Heat (USA 1995) - Kritik von fincher
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Film-Details
- Titel: Heat
- Originaltitel: Heat
- Land/Jahr: USA/1995
- Lauflänge: 164 Minuten
- Altersfreigabe: 16
Cast & Crew
- Regie: Michael Mann
- Drehbuch: Michael Mann
- Produktion: Art Linson, Michael Mann, Gusmano Cesaretti und Kathleen M. Shea
- Musik: Elliot Goldenthal
- Kamera: Dante Spinotti
- Schnitt: Pasquale Buba, William Goldenberg, Dov Hoenig und Tom Rolf
Darsteller:
- Al Pacino (Lt. Vincent Hanna)
- Robert De Niro (Neil McCauley)
- Val Kilmer (Chris Shiherlis)
- Jon Voight (Nate)
- Tom Sizemore (Michael Cheritto)
- Diane Venora (Justine Hanna)
- Amy Brenneman (Eady)
- Ashley Judd (Charlene Shiherlis)
- William Fichtner (Roger Van Zant)
- Natalie Portman (Lauren Gustafson)
- Danny Trejo (Trejo)
- Hank Azaria (Alan Marciano)
- Henry Rollins (Hugh Benny)
- Ted Levine (Bosko)
- Xander Berkeley (Ralph)
- Kevin Gage (Waingro)
- Dennis Haysbert (Donald Breedan)
- Tom Noonan (Kelso)
- Mykelti Williamson (Sergeant Drucker)
- Wes Studi (Detective Casals)
- Ricky Harris (Albert Torena)
- Tone Loc (Richard Torena)
- Jeremy Piven (Dr. Bob)
- Yvonne Zima (Geisel)
- Bud Cort (Solenko)
Einleitung
Was kann man als Ergebnis festhalten, wenn zwei der größten Schauspiellegenden, deren Karrieren weitestgehend parallel verliefen, aus der Filmbranche aufeinandertreffen? Ganz einfach: "Heat". Michael Manns Actiondrama bedeutete für Al Pacino ("Scarface"; "Im Auftrag des Teufels") und Robert De Niro ("Taxi Driver", "Es war einmal in Amerika") den ersten gemeinsamen Leinwandauftritt. Natürlich haben beide schon in einem Film agiert, so wie in Coppolas Sequel seiner Mafiatrilogie "Der Pate" als Vater und Sohn, allerdings standen sie da aufgrund unterschiedlicher Zeitebenen in keiner einzigen Szene zusammen vor der Kamera. Bis zum Jahr 1995. Jenes Jahr war zugleich das Jahr des Robert De Niro, der einige Jahre später nichtsdestotrotz ins seichte Komödienfach abrutschte. Nachdem er bereits in Martin Scorseses glitzerndem Mafiaepos "Casino" brillierte, durfte sich De Niro nun auch in "Heat" erfolgreich etablieren.
Handlung
Neil McCauley ist der Boss einer straff organisierten Verbrecherbande. Vincent Hanna ist ein Cop, der nicht locker lässt. Ein fanatischer Cop ohne Illusionen. In den Straßenschluchten von Los Angeles prallen sie aufeinander. Und nur einer wird das Duell überleben...
