Kekexili - Mountain Patrol (China, Hong Kong 2004) - Kritik von hasendeddy

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Kritik von hasendeddy.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

In letzter Zeit kommen immer mehr Doku-Spielfilm Hybriden auf den Markt, die neben einer normalen Handlung zusätzlich einen dokumentarischen Einblick in fremde Kulturen ermöglichen.

Kekexili ist ebenfalls so ein Film, jedoch ist dieser wesentlich härter als die meisten Vertreter dieses Genres. Dies liegt daran, dass er auf der wahren Geschichte einer freiwilligen Bergpatrouille beruht, die sich den gefährlichen Kampf gegen Wilderer und den Schutz der tibetanischen Antilope zur Aufgabe gemacht haben.

Wegen der vielen positiven Kritiken habe ich mir den Film natürlich auch gekauft –und wegen der beschriebenen atemberaubenden Landschaftsaufnahmen.

Filmpreise konnte der Streifen natürlich auch einige einheimsen. In Berlin bei den Filmfestspielen (Berlinale) gewann Kekexili den Don Quixote Award, beim Golden Horse Film Festival den Preis als bester Film, beim Hong Kong Film Award den Preis als bester Asiatischer Film etc.

Alle gewonnenen Preise (Link zur Imdb): http://german.imdb.com/title/tt0386651/awards

Nachdem für mich Preise immer nicht so sonderlich viel über den Film aussagen konnten, war ich wirklich gespannt…

Hintergrundinfos

Nun ein paar erklärende Worte über die Landschaft, in welcher der Film spielt.

Kekexili (Chinesisch: 可可西里; vom tibetanischen Hoh Xil abgeleitet) ist eine Region im nordwestlichen Teil der tibetanischen Hochebene. Es ist Chinas am wenigsten und weltweit am drittwenigsten bevölkerter Bereich.

Die gesamte Region umfasst ca. 83.000 Quadratkilometer mit einer durchschnittlichen Meereshöhe von ca. 4.800 Metern. Kekexili befindet sich zwischen den Tanggula und Kunlun Bergketten im Grenzgebiet zwischen Tibet und Südwestchina.

Die Region ist zudem eine der Quellregionen des des Yangtze. 45.000 Quadratkilometer, mit einer Durchschnitthöhe von 4.600 Metern wurden 1995 als Naturschutzgebiet ausgewiesen um die dort vorkommenden Tiere, unter anderen die tibetanische Antilope vor der Ausrottung zu schützen. Ihre Zahl ist von einigen Millionen Tiere auf nur noch 100000 Tiere zurück gegangen, weil die dichten Felle bzw. die daraus gewonnene Wolle eine gute Einnahmequelle für die arme Bevölkerung darstellten.

Trotz des rauen Klimas und dem wüstenartigen Charakters gibt es in Kekexili mehr als 230 Tierarten – unter anderen wilde Yaks, wilde Esel, Weißlippenrotwild, Braunbären und die stark gefährdete tibetanische Antilope (Chiru).

Diese vorher der Welt völlig unbekannte Region wurde durch die Berichterstattung eines Reporters aus Peking in das Licht der Öffentlichkeit gerückt, als er über die Arbeit der Freiwilligen Tierschutz Patrouille berichtet hat. Dieser Film zeigt die schwere und gefährliche Arbeit dieser Idealisten.

Handlung

Wie gesagt beruht die Story auf der wahren Geschichte des mutigen Pekinger Journalisten Ga Yu (Zhang Lei), der für viele Tage mit der Tierschutz Patrouille mitgefahren ist, um über deren gefährliche Arbeit zu berichten.

Als er in dieser dünn besiedelten Landschaft ankommt, wird er von den freiwilligen Tierschützern sehr freundlich aufgenommen, weil sie sich von seiner Berichterstattung Hilfe für ihr wichtiges Tierschutzprojekt zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Tibet Antilope erhoffen.

Bereits am nächsten Tag geht es Los. Die Patrouille setzt sich mit ein paar Jeeps in Bewegung um Jagd auf lange gesuchte Wilderer zu machen, welche tibetanische Antilopen im großen Stil abschlachten um die Felle und die Wolle gewinnbringend zu verkaufen.

Doch schon nach kurzer Zeit erkennt der Journalist, dass zwischen Jägern und Gejagten gar kein so großer Unterschied ist, denn ein Menschenleben zählt in dieser rauen Wildnis nicht viel und jeder Fehler in dieser für Menschen völlig ungeeigenten Landschaft bedeutet den sicheren Tod.

Kritik

Es ist wirklich schwierig eine Kritik zu diesem Film zu schreiben, weil Regisseur Lu Chuan ja „nur“ die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der Tierschützer erzählt.

Er bleibt dabei immer objektiv und versucht die Ereignisse nie zu beschönigen. Auch eine Schuldzuweisung gibt es zum Glück nicht. Die Darsteller sind alle sehr glaubhaft, was bei den durch raue Landschaft geprägten Laiendarstellern ja auch nicht weiter verwundert.

