Der Pate 1-3 (USA 1972-1990) - Kritik von Herr Shaggy
Aus wiki.dvdb.de
Kritik von Herr_Shaggy.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
Dieses zeitlose Meisterwerk der Filmkunst muss man einfach gesehen haben. Jeder der es noch nicht getan hat, kann sich im folgenden eine Anregung zum Schauen holen.
Der Pate (1972)
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/don_1.jpg
Der Beginn der großen Saga um die Mafia Familie rund um Don Vito Corleone (Marlon Brando). Eine Hochzeitsfeier 1946: viele Gäste, ausgelassene Stimmung- ein rauschendes Fest. Jedoch abgeschattet von der Öffentlichkeit- schließlich heiratet nicht irgendwer, sondern Connie Corleone (Talia Shire, Rocky I-V), die Tochter des großen Mafia Dons Vito Corleone (Marlon Brando, Apocalypse Now). Doch nicht nur Connies Hochzeit gibt an diesem Tag Anlass zum Feiern: es ist auch der Tag der Rückkehr von Michael Corleone (Al Pacino, Sc*rf*c*), als geehrter Held des zweiten Weltkriegs. Michael ist jedoch der einzige der großen Corleone Familie, der nichts mit dem „Geschäft“ seiner Verwandten zu tun haben will. Vielmehr sehnt er sich nach einem bürgerlichen Leben, zusammen mit seiner großen Liebe Kay Adams (Diane Keaton). Nebenan im Haus, beobachtet Don Corleone das Fest- auch an diesem Tag ruft die Arbeit. Wobei Arbeit gleichzusetzen ist mit Gefallen tun. Gibt es Probleme, hilft der Don. Er fordert hierbei nicht viel, einzig einen Gefallen zur rechten Zeit. Ehre und Treue spielen dabei die zentrale Rolle. Der Einfluss der Familie reicht weit: Richter, Staatsanwälte, Polizisten, sowie Journalisten und Bankiers- überall hin hat der Don seine Kontakte und Verbindungen. Hilfe, was die Beziehungen angeht, erhält er von dem Familienanwalt Tom Hagen (Robert Duvall, Nur noch 60 Sekunden), der quasi ein Adoptivsohn für ihn ist. Vito Corleone ist jedoch ein altmodischer Don, der nach den alten Traditionen lebt, wie damals in Sizilien. Aber die Zeiten ändern sich und so verdrängt der Drogenmarkt die ursprünglichen Geldquellen der Mafia, Alkohol, das illegale Glücksspiel und die Prostitution. Virgil Sollozzo (Al Lettieri) ist jemand vom „neuen Markt“, der große Gewinne aus dem Drogengeschäft verspricht, im Gegenzug zum Schutz durch eine große Mafia Familie. Vito Corleone weist ihn jedoch aus moralischen Gründen ab, was einen großen Groll Seitens Sollozzos nach sich zieht. Er lässt den Don durch seine Handlanger niederschießen, um den Wechsel gewaltsam zu vollziehen. Vito überlebt jedoch schwer verletzt. An dieser Stelle ändert sich Michael Corleones Einstellung- er schwört Rache und scheut dabei auch nicht vor den ihm vorher verhassten Mafia Methoden zurück. Er steigt in das Familiengeschäft ein und führt die Familie in einen großen Bandenkrieg gegen Sollozzo und seine Hintermänner. Dieser Krieg geht aber nicht spurlos an der Corleone Familie vorbei…
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/michael_1.jpg
Wohl zweifellos einer der besten Filme alle Zeiten, gab es kaum einen Film in den letzten 30 Jahren, der so einen großen Einfluss auf die Filmlandschaft hatte. Francis Ford Coppola hat zusammen mit Mario Puzo (der die Romanvorlage schrieb) etwas ganz großes geschaffen!
Jeder Gangsterfilm in den letzten Jahren sucht Anleihen zum Paten, selbst Videospiele (siehe „Mafia“, oder GTA: Vice City) übernehmen Motive und Stereotypen aus diesem epischen Meisterwerk der Filmkunst.
Das Bild des italo-amerikanischen Gangsters reicht bis in unsere heutige Zeit hinein.
Zentrum der Handlung ist die Familie Corleone, mit ihrem „Geschäft“ und der daraus resultierenden Welt. Innerhalb dieses Kontexts kommen dann aber vor allem sozialkritische Aspekte zum Tragen, ebenso wie psychologische Untertöne. So zeigt sich wie sehr man von seinem Umfeld beeinflusst wird, wie stark Gewalt einen Menschen verändern kann und verrohen lässt, jedoch auch wie unterschiedlich moralische Überzeugungen aus verschiedenen Blickpunkten aussehen (gerade bei Sollozzo gut zu sehen). Auch Korruption und Machtgier bilden einen großen thematischen Schwerpunkt in der Geschichte.
