Equilibrium (USA 2002) - Kritik von Gorygrunt
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Kritik von Gorygrunt.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
Als erstes möchte ich nur eins loswerden: Wieso zur Hölle wird dieser Film immer mit Matrix verglichen? Das einzige was diese beiden Filme verbindet sind die Mäntel.
Story (2,5 von 3,0 Punkten)
Nach dem dritten Weltkrieg erkannte man das Problem und den Auslöser von Gewalttätigkeiten erkannt zu haben – die GEFÜHLE. Alles im Zusammenhang mit Gefühlen wurde komplett verboten und ist somit illegal. In den letzten übrig gebliebenen Zivilisationen nehmen die Bürger deshalb das Mittel „Prozium II“, das die menschlichen Gefühle komplett unterdrückt. Doch gibt es Ausnahmen und nicht jeder Bürger von Libria (der Handlungsort unseres Films) nimmt dieses Mittel. Diese Widerstandskämpfer, die sogenannten „Sinnestäter“ werden durch ihr Bedürfniss zu Fühlen zu Kriminellen.
Deswegen wurde eine Elitepolizeieinheit gegründet, die Grammaton-Kleriker. Diese verfolgen die Sinnestäter und versuchen auf diesem Wege den „Frieden“ zu wahren. Ihre Aufgabe besteht darin die illegalen „Sinnestäter“ zu finden und zu eleminieren. Auch gefühlsauslösende Gegenstände, wie z.b. Gemälde, Tonträger, Bücher oder sogar Haustiere werden von den Klerikern beseitigt. Einer der ranghöchsten Kleriker ist John Preston (Christian Bale). Durch einen unglücklichen Zufall kann er zeitweise das Prozium II nicht einnehmen und sehr schnell wird ihm klar, dass etwas mit ihm passiert. Seine Gefühle entwickeln sich immer schneller und er fängt an sie zu lieben. Nun versucht er Mithilfe einiger Rebellen das Regime, welches von einem Führer nur bekannt unter dem Namen VATER beherrscht wird, zu stürzen….
Kurt Wimmer (auch Regisseur) schrieb diese äusserst interessante Zukunftsvision, die man zu den Thematiken von 1984, FAHRENHEIT 451 und DIE SCHÖNE NEUE WELT ansiedeln könnte. Nehmen wir nur mal den Regimeführer VATER aus diesem Film, so findet man die Verbindung zu Georg Orwells Romans „1984“. Doch am meisten wurde die Geschichte von THX 1138 beeinflusst und weist auch sehr viele Parallelen auf, ohne dabei als Abklatsch zu wirken.
Die Entwicklungen sind hervorragend ausgearbeitet worden. Primär geht es um die Gefühle des einst knallharten Elite-Polizisten John Preston, der nach und nach seine Emotionen entdeckt. Das daraus entstehende Versteckspiel wurde mit sehr vielen Szenen sehr gelungen ausgeschmückt. Die Spannungen werden hierbei durch die absolut gelungenen Dialoge oder die Handlungsweisen der Charaktere dargestellt. Es wird auch die eine odere andere Überraschung geboten. Auch die Action kommt nicht zu kurz, denn eigenst für den Film wurde die Kampfsport-Art GUNKATTA entwickelt, die einen zusätzlichen Punkt in der Bewertung verdient hat. Es gibt sogar eine Internetseite mit mehr Informationen über diesen „Kampfsport“ gunkatta.com. Eine besonders gute Idee, die auch schön anzusehen ist.
Genial auch die Verwendung von verschiedenen Symboliken. Das Regime erinnert schon ein wenig an das dritte Reich, als Beispiel den Führer VATER oder das Zeichen Librias, welches so aussieht.
Auch interessant die Bedeutung Equilibriums – „Gleichgewicht“ und soll somit die Einwohner von Libria beschreiben, die durch das Mittel Prozium II in ihrem Zustand sehr ausgeglichen sind. Der Klerikalismus ist das Bestreben der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (Definition von wikipedia). Diese findet man auch in den Handlungen der Kleriker wieder. Der Orden „Tetragrammaton“ dem auch unser Protagonist angehört, verwendet u.a. auch die hebräischen Buchstaben YHWH (oder auch JHVH), da müsste es gleich klingeln, denn dies bedeutet Jehovah.
