute Dynamik zum tragen. Erwähnen möchte ich aber, dass auf der DVD keine Untertitel vorhanden sind.

Alles in allem also eine durchschnittliche Veröffentlichung, was auch für die Extras gilt:

  • Kinotrailer in Deutsch und Englisch
  • B-Roll (nicht sehr interessant)
  • Trailer zu weiteren DVD's des Labels

...das war's dann auch schon.

Fazit

Was soll ich sagen? Ein schöner Film über Loyalität, Freundschaft und Zivilcourage. Alles verpackt in eine unterhaltsame Geschichte über die Begeisterung eines kleinen Jungen zum Cricketspiel.

Der Film läßt es einem wirklich warm ums Herz werden, was aber auch am genial spielenden Delroy Lindo und den beiden herzerfrischenden Kindern liegen mag. Dazu kommt die schwungvolle Musik, die Handlung ohne Längen und einige witzige Einlagen. Fertig ist der perfekte und äußerst sympathische Unterhaltungsfilm.

Nur ein paar typische Klischees hätten es vielleicht weniger sein können. Aber davon, ebensolche abzubauen, handelt der Film ja schließlich auch. Kein Meisterwerk, aber ein richtig schöner Film.

7/10 Punkten

Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 11. September 2006 um 17:29 Uhr geändert.
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