Die Darsteller / Umsetzung
Mit dem Duell zwischen diesen beiden ungleichen Existenzen, zwischen diesen harten, aber einsamen Kerlen, fügt sich "Heat" wunderbar in das Oeuvre des Regisseurs ("Insider"; "Collateral") ein, sind es doch gerade jene besonderen Konfrontationen zwischen zwei Figuren, die immer wieder in den Fokus eines echten Michael Mann-Filmes gerückt werden ("Insider" – Russel Crowe, Al Pacino; "Collateral“ - Tom Cruise, Jamie Foxx; "Puplic Enemies" - Johnny Depp, Christian Bale). So eben auch in "Heat" bei dem sich zwei Titanen des method acting einen archaischen Kampf liefern. Mann gegen Mann. Intellekt gegen Intellekt. Der schwer gestikulierende, theatralische Großmeister gegen den ruhigen, berechnenden Profigangster, der sich lieber auf seinen Verstand denn auf rohe Gewalt stützt. Zweifellos sind Pacino und De Niro die zentralen Figuren in Manns Thriller. Zweifellos gehören ihre, wenn auch wenigen gemeinsamen Momente, zu den Highlights des Filmes und sind darüber hinaus derart fesselnd gestaltet, dass es einem wahrhaftig die Sprache verschlägt und den Rest der Story gar für eine Weile vergessen lässt. Dieses Schauspiel, dieses psychologisch vielschichtige, ausdrucksstarke Schauspiel der beiden Stars trägt in erster Linie den Film, bei dem es den zwei Typen doch tatsächlich gelingt, ihren Charakteren eine gewisse Glaubhaftigkeit zu verleihen, sie als Resultat menschlich erscheinen zu lassen und der Zuschauer somit hin- und hergerissen ist, auf welcher Seite des Gesetzes er eigentlich zu stehen vermag. Hier hat man es nicht mit "Übermenschen" zu tun, sondern mit normalen Leuten mit Problemen, die ihr jeweiliges Metier mit sich bringt. Nur hin und wieder bekommt gerade Pacino kaum die Bremse und steht nicht selten vor der Grenze des für ihn so obligatorischen, redundanten over acting (siehe "Scarface"), was im Zuge seiner restlichen Performace (Highlight unter anderem sein Monolog am Hafen) jedoch kaum ins Gewicht fällt und somit als Marginalie konstatiert werden kann.
Ihr erstes direktes Aufeinandertreffen darf sich dann auch als ein Highlight im Film betiteln und hat zweifelsohne seinen sicheren Platz in der Filmgeschichte gefunden. Lt. Vincent Hanna und Neil McCauley in einem Café. Sie sitzen da wie zwei ganz normale Typen. Beide sind Profis auf ihre eigene Art und Weise. Doch anstatt sich verbal zu artikulieren, sich gegenseitig Beschimpfungen und Drohungen an den Kopf zu werfen, öffnen sie ihre Herzen und vertrauen sich gegenseitig ihre intimsten Geheimnisse an. Das geht sogar so weit, dass beide – sowohl Hanna als auch McCauley – sich in dem was sie tun, gar nicht mal so großartig voneinander unterscheiden, sich stattdessen in dem jeweils anderen reflektieren. Beide sind bereit, alles für ihren Job zu opfern, beide sind geradezu von Ehrgeiz zerfressen, getrieben werden sie lediglich von ihrer Arbeit, wodurch sie beide jeweils in ihren familiären Beziehungen scheitern, und zu alledem werden beide von Gewaltkonflikten angezogen (So wie De Niro es als Profession versteht, Banken auszurauben, versteht es Pacino gleichermaßen, die Gangster zu jagen.), um ihre Triebe zu befriedigen. Ja, beide tragen sogar das selbe Outfit. Einzig und allein die Seite des Gesetzes scheint sie zu unterscheiden, sie zu trennen. Während De Niro im Laufe des Gespräches einen winzigen Anflug von Verletzlichkeit offenbart, ist es gerade Al Pacino, dieser hartgesottene "Superbulle", der für sein Gegenüber gar ein Fünkchen Sympathie empfindet. Und doch würden beide nicht zögern, den anderen zur Strecke zu bringen, nichteinmal eine einzige Sekunde. Mann verzichtet in dieser wichtigen Schlüsselszene komplett auf Action. Nur Worte, nur der Dialog, nur dieses förmliche Belauern zwischen den zwei Titanen des Charakterfachs, was sich in knisternder Spannung widerspiegelt. Was zählt, ist Mimik und Gestik. Und jede davon sitzt. Hier wird dem Zuschauer großes Kino suggeriert.