Produktion (3,0 von 3,5 Punkten)
Drehbuchautor und Regisseur Kurt Wimmer ist ein Multitalent, dass leider sehr wenig Output vorzuweisen hat. U.a. schrieb er das Drehbuch zu DER EINSATZ mit Colin Farrell und Al Pacino. Demnächst beginnen die Produktionen zu dem Film ULTRAVIOLET, wo er auch wieder als Drehbuchautor und Director tätig ist. Besonders hervorzuheben ist sein Script zu SPHERE, was ich persönlich sehr empfehlenswert finde. In Equilibrium konnte er sein Talent beweisen, auch wenn der Film nicht sehr erfolgreich in den Kinos lief, da er von den Kinobetreibern kaum gekauft wurde. Doch nachdem der Film auf einem silberling veröffentlicht wurde, war er praktisch über Nacht in aller Munde, sehr zum Ärgernis der Kinobetreiber. Kurt Wimmer liefert uns einen gesunden und soliden Actionfilm!
Wer die Aufzeichnungen in dem Thriller COLLATERAL beeindruckend fand, sollte sich Equilibrium ebenfalls anschauen. Hier ging der Kameramann Dion Beebe irgendwie einen Schritt weiter. Die guten Kameraeinstellungen sind der Thematik jeder einzelnen Szene angepasst. Wenn es um die Entwicklung der Gefühle geht, verwendete er sehr viele Nahaufnahmen um die Emotionen besser zu visualisieren. Die Vogelperspektive wurde bei den geilen Kampfsszenen mit der Filmeigenen Kampfsport-Art GUNKATTA benutzt um soviel Eindrücke wie möglich einzufangen. Auch sehr auffällig die Froschperspektive bei den Aufnahmen des Regimeführers VATER, die seine Übermächtigkeit verstärkt! Hinzukommt ein sehr angenehm klarer, aber farbloser Filter der diese emotionslose Weltdarstellung nochmal in eine besondere Atmosphäre taucht! Ein talentierter Kameramann, der zurzeit mit zu meinen Favouriten gehört!
Mit den gelungenen Fotografien der Szenarien konnte auch Cutter Tom Rolf sehr gut umgehen und setzte den Szenenwechsel dementsprechend um. Sehr ruhig auch in den Kampfszenen und das ist man in der heutigen Musikvideo-Zeit gar nicht gewohnt. Tom Rolf wetzte die Schere schon für WINDTALKERS, HEAT und 9 ½ WOCHEN. Zusammen mit Dauerassistent William Yeh, der auch schon bei CON AIR, BRAVEHEART und D-TOX mitwirkte. Aber leider nie eine leitende Position in dem Bereich schmückte.
Den Score lieferte uns diesemal Klaus Badelt. Eine passende und akzeptable Komposition, die auch den Hauptplot – die Gefühlsentdeckung, besonders gut unterstreicht, da sie sehr atmosphärisch auch den Hörer diese Entwicklung spüren lässt. U.a. auch zu hören in FLUCH DER KARIBIK, CONSTANTINE, DER EINSATZ und CATWOMAN. Er schrieb auch einige Melodien für ein paar TATORT-Folgen und leistete einen kleinen Beitrag zu GLADIATOR.
Darsteller (3,5 von 3,5 Punkten)
Christian Bale fiel mir ehrlich gesagt das erste Mal in SHAFT auf, wo er als rassistischen Mörder sehr zu überzeugen wusste. Eine ganz andere Rolle hatte er später auch in DIE HERRSCHAFT DES FEUERS. Seine fast komplette Bandbreite zeigte er in Bret Easton Ellis’s AMERICAN PSYCHO und THE MACHINIST. In diesem Werk kommen die Gefühlsausbrüche seines Charakters dem Gammatron- Kleriker durch die hervorragende Darstellung sehr zum tragen. Dass er kein einseitiger Schauspieler ist, wird in Equilibrium bestätigt. Die Wandlung vom emotionslosen, eiskalten Elitepolizisten zum gefühlvollen, sensiblen Widerstandkämpfer ist keine leichte Rolle, wurde aber von ihm gemeistert auf seine eigene Art und Weise.
