La Antena (Argentinien 2007) - Kritik von Kopfkino

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Inhaltsverzeichnis

Filmdetails

Titel: La Antena

Originaltitel: La Antena

Land/Jahr: Argentinien/2007

Lauflänge: 99 Minuten

Altersfreigabe: FSK 12

Genre: Drama/Fantasy/Experimentalfilm


Einleitung

In den vergangenen Jahren scheint es ja wieder in Mode gekommen zu sein, Filmen eine Art Retrolook zu verpassen. Diesen monochromen, etwas abgehalfterten s/w Style verwendeten Regisseure wie z.B. Kevin Smith (Clerks), Steven Soderbergh (