Die Story wird chronologisch (dazu sind immer Tages und Ortseinblendungen vorhanden) erzählt und legt viel Wert auf die handelnden Menschen. Ihre Motivation, warum ist jemand ein Wilderer und warum ist jemand ein Tierschützer geworden. Hier verschwimmen dann auch schon mal die Grenzen zwischen gut und böse – beim Schießen wird nicht lange gefackelt - was bleibt ist Hilflosigkeit.

Auch die an den Tag gelegte Härte wird dem Zuschauer nicht erspart. Ein Menschenleben zählt nun mal nicht viel in dieser Gegend und Emotionen können sich die Männer in dieser Region schon gar nicht leisten.

Ein weiteres wichtiges Element im Film ist die Landschaft. Sie spielt im Film eine wichtige die Rolle, denn alle Menschen die sich dort hineinwagen spielen mit ihrem Leben und wirken dort auch völlig deplaziert wie ein Pickel in der großen weiten Umgebung.

Selbst eine normale Verfolgungsjagd hat dann auch meistens katastrophale Folgen, weil aufgrund der Höhe ein Lungenödem droht – nur ein Problem, mit dem sich die Männer konfrontiert sehen. Eis, Treibsand und Kälte sind die ständigen Wegbegleiter und Gefahren der sich die Tierschützer, aber auch die Wilderer stellen müssen.

Jeder noch so kleiner Fehler führt zum Tod – eine Landschaft, die für Menschen einfach nicht geeignet ist und die optisch wie ein Bild von einem anderen Stern wirkt. Das zeigt Lu Chuan mit teilweise atemberaubenden Bildern, die wie ein Gemälde anmuten, aber nie plakativ zur Schau gestellt werden.

So ist es auch der Konflikt zwischen Menschen und Natur, den ich für meinen Teil als Ergebnis mitnehme. Die Natur gewinnt immer – egal wie sehr und mit welchen Mitteln der Mensch versucht in die Wildnis einzudringen.

Als Minuspunkt muss ich jedoch anführen, dass die Erzählgeschwindigkeit viel zu hoch angesetzt ist, weshalb der Film auch schon nach 85 Minuten zu Ende ist. Angeblich war die Laufzeit eine Vorgabe der Produktionsfirma, weshalb ich hier dem Regisseur keine Vorwürfe machen kann. Schade, denn so konnte ich keine richtige Beziehung zu den Charakteren aufbauen und es war manchmal auch etwas verwirrend, wer nun wo und warum unterwegs ist.

Zudem wird dem Zuschauer auch nicht deutlich klargemacht, welche wichtigen Beweggründe für die freiwilligen Tierschützer ausschlaggebend waren sich diesen Gefahren auszusetzen. Auch hier hätte eine längere Laufzeit vielleicht Abhilfe schaffen können.

Schön ist, dass diese Berichterstattung des Journalisten dann die Errichtung eines großen Naturschutzgebietes zur Folge hatte. Manchmal bewirkt die Presse also doch Positives.

Meine DVD

Die DVD von Sony Pictures Home Entertainment überrascht mit einem knackscharfen fast makellosen Bild und brillanten Farben.

Auch der Ton in Deutsch (Dolby Digital 5.1) und Mandarin (Dolby Digital 5.1) sind ausgezeichnet gelungen und bringen manchmal sogar räumliche Effekte wie z.B. das Rauschen des Windes gut zur Geltung. Wirklich eine qualitativ sehr gute Veröffentlichung.

Nur bei den Extras wurde wirklich sehr stark gespart. Nur ein paar Trailer zu anderen Filmen wurden auf die Disk gebracht. Schade, denn bei diesem Film hätte es sich sehr gut angeboten ein paar Hintergrundinfos zur Geschichte und den wahren Begebenheiten zu erklären. Für 19,99 VK Preis wirklich zu wenig.

Fazit

Der Film trifft den Zuschauer wie ein Hammer und macht das was er auch soll – er rüttelt wach und erzählt die mitreißende Geschichte des Pekinger Journalisten auf seiner gefährlichen Mission immer objektiv und ohne Beschönigung oder gar Wertung.

Das ist wirklich manchmal sehr hart – genauso hart wie die Menschen dieser Region – genauso hart wie das Leben in dieser Hochwüste. Nein wirklich, wer nur eine nette Doku über diese Landschaft erwartet, den könnte die ausufernde emotionslose Gewalt schon ein wenig schocken. Doch so war die Geschichte nun mal.

Leider hastet der Film etwas zu schnell durch die Geschichte, sodass es dem Zuschauer nicht gerade leicht gemacht wird sich mit den Personen zu identifizieren, oder auch manchmal nur den Überblick zu behalten.

Auf jeden Fall kann ich den Film uneingeschränkt für Leute empfehlen, welche mit der dargestellten Gewalt keine Probleme haben und einmal diese tolle Landschaft sehen wollen – Sie wird aber nie nur plakativ zur Schau gestellt.

9/10 Punkten

Alternative Doku-Film Hybriden

Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 12. September 2006 um 17:01 Uhr geändert.
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