Eine weitere, leider viel zu kurze Rolle wird von Sean Bean (U.a. DAS VERMÄCHTNIS DER TEMPELRITTER und RONIN) performed. Seine Arbeit ist auch hier gewohnt solide. Die Verbergung der Emotionen gelingt ihm nicht, aber das ist ja auch so gewollt ;-) . Der Mann kann Bösewicht und Held spielen, das war ja schon in der Rolle des Boromir in HERR DER RINGE zu sehen. Seine beste Rolle und damit seine beste Leistung war in TROJA zu sehen als Odysseus. Er ist zwar nicht der perfekteste Darsteller, kann aber eine gewisse Sympathie wecken. Sein gutes Schauspiel in der Vergangenheit hat ihm nun einen vollen Terminkalender gebracht. Er wird (oder hat es auch schon) in nächster Zeit in 5 verschiedenen Filmen mitwirken, alleine 2005 sind es vier an der Zahl.
THE DARK (2005) THE ISLAND (2005) FLIGHTPLAN (2005) NORTH COUNTRY (2005) Und sehr gespannt darf man auf Sean Bean in SILENT HILL sein.
Die einzige erwähnenswerte DarstellerIN ist Emily Watson, der ich leider nur negative Punkte an den Kopf schmeissen kann. Dieser Dackelblick konnte nicht so richtig wirken und den setzt sie den ganzen Film über auf. War mir allerdings auch nur bekannt aus ROTER DRACHEN und wird in Tim Burton’s neuem Werk CORPSE’S BRIDE zu sehen sein.
Den VATER mimt Sean Pertwee, einer der populären Nebendarsteller in Hollywood. Zu sehen schon in EVENT HORIZON, THE 51ST STATE. Ich empfehle ganz besonders den Film 7 DAYS TO LIVE, wo er einer seiner besten Darstellung auf die Leinwand brachte.
Mit in dem selben Boot, der Schauspieler Angus Macfadyen, der leider etwas unbekanntere Darsteller hat eine äusserst gelungene mimische Ausdrucksweise, die leider nur in sehr wenigen Filmen zu sehen ist. Zuletzt in DIE GÖTTLICHEN GEHEIMNISSE DER YA-YA-SCHWESTERN. Aber bekannt dürfte seine Rolle des Robert, the Bruce aus dem Film BRAVEHEART sein.
Nun möchte ich nur noch einen Darsteller erwähnen – William Fichtner, der ebenfalls durch seine Vielfältigkeit trumpfen kann. Auch er kommt viel zu kurz in dem Film als Widerstandskämpfer, aber dieser eine Dialog ist ihm wirklich wie auf den Leib geschrieben gewesen. Seine Filmographie: BLACK HAWK DOWN, ARMAGEDDON, DER STURM und als Blinder Wissenschaftler in CONTACT.
Bild (3,5 von 3,5 Punkten)
Nach HALLOWEEN: RESURRECTION ist Equilibrium der zweite Film, der in dem Verfahren HD2 kodiert wurde, bei dem ein Arbeitschritt während der encodierung wegfällt. Und das Ergebnis spricht definitiv für dieses Komprimierungsverfahren. Die Konturen überlappen nicht in einer Szene und die Kontraste werden sauber dargestellt. Zwar ist durch das stilistische Mittel der Kameraaufnahme ein etwas farbloses Bild zu sehen, fällt aber nicht weiter ins Gewicht. Nur etwas mehr Farbe wurde in den Szenen der wachsenden Emotionen verwendet. Das mir vorliegende Format im anamorphen 2,35:1 und kann sich sehen lassen. Keine nervenden Artefakte konnten von mir entdeckt werden, doch soll auf der Kauf-DVD die Datenrate wesentlich niedriger sein, zugunsten des Bonusmaterials, was auf der Verleih-DVD nicht in diesem Maße vorhanden ist. Da ich die Verleih-DVD gekauft habe und dort die Datenrate im Durchschnitt 5,5 Mbps liegt, möchte ich doch von der Kauf-DVD abraten. Auch die Rauschfilter sind leider in manchen Szenen auf der Kauf-DVD nicht ganz bei der Sache und sofort erkennbar. Wer ein astreines Bild haben will, das für mich persönlich schon Referenz-Status hat, sollte sich unbedingt die Verleih-Version zulegen!