Es gibt auch gewaltsame Momente in diesem Film, jedoch lebt der Film zu keiner Sekunde von der Action- sie dient lediglich als Schlussfolgerung in Schlüsselmomenten der Handlung.
Eine der wohl einprägsamsten Szenen ist die Berühmte Pferdekopfszene- bis auf das Bild, werde ich da nicht näher drauf eingehen ;)
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/pferdekopf.jpg
Die dargebotene, schauspielerische Leistung ist mehr als erhaben. Als erstes muss man natürlich Marlon Brando nennen. Seine Leistung als pausbäckiger Don Vito Corleone ist wohl die herausragendste schauspielerische Leistung des modernen Films. Unvergesslich die Szene in seinem Büro, mit der Katze auf der Hand und dem wohl berühmtesten Zitat der Filmgeschichte: „I’m gonna make him an offer, he can’t refuse“ (Ich werde ihm ein Angebot machen, dass er nicht ablehnen kann). Die Hingabe mit der Brando seine Rolle spielt ist für mich immer wieder bewundernswert und zum niederknien.
Dann ist da natürlich auch Al Pacino, als jüngster Sohn des Dons, Michael Corleone. Wunderbar, wie Pacino den Wandel vom Kriegshelden und Verächter des Familiengeschäfts, zum rachsüchtigen, in die Fußstapfen seins Vaters tretenden Mafioso darstellt. Man merkt förmlich das Feuer, dass in Michael brennt- ganz großes Kino!
Dann wären da noch Robert Duvall (Tom Hagen) und James Caan (Sonny Corleone- der hitzköpfige, älteste Sohn des Dons), die ihre Rollen ebenfalls bis ins Detail perfekt rüberbringen. Bei Tom Hagen das kühl, analytische, bei Sonny das hitzköpfige, aggressive, temperamentvolle.
Auch der Rest des Cast spielt so gut, dass das Schauspiel so realistisch wirkt, also ob es echte Aufnahmen und kein Film wären.
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/don_2.jpg
Regie und Schnitt sind natürlich auch viel mehr als großartig! Francis Ford Coppola (Apocalypse Now) zeigt wunderbare Aufnahmen (siehe die Eröffnungsszene), rasante Schnitte und schnelle Kameraarbeit bei den Actionszenen. Trotz seiner Länge von über 2 1/2 Stunden fehlt es dem Film nie an Dynamik- selbst nach x-fachem Ansehen! Diese Regiearbeit trägt ihren Teil dazu bei, weshalb man vom Paten als Meisterwerk spricht und weshalb u.a. Entertainment Weekly ihn zum besten Film aller Zeiten gekürt hat.
Drei Oscars (Bester Hauptdarsteller: Marlon Brando, bester Film und beste Adaption (Mario Puzo), sowie 8 weitere Nominierungen (u.a. beste Regie und 3 mal bester Nebendarsteller (Pacino, Duvall, Caan) sprechen hier eine eindeutige Sprache.
Zum Score muss man wohl auch kaum viele Worte verlieren- er ist das gewisse Tüpfelchen auf dem i. Wohl jeder Mensch, der einmal einen Film gesehen hat, kennt das zentrale Thema des Films.
Die Mischung aus sizilianischen und modernen Klängen macht den Reiz aus und passt einfach wie die Faust aufs Auge.
Grandios! 10/10
Der Pate II (1974)
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/michael_2.jpg
Im zweiten Teil der Saga gibt es zwei Handlungsstränge: einerseits sieht man die Vergangenheit von Vito Corleone (gespielt von Robert De Niro, Taxi Driver). Getrieben von sozialen Problemen in Sizilien muss der blutjunge Vito aus seiner Heimatstadt Corleone fliehen, da der lokale Mafia Boss seine Familie aus Vergeltung der Reihe nach umbringt. Nach einer langen Reise kommt der Junge letztlich in Amerika, genauer gesagt New York, an. Im folgenden sieht man den langsamen Aufstieg vom kleinen Immigranten, zum mächtigsten Don der USA. http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/vito_jung.jpg Der andere Handlungsstrang beschreibt Michael Corleones (wieder gespielt von Al Pacino) unaufhaltsamen Aufstieg. Er macht sich seinen Weg nach Las Vegas, um sich dort zu etablieren. Jedoch zeigt sich im Verlauf der Handlung, dass Michael nicht die Größe seines Vaters hat- er lässt die Familie fast auseinander brechen und entfernt sich immer weiter von dem Ideal, dass er noch im ersten Teil symbolisiert hat. Eheprobleme und der schwierige Ausstieg aus dem „Geschäft“ bereiten ihm zunehmend Probleme. Ein rauer, steiniger Weg aus der Krise folgt…
Francis Ford Coppola hat mit der Pate II das schier unmögliche geschafft: ein Meisterwerk der Filmkunst zu wiederholen!