Schon mit dieser Sequenz wird klar, dass "Heat" etwas ganz und gar Besonderes darstellt, in seinem Genre gar einen Glanzpunkt markiert. Manns Drehbuch, es erzählt keinesfalls nur eine einfache, "Cop gegen Gangster-Geschichte", es berichtet über keine herkömmliche Schwarz-Weiß-Story, Gut Vs. Böse. Die Guten also auf der einen Seite, die Bösen auf der anderen. Nein. Der Meisterregisseur erforscht stattdessen persönliche Obsessionen seiner Figuren, er durchleuchtet das innerste Seelenleben der Protagonisten. Aus einer - so scheint es zumindest - simplen Kriminalgeschichte heraus, erschafft er eine komplexe, wuchtige und ungemein fesselnde Crime-Ballade, in der dramaturgisch dichte Spannung mit einem gehörigen Maß an Tiefgang und Poesie auf einem hohen Niveau miteinander verschmelzen. Hinzu kommt, dass Mann mit seinem meisterhaften Script und der kalkulierten Regie nicht nur den Kampf seiner beiden Rivalen in den Fokus rückt, er bündelt fernab der Konfrontation zahlreiche Nebenstorys, Handlungsstränge, Randbeobachtungen zu einem filigranen Geflecht. Jedoch scheint nichts überflüssig, jede noch so kleine Figur bekommt in des Filmemachers Gesamtkunstwerk seine Screentime, keine wird vom intelligenten Plot vernachlässigt oder gar vergessen, jede mal messerscharfe, mal philosophische, dennoch immer stilsichere Dialogzeile sitzt. Alles fügt sich somit zu einem großen, homogenen Ganzen zusammen und läuft schließlich auf einen intensiven, weil zutiefst menschlichen Showdown am Flughafen (inspiriert durch "Bullit") von Los Angeles hinaus, der in seiner Tragweite schier unglaublich ist, weil sich dadurch "Heat" aufgrund einer eigenartig traurig-depressiven Stimmung durch den Tod einer der Protagonisten (Die Schlusseinstellung erinnert vielmehr an ein Gemälde.), untermalt durch Mobys "God Moving Over The Face Of The Waters", endgültig zu einer Größe epischen Ausmaßes aufbäumt, die ihn zeitlos macht.
Wo wir schon bei etwaigen Nebenstorylines sind. Frauen spielen eine essentielle Rolle in "Heat" und halten nicht als vordergründiges, schmuckes Heldenbeiwerk her. Es gibt genaugenommen drei Leute weiblichen Geschlechts, die im Zentrum der Handlung stehen. Da ist zuerst Justine Hanna (Diane Venora), die dritte Ehefrau Lt. Vincent Hannas. Intelligent, lebenserfahren, aber doch immer häufiger zugedröhnt mit Drogen. Ihrer Ansicht nach ist ihre Ehe allerdings keine richtige mehr, es kommt eher einem "Resteverwerten" gleich. Als ob das noch nicht genug ist, haben sie zusätzlich noch ein anderes schwerwiegendes Problem in Form ihrer selbstmordgefährdeten Tochter Lauren (eindringlich gespielt von Natalie Portman). Die zweite Hauptdarstellerin und somit Handlungsstrang Nr. 3 beschäftigt sich mit ähnlichen Gesichtspunkten. Ferner mit den Eheproblemen der abgebrühten, toughen Charlene Shiherlis (Ashley Judd) mit einer weiteren Schlüsselfigur, nämlich mit Chris Shiherlis, einem süchtigen Spieler, für den Michael Mann Val Kilmer ("The Doors"; "Batman Forever") gewinnen konnte. Die dritte im Bunde ist schließlich noch Amy Brenneman ("Casper"; "Daylight"), die den Part von Eady übernimmt, und die sich mit Neil McCauley alias Robert De Niro einlässt, woraus sich ein weiterer Handlungsstrang entwickelt, genauer eine Liebesgeschichte. All dieses kleineren Storys beherbergen im Kern einen mehr oder weniger interessanten Stoff für einen ganzen Film, Mann bringt sie jedoch alle in einem Streifen unter, sie alle dienen dem wohl durchdachten narrativen Konstrukt und funktionieren schlussendlich nicht nur durch die glänzend besetzte Nebendarstellerriege, darunter auch Jon Voight ("Asphalt Cowboy"; "Die Akte Odessa"), Tom Sizemore ("Wyatt Earp"; "Der Soldat James Ryan") und Wes Studi ("The Doors"; "Streetfighter").
