Don't Come Knocking (Deutschland, Frankreich 2005) - Kritik von hasendeddy
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Originaltitel: Don't Come Knocking
Kritik von hasendeddy.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
So, jetzt bin ich alt! Mir gefallen die Filme von Wim Wenders! (So schoss es mir zumindest kurzfristig durch den Kopf.)
Nein, im Ernst – Ich hatte vor diesem Film, wie ich zu meiner Schande zugeben muss, erst ein einziges Mal Kontakt mit Filmen von Wim Wenders. Damals hatte ich „Himmel über Berlin“ gesehen und der gefiel mir (damals) überhaupt nicht. Nun bin ich durch Gespräche mit einer netten Filmliebhaberin wieder auf Wenders Werke gestoßen. Wie ich diesen großen Regisseur bislang vollkommen übersehen bzw. ignorieren konnte, ist mir ehrlich gesagt ein vollkommenes Rätsel. Schande über meine Filmsammlung.
Jetzt habe ich aber einige Filme von ihm in meine Sammlung aufgenommen und „Don’t Come Knocking“ – die neueste DVD Veröffentlichung aus der „Wim Wenders Edition“ habe ich auch gleich geguckt. Bei den Kritikern ist das Werk ja sehr positiv aufgenommen worden – Hier mal meine Eindrücke…
Weitere Infos
Filmographie von Wim Wenders (Auswahl ohne Kurzfilme):
- Don't Come Knocking (2005)
- Land of Plenty - Auf der Suche nach Wahrheit (2004)
- The Soul of a Man (2003)
- Viel passiert - Der BAP Film (2002)
- Ten Minutes Older: The Trumpet (2002)
- The Million Dollar Hotel (2000)
- Buena Vista Social Club (1999)
- Am Ende der Gewalt (1997)
- Jenseits der Wolken (1995)
- Lumiere and Company (1995)
- Die Gebrüder Skladanowsky (1995)
- Lisbon Story (1994)
- In weiter Ferne, so nah! (1993)
- Bis ans Ende der Welt (1991)
- Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten (1989)
- Der Himmel über Berlin (1987)
- Tokyo-Ga (1985)
- Paris, Texas (1984)
- Hammett (1982)
- Der Stand der Dinge (1982)
- Chambre 666 (1982)
- Nick's Film - Lightning Over Water (1980)
- Der Amerikanische Freund (1977)
- Im Lauf der Zeit (1976)
- Alice in den Städten (1974)
- Falsche Bewegung (1974)
- Der Scharlachrote Buchstabe (1972)
- Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1971)
- Summer in the City (1970)
Handlung
Howard Spence (Sam Shepard) ist ein leidlich erfolgreicher Westernheld-Darsteller und seine Karriere nähert sich seinem Ende. Er hat alle Höhen und Tiefen des Schauspieler-Daseins durchgemacht – Alkohol, Frauen…Sex, Drugs und Rock’n Roll eben. Bei Frauen ist er aber noch immer sehr beliebt.
Jetzt hat er aber von diesem Leben die Schnauze gestrichen voll und verlässt deswegen fluchtartig seinen derzeitigen Drehort ohne dass die Crew etwas davon weiß.
Jeder Tag, an dem nicht gedreht werden kann kostet sehr viel Geld. Deswegen fahndet ein Ermittler der Versicherung der Filmgesellschaft nach Howard, um keine Zahlungen wegen Drehausfall zahlen zu müssen. Der Schauspieler versteckt sich aus diesem Grund bei seiner Mutter, die er aber schon seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat.
Nachdem er es sich in seinem alten Zuhause so richtig gemütlich gemacht hat macht seine Mutter so ganz nebenbei eine Bemerkung: Sie fragt, wie es denn seinem Kind so gehe. Bei ihr hatte sich vor ca. 30 Jahren eine Frau gemeldet, die sich nach Howard erkundigt hat weil sie schwanger von ihm sei.
Howard Spence trifft diese Mitteilung wie ein Schlag! Er überlegt kurz welche seiner zahlreichen Beziehungen für eine Vaterschaft in Frage kommen könnte und macht sich umgehend auf die Reise um sein inzwischen wohl schon 30-jähriges Kind zu suchen und vielleicht ein neues Leben zu beginnen.
Kritik
Ein Film über die verpassten Chancen eines ungewöhnlichen Lebens – so lässt sich die eigentlich recht gewöhnliche Handlung beschreiben (Oder steckt vielleicht doch mehr dahinter?). Das Besondere an „Don’t come Knocking“ ist, was Wim Wenders aus diesem Thema herausgeholt hat, denn mit spektakulären Bildern, tollen Schauspielern und einem ergreifenden Soundtrack holt er wieder einmal das Maximum aus einem Thema heraus und verleiht dem Film damit seine eigene ganz besondere Note.
Eine weitere Deutung der Handlung möchte ich hier nicht versuchen, denn jeder sollte schließlich selbst seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.
Kommen wir nun zu den schon erwähnten malerischen Bildern. Man hat ja Wenders schon öfters vorgeworfen, in seinen Filmen Amerika nur klischeehaft und einseitig zu zeigen. Das ist auch bei diesem Film so. Allerdings denke ich dass er das hier bewusst so gemacht hat – denn ein Westerndarsteller ist ja auch schon ein Klischee an sich. Diners, Wüste und eine durch Industrie geprägte Kleinstadt in Montana – so lassen sich die Locations am besten beschreiben.
