Kolya (Tschechische Republik 1996) - Kritik von hasendeddy
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Kritik von hasendeddy.
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Hintergrund
So so, ein tschechischer Film, der als bester ausländischer Film einen Oscar erhalten hat? Das hat mich schon ein wenig neugierig gemacht.
Allerdings hielten sich meine Erwartungen doch sehr stark in Grenzen, weil diese Auszeichnung meistens nicht sehr viel über die wirkliche Qualität des Films aussagt. Zumindest in der Vergangenheit war das so, weil die amerikanischen Juroren einen typisch amerikanischen Blick und somit auch begrenzten Geschmack aufgewiesen haben.
Die Rede ist von „Kolya“, einem Drama vom Jungregisseur Jan Sverák der in unseren Gefilden leider eher unbekannt geblieben ist. Ein Anzeichen, dass der Film wirklich gut ist, bietet da schon eher die Benotung der Imdb mit 7.6/10 Punkten. Aber wir werden ja sehen…
Handlung
Wir befinden uns im von den Russen besetzten Prag des Jahres 1988. Der Junggeselle Frantisek Louka (Zdenek Sverák) wurde von seinem Sinfonieorchester entlassen und muss seitdem zu seinem Lebensunterhalt auf Beerdigungen spielen und erledigt auch sonst kleinere Jobs.
Er genießt sein Leben aber in vollen Zügen und lässt keinesfalls eine Möglichkeit aus, mit dem weiblichen Geschlecht anzubandeln. Doch wie gesagt, plagen ihn leider Geldsorgen.
Da kommt ein Vorschlag seines Freundes gerade recht! Er soll eine Scheinheirat mit einer russischen Braut eingehen, damit diese die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft bekommt. Dafür bekommt Frantisek dann soviel Geld, dass es sogar für einen Trabant-Kombi reicht.
Gesagt, getan – der eiserne Junggeselle heiratet.
Dummerweise setzt sich die neue Ehefrau nach kurzer Zeit dann aber gleich in den Westen nach Deutschland ab, hinterlässt ihm aber ihren fünfjährigen Sohn Kolya, der zu allem Überfluss auch nur russisch spricht.
Für einen Junggesellen, der Russen nicht mag und außerdem mit Kindern keinerlei Erfahrung hat eine fast unlösbare Aufgabe – zumal auch das Staatsorgan inzwischen vermutet, dass mit der Heirat nicht alles in Ordnung war…
Kritik
Ich muss sagen, dass ich wirklich positiv überrascht war.
Durch die eher blassen und trostlosen Farben hat der Regisseur die damals in der „noch Tschechoslowakei“ vorherrschende Stimmung sehr authentisch eingefangen. Auch das typisch spitzbübische und sympathische Wesen der Tschechen kommt durch die fein ausgearbeitete Story sehr gut zur Geltung.
Der oft auch humoristische Film vermittelt so ganz nebenbei aber auch die damaligen historischen Ereignisse, welche ja die „Befreiung“ Tschechiens zur Folge hatten (auch im Film zu sehen). Für mich, der ja in der Nähe zur Grenze der Tschechischen Republik lebt, ist das natürlich von besonders großer Bedeutung – damals saßen wir ja in der „ersten Reihe“.
Aber nicht nur das Drumherum stimmt, sondern auch die Geschichte an sich weiß zu gefallen. Sympathische Charakter und eine langsame Erzählweise unterhalten wirklich hervorragend, ohne den Zuschauer zu überfordern.
Besonders positiv ist mir da noch die Kameraarbeit aufgefallen, welche die böhmische Landschaft und vor allem die Prager Altstadt mit ihren Türmchen und leicht verfallenen Häusern in ein besonders reizvolles Licht rückt. Das hat einen Hauptanteil an der Wohlfühlstimmung“ des Filmes ausgemacht.
Kommen wir nun zu den Schauspielern, von denen ich ehrlich gesagt vor diesem Film noch nichts gehört habe. Alle Schauspieler machen ihre Sache sehr gut und spielen ihre vielschichtigen Charakter überzeugend. Wie gesagt – das unkomplizierte und spitzbübische Wesen der Tschechen wird punktgenau getroffen. Dass die tschechische Filmindustrie über genügend gute Schauspieler verfügt, haben wir aber auch schon an anderer Stelle sehen können.
Herausragend aus den allgemein guten Leistungen der Darsteller sind aber die beiden Hauptakteure. Besonders Andrei Chalimon als Kolya hat mich förmlich aus den Socken gehauen. Wirklich, ich habe bisher selten ein Kind mit soviel schauspielerischem Talent gesehen.
Untermalt wird die ganze Szenerie von klassischen Streichern und den traurigen Beerdigungsstücken. Auch das passt hervorragend ins Bild der damaligen Zeit.
Für wen ist dieser Film nun interessant?
Ich würde sagen für alle, die einer etwas ruhigeren und manchmal lustigen Erzählweise etwas abgewinnen können. Die Schauspieler sind topp und es wird nie langweilig. Zusätzlich verhilft die gute Technik dem Film zur nötigen Atmosphäre.
Ob der Oscar berechtigt war, kann ich nicht sagen. Der Film ist wirklich gut, aber sicher auch kein Meisterwerk, das neue Maßstäbe setzt. Eben gute Unterhaltung.
Nicht geeignet ist der Film für Action- und Horrorfans, die außer ihrem Genre keine anderen Alternativen in Betracht ziehen wollen.
Meine DVD
Die Bildqualität dieser Veröffentlichung von Buena Vista Home Entertainment zu beurteilen fällt nicht leicht. Ich weiß ja nicht ob das leichte Bildgrieseln nicht unter „künstlerisch notwendig“ fällt. Die Farbarmut war auf jeden Fall sicherlich so gewollt und passt hervorragend zum Film. Ansonsten ist das Bild ein wenig unscharf und bietet auch sonst nur durchschnittliche Werte.
Das gleiche beim (Stereo-)Ton, der zwar gut verständlich ist, aber es fehlt ihm eindeutig an Klarheit und Dynamik. Das ist aber durchaus zu verschmerzen, da es sich bei diesem Film um ruhiges Erzählkino handelt. Bei einem Actionfilm sähe die Sache natürlich anders aus.
Die verfügbaren Tonformate (alle „nur“ in DD 2.0 Stereo): Deutsch, Spanisch, Tschechisch, Französisch
Folgende Sprachen wurden der DVD als Untertitel spendiert: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Portugiesisch
Dummerweise gibt es als Bonusmaterial nur eine Dokumentation „Hinter den Kulissen“. Schade, denn bei diesem Titel hätte es sich durchaus angeboten auf die wichtigen politischen Ereignisse, welche zur Zeit des Films stattgefunden haben, einzugehen.
Fazit
Lustig, tragisch und auch zum Wohlfühlen – so lässt sich der Film „Kolya“ am besten beschreiben. Für mich kein Meisterwerk, aber doch sehr gute Unterhaltung mit Top Schauspielern auf hohem Niveau. Eben mal wieder etwas anderes, weit weg vom Mainstream.
Am meisten hat mich dann aber doch überrascht, dass dieser Film einen Oscar gewonnen hat, weil er so gar nicht in das stereotype Schema der amerikanischen Juroren hineinpassen will.
Meine Empfehlung für den niveauvollen Film zwischendurch.
7,5/10 Punkten
Weblinks
- Diese Seite wurde zuletzt am 12. September 2006 um 16:45 Uhr geändert.
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