Komplettiert wird der Plot mit seinen Darstellern von einem rundherum einwandfreien handwerklichen Gesamtpaket. Wer Michael Mann kennt, weiß sicherlich, dass der Regisseur ein Garant für wunderschöne Bilder ist. Wie auch in "Heat", indem er L.A. zuallererst einmal von einer anderen, realistischeren Seite aus betrachtet. Die Westküstenstadt fungiert hier nicht nur als Hauptdarsteller, steht im Mittelpunkt des Geschehens, nein, Mann geht sogar einen Schritt weiter und verzichtet auf altbekannte Locations wie den Rodeo Drive oder den Hollywood Boulevard. Er skizziert stattdessen das Bild einer Großstadt, fernab jeglicher Touristenattraktionen. Nicht mal am Rande taucht der berühmte Hollywood-Schriftzug auf. Und immer wieder mit faszinierenden Schauwerten, imposanter Kameraführung und sicherem Schnitt. Dante Spinotti ("L.A. Confidential"; "Insider") schafft es gar, sogut wie jede Szene mit einem eleganten Blaufilter zu Gunsten einer bestimmten Kälte in den Bildern zu untermalen, was schon bald zu einem der visuellen Markenzeichen eines Michael Mann avancierte. So verhält sich auch bei Manns Vorliebe, etwaige Städte bei rabenschwarzer Nacht zu zeigen – "Heat" macht da keine Ausnahme – was sich dahingehend äußert, dass der Zuschauer dabei nicht selten über der Stadt "schwebt" und sie von ganz oben betrachtet. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch seltsame Soundflächen, die eine tranceartige, melancholische Stimmung verbreitet. Eine willkommene Abwechselung zu den teils ausführlichen Actionsequenzen.
Ausführliche Actionsequenzen, jawohl. "Heat" wird nämlich erst zu einer wahren Rarität durch eben jene Szenen, die Michael Mann geschickt in seine psychologische Handlung einbettet. Denn gerade im Actionbereich wird Beispielloses geboten. Während uns der Regisseur anfangs einen genau ausgeführten Raubüberfall in Perfektion zeigt, der Manns detailverliebte, realitätsnahe Ader bereits offenbart (zerberstende Autoscheiben), ist es vor allem der später gezeigte Banküberfall mit anschließender Schießerei, mit dem man "Heat" unter anderem assoziiert. Mit dem König aller shoot outs, in dem Cops und Gangster die Innenstadt von Los Angeles in ein Schlachtfeld verwandeln. Bei Tageslicht. Durch Elliot Goldenthals ("Alien 3" "Interview mit einem Vampir") hypnotischen Score kongenial unterstützt – zumindest den missglückten Überfall in der Bank. Bei der letztendlich extrem bleihaltigen, geradezu gewaltigen Auseinandersetzung auf offener Straße, einem weiteren narrativen Höhepunkt, gibt es dann nur noch Soundgeräusche zu hören, Gewehrsalven, die so apokalyptisch an einem vorbei rauschen, dass einem der Atem stockt. Minuten dauert diese Exposition an, die nur so vor handwerklicher Virtuosität strotzt, und Manns Genialität in Sachen Action eindeutig hervorbringt.
Fazit
Nach langen 164 Minuten Spielfilmlänge kann man "Heat" schlussendlich als außergewöhnlich bezeichnen. Was Michael Mann da auf Zelluloid aus einem einfachen Kinostoff heraus gebannt hat, spottet jeder Beschreibung. Seine schwermütige, unvergleichlich kraftvolle Crime-Saga, sein geschmeidiges, ausuferndes Gangster-Epos vom großen Leben und Sterben in Los Angeles, ist nichts weiter als ein Meilenstein seines Genres, bei dem zwischen den beiden unfassbar sensationellen Hauptdarstellern die Funken fliegen und sich daraus eine elektrisierende "Hitze" entwickelt, die wohl jeden Filmfan packen wird.
Bewertung: 10/10
DVD-Details
- Getestete Version: „Heat“-Premium Limited Edition
- Bildformat: 2,35:1 (anamorph/16:9)
- Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1, Französisch Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
- Bonusmaterial: 11 nicht verwendete Szenen, 3 Dokumentationen, diverse andere Making Ofs
Verpackung
Die „Heat“-Premium Limited Edition kommt in einem silbernen Metalpak daher, welches zudem noch über ein 44-seitiges Booklet in Form des originalen Pressheftes verfügt.
- Diese Seite wurde zuletzt am 6. Januar 2009 um 18:38 Uhr geändert.
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