Technisch ist der Film sowieso erstklassig – Ich hatte auch nichts anderes erwartet. Als durchgängiges Stilmittel wurden die Sättigung der Farben und der Kontrast hinaufgesetzt, sodass die Plastizität des Bildes sich förmlich ins Wohnzimmer drückt.
Weite Kamerafahrten (und die Kamera umrundet den Darsteller auch schon mal minutenlang!) wechseln sich mit Stillshots ab – wirklich Klasse! Einige Aufnahmen erinnerten mich an den amerikanischen Maler Edward Hopper dessen Gemälde fast wie Screenshots von „Don’t Come Knocking“ anmuten.
Ein weiteres die Atmosphäre maßgeblich bestimmendes Element stellte der manchmal an „Paris, Texas“ erinnernde und meistens sehr ruhige Soundtrack dar. Er erreicht zusammen mit den tollen Bildern, dass dieser Film dem Zuschauer dauerhaft im Gedächtnis verankert bleibt – nicht zuletzt wegen den melancholischen Liedern des „vermeintlichen Sohnes“. Ich habe eine Gänsehaut bekommen. Gerade bei den Auftritten dieses Sängers, wurde ich an die Werke Lynch’s erinnert – bei ihm kommen ja in fast allen aktuelleren Werken solche Bühnen Gesangseinlagen vor und sind ein Markenzeichen für seine Werke.
Alles in allem also ein sehr guter und über die gesamte Länge unterhaltsamer Film. Action gibt es fast keine – muss ja auch nicht immer sein.
Wenn man allerdings ganz böse sein wollte, dann könnte man Wenders vorwerfen, dass er Amerika wie bei „Paris, Texas“ wieder nur in Klischees packt und sich auch bei Lynch ungeniert bedient hat. Doch ich sehe das etwas entspannter – vielleicht wollte er die angesprochenen Elemente auch bewusst mit einem Augenzwinkern zitieren.
Jedenfalls kann ich den Film nur als ein einziges Ereignis bezeichnen, das dauerhaft im Gedächtnis bleibt. Ein Film, der in der Filmgeschichte als „ganz großes Kino“ zu finden ist. In sofern kann man „Don’t come Knocking“ auch nicht auslassen. Ruhiges, echtes Kino von einem Mann, der wirklich weiß was er macht.
Meine DVD
Ich besitze das Doppel-DVD Digipack von Arthaus (Kinowelt). So müssen Digipacks aussehen! Toll! – Artwork, Verarbeitung, Ausstattung – alles Top! Ich konnte jedenfalls nichts finden, was ich besser machen hätte können. Sogar ein dickes aufwändig gestaltetes Booklet mit vielen Filminfos ist enthalten.
Die Bild- und Tonqualität geben ebenfalls absolut keinen Anlass zu Kritik und runden das positive Bild dieser Veröffentlichung ab. Beim Bild muss man jedoch in Betracht ziehen, dass Wim Wenders als Stilmittel einen hohen Kontrast und kräftige Farben verwendet hat. Alles Palletti!
Tonformate:
Englisch (Dolby Digital 5.1) Deutsch (Dolby Digital 5.1) Hörfilm Tonspur für Gehörlose (Dolby Digital 2.0 Stereo) Kommentar von Wim Wenders (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Leider hatte ich wieder für die Extras keine Zeit, doch die sind, wie ich nach einer kurzen Sichtung beurteilen kann, qualitativ und quantitativ sehr umfangreich ausgefallen. Hier die reinen Fakten:
Film DVD:
- Audiokommentar von Wim Wenders
- Filmtrailer zu „Don’t Come Knocking")
- Interviews mit Darstellern und dem Regisseur
- Wim Wenders Biografie (Texttafeln)
- Deleted Scenes (mit Audiokommentar von Wim Wenders)
- Trailer weiterer Filme des Labels (Paris Texas, Goal! , Whisky, French Kiss, Die Liebe am Nachmittag)
Bonus DVD:
- Going Places - A Journey with "Don't come Knocking" von Peter Schwartzkopff ( über 90 Minuten lang – Englischer O-Ton mit Deutschen UT’s)
- Videotagebücher (25 Minuten lang)
Fazit
Ein Film für Cineasten, oder solche, die es werden wollen. Ein Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit, seiner Familie und nach seinen verpassten Chancen. Eine Abrechnung mit seinem Leben sozusagen.
Technisch wurde alles perfekt in Szene gesetzt und auch der Soundtrack weiß vollauf zu begeistern.
Der Film wird obwohl die Erzählweise sehr langsam ist, nie langweilig. Ich ziehe meinen Hut vor Wim Wenders – er ist einer der ganz Großen. Ein wahres Meisterwerk und Kino in seiner reinsten Form. Danke!
(seltene) 10/10 Punkten
Weblinks
- Don't Come Knocking (Deutschland, Frankreich 2005) - Kritik von hasendeddy in der Online-Filmdatenbank (OFDb)
- Don't Come Knocking (Deutschland, Frankreich 2005) - Kritik von hasendeddy in der Internet Movie Database (IMDb)
- Diese Seite wurde zuletzt am 11. September 2006 um 17:24 Uhr geändert.
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