Der zweite Teil unterscheidet sich teilweise drastisch vom ersten Film, hat dabei aber jeden Fitzel der Magie des ersten Films.
So sticht einem zu aller erst die Erzählweise ins Auge: immer wieder und vor allem an entscheidenden Momenten, streute Coppola eine Rückblende ein, in der man dann passend zur (zeitlichen) Haupthandlung die Ereignisse um den jungen Vito Corleone sieht. Einerseits redet Michael mit seinem Sohn über das Familienerbe, in der Rückblende sieht man eine Szene, in der (der junge) Vito über seine großen Zukunftspläne redet- es greift zu jedem Zeitpunkt wunderbar ineinander!
Die Regie ist fehlerlos, erneut fängt einen sofort die Atmosphäre einer Welt, in der es nur auf Macht und Beziehungen ankommt.
Die Kulissen des New York um 1915 sehen fantastisch aus und könnten akkurater kaum sein.
Überhaupt sieht der Film unglaublich gut aus. Er strahlt eine düstere Atmosphäre aus, wenn gleich alles reich und dekadent aussieht.
Besonders imponierend sind die Szenen, in denen ein Charakter aus der Dunkelheit langsam ins Licht tritt, sein Gesicht dabei halb im Schatten- es gibt viele dieser Einstellungen. Wirklich großartig!
Das Schauspiel ist mal wieder erhaben bis ins letzte Detail!
Al Pacino glänzt in der Hauptrolle, strahlt alles aus, was seine Rolle ihm abverlangt: innere Zerrissenheit, Wut, Fürsorge, Niedergeschlagenheit- eine große Bandbreite an Emotionen, die sein Schauspiel gekonnt aufzeigt.
Neben Pacino überzeugt auch der junge Robert De Niro als Vito Corleone, Anfangs des 20. Jahrhunderts. Anfangs schweigsam und eingeschüchtert, mausert er sich seiner Rolle entsprechend ziemlich schnell zum souveränen (klein) Paten der Nachbarschaft.
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/deniro_1.jpg
Weiterhin überzeugt wieder einmal Robert Duvall als Tom Hagen und auch Diane Keaton als Kay Adams/Corleone.
Selbst mit der Lupe findet man keine Fehler in der Besetzung (wie auch beim Film an sich!).
Der Score spielt ebenfalls auf Niveau des ersten Films, überzeugt wiederum mit wunderbaren Klängen.
6 Oscars gab es für den zweiten Teil (bester Nebendarsteller, bestes Set, beste Regie, beste Musik, bester Film und bestes Drehbuch), daneben 5 weitere Nominierungen (Al Pacino für die beste Hauptrolle, drei Nominierungen für die beste Nebenrolle und eine für die besten Kostüme).
Jeder einzelne Oscar davon war absolut verdient!
Fast 200 Minuten Filmgenuss pur-
Wieder eine klare 10/10
Der Pate III (1990)
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/michael_3.jpg
Seit dem zweiten Teil sind viele Jahre vergangen. Michaels ewige Liebe Kay hat sich von ihm getrennt, er ist ein gebrochener Mann, der selbst Respekt vor sich selbst vermissen lässt. In dieser schwierigen Lage versucht er durch den Vatikan seine Schuld rein zu waschen und einen Ablass zu erhalten. Ganz nebenbei muss er sich auch noch um die Nachfolge der Familiengeschäfte kümmern- keine leichte Situation für einen Menschen in der Lage wie Michael es ist. Seine ständigen versuche aus dem Geschäft auszusteigen sind ständig gescheitert (Zitat: „Just when I think I'm out, they pull me back in.“) , wodurch er auch letztlich seine Frau verloren hat. Einzig die große Liebe zu seinen Kindern Mary (Sofia Coppola) und Anthony (Franc D'Ambrosio) spornt ihn weiter an, seine Ziele zu erreichen. Problematisch wird es, als sich der mögliche Erbe des Familienimperiums Vincent Mancini (Andy Garcia) in Michaels Tochter Mary verliebt und eine Äffäre mit ihr beginnt. Zudem trachten wieder einmal jemand nach Michaels Leben…
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/andy_1.jpg
Der mehr oder minder krönende Abschluss dieser sagenhaften Trilogie.