Ton (3,0 von 3,5 Punkten)
Der Score wird äusserst atmosphärisch von den Lautsprechern wiedergegeben und wirkt von Beginn sehr räumlich, selbst wenn er auch ein bischen zu dominant manchmal wirkt. Auch der Subwoofer wurde bei der Abmischung miteingebunden und hat ordentlich zu tun. Punkteabzug gibt es wegen der unnötig vorhandenen DTS-Spur, die qualitativ der Dolby Digital Spur gleichkommt. DTS wirkt nur ein wenig lauter oder wie könnte man noch sagen der Pegel liegt etwas höher. Da DTS technischbedingt eine wesentlich höhere Datenrate verwendet, ist der Platz praktisch verschwendet worden und man hätte dem Bild noch mehr zuweisen können.
Die Effekte sind leider etwas frontlastig, kommen nur sehr sehr dezent über die Rears. Dafür wurde die etwas technolastige Begleitmusik schön mit in die Sequenzen miteingebettet. Besonders gut hat mir die Wiedergabe im hohen Frequenzbereich gefallen, die ohne jegliche Verzerrung und schön definiert zu hören waren. Leider nicht dem Bild entsprechende Tonqualität, dennoch ein bis zwei Ohren wert!
Bonusmaterial/Artwork/Layout (1,5 von 3,0 Punkten)
Das nicht ganz so optimal ans Bildformat des Films angepasste Menü wirkt ein wenig verzerrt auf dem Bildschirm und ist sehr ideenlos verarbeitet worden. Dann wurden gleich zwei Audiokommentare auf die Scheibe gepresst, wobei eine vom Regisseur Kurt Wimmer und eine zusätzliche mit Regisseur und Produzent besprochene Tonspur vorhanden ist. Wieder eine kleine Platzverschwendung, die für das Bild hätte verwendet werden können. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen wird dem Zuschauer für ca. 4,5 Minuten gewährt, dann gibt es diverse Trailer und einen ganz besonderen Filmtipp (der sich als nicht sonderlich Besonders herausstellte). Sehr schön, das gelungene Cover, das viele Leute verwirrte weil es ein ganz klein wenig an Matrix erinnerte, durch den etwas grünlich Stich und den Darstellern in Mänteln.
Fazit
Produzent Jan de Bont und Regisseur Kurt Wimmer unterhalten die Zuschauer in einem ca. 102 Minuten langen Sci-Fi-Action Film. Überzeugend durch seine Darsteller, der Idee und der gelungenen Actionsequenzen. Angelehnt an viele Klassiker, dennoch ein eigenständiges Werk. Aufgrund der nur minimalen Schwächen des Bildes und des Tons für Heimkino-Freak ein MUSS! Besonders empfehlenswert und heimkinoisch wertvoll!
Übersicht Punkteverteilung
- Film 9,0 von 10
- Die Punkte setzen sich wie folgt zusammen:
- 2,5 von 3,0 Punkten - Story/Drehbuch
- 3,0 von 3,5 Punkten - Produktion (d.h. Cut, Kamera, Ausstattung, Regie u.s.w.)
- 3,5 von 3,5 Punkten - Darsteller/Nebenrollen
- Die Punkte setzen sich wie folgt zusammen:
- DVD 7,5 von 10 Punkten
- Zusammengesetzt von:
- 3,5 von 3,5 Punkten - Bild
- 2,5 von 3,5 Punkten - Ton
- 1,5 von 3,0 Punkten - Bonusmaterial/Artwork/Layout
- Zusammengesetzt von:
Siehe auch
Weblinks
- Fansite zum Film
- Informationen zum "Gun Kata"
- Equilibrium in der Internet Movie Database (IMDb)
- Equilibrium in der Online-Filmdatenbank (OFDb)
- Alle deutschen DVDs von Equilibrium bei dvdb.de
- Aktueller Preisvergleich aller deutschen DVDs von Equilibrium bei dvdb.de
- Diese Seite wurde zuletzt am 22. August 2006 um 13:09 Uhr geändert.
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