16 Jahre nach dem überragenden Erfolg von Der Pate II, haben sich Francis Ford Coppola und Mario Puzo ein letztes mal zusammengetan, um in Einigkeit mit Al Pacino die Serie abzuschließen.
Wieder einmal sind Regie und Kamera über alles erhaben (unvergesslich bleiben Szenen wie jene innerhalb der Oper, oder das Finale an der langen Treppe des Oper, mit dem tragischen Ende).
Es wirkt, als sollte bei letzten Teil alles noch einmal größer und moderner werden (anders lässt sich die Hubschrauberszene kaum erklären)- dennoch funktioniert es in (fast) allen Belangen hervorragend!
Die dargebotenen schauspielerischen Leistungen sind mal wieder großartig (vor allem Al Pacino- wie gewohnt :)). Diane Keaton (Kay Adams/Corleone) ist ebenso wieder mit von der Partie, wie Talia Shire (Conny Corleone- im dritten Teil besser den je!). Größter Neuzugang des Casts ist Andy Garcia (Vincent Mancini), der die Rolle des Erben hervorragend umsetzt.
Leider vermisst man Robert Duvall (überdrehte Gehaltsforderungen machten ein mitspielen unmöglich), dessen Anwesenheit dem Film sicherlich mehr als gut getan hätte!
Auch Sofia Coppola (Mary Corleone) grenzt an einen Totalausfall! So sehr ich sie als Regisseurin achte (The Virgin Suicides, Lost in Translation), so wenig schätze ich ihr Schauspieltalent. Jedoch weiß ich auch nicht, ob Winona Ryder (die kurzfristig wegen den Dreharbeiten zu Edward mit den Scheerenhänden abgesprungen ist) die bessere Wahl gewesen wäre- zumindest passte Sofia Coppola von ihrem Äußeren (der italo-amerikanischen Art) in den Film.
http://home.arcor.de/herr_shaggy/der_pate/family.jpg
Sie ist es auch, weshalb der Film kein 10/10er ist. Ich fand es teilweise ein Ärgernis, ihrem Spiel im Verlaufe des Film zuzuschauen- es klingt schlimmer als es ist, aber mit einer etwas besseren Besetzung, hätte der Film die 10/10 erreichen können!
Dennoch ist der Film überaus sehenswert und bekommt dicke 9/10 Punkte. Wer die ersten Teile gesehen hat, muss!!! den dritten Film um jeden Preis sehen. Aber auch alle anderen werden ihre Freude in diesen 2 1/2 Stunden haben!
Veröffentlichung und Technik
http://www.dvdb.de/dvdpix/big/p-0440.jpg (Der Pate DVD Collection, #1 Neuauflage)
Technisch wurde auch viel aus dem Material geholt. Einerseits ist das DigiPak wunderschön, die einzelnen Discs sind in Digis mit Sepia Bildern der jeweiligen Hauptakteure. Das Bild ist klasse! Man muss zu aller erst bedenken, dass es sich hier um Filme handelt, die 11, bzw. über 30 jahre alt sind- dafür sind Schärfe und Kontrast sehr gut! Der Ton ist dagegen zumindest in der deutschen Tonspur schwach. So liegen der erste und zweite Teil nur in Mono 1.0 vor, der dritte zumindest in Dolby Surround. Auf Englisch sind hingegen alle drei Teile als 5.1 upmix enthalten, der wirklich sehr gelungen klingt- wieder ein Grund mehr, die Filme im original anzuschauen! Es wird nämlich ein sehr räumlicher Score geboten, sowie der ein, oder andere direktionale Effekt, wie auch ab und an ein kleines Bassgewitter- tolle Arbeit!
Das Bonusmaterial ist der schiere Wahnsinn! 71 Minuten Making Of zu allen drei Teilen, 60 Minuten deleted scenes (34 Stück), ein Feature über die Adaption der Romanvorlage, und und und. Es lohnt sich alles zu erforschen- Platzhalter oder ähnliches sucht man hier vergebes- alles ist informativ, alles ist gut :) Zudem gibt es auch noch zu allen drei Filmen einen AK von Francis Ford Coppola auf der jeweiligen Disc- klasse!
Die Veröffentlichung an sich bekommt daher (wie auch die Filme) eine klare 10/10- vor allem wenn man das Alter des Ausgangsmaterials bedenkt!
Fazit
Zu Recht ein Meisterwek des modernen Kinos- packend, bewegend, und unglaublich intensiv gespielt. Uneingeschränkte Empfehlung!
10 von 10 Punkten
Links
- Diese Seite wurde zuletzt am 23. August 2006 um 18:00 Uhr geändert.
- Diese Seite wurde bisher 646-mal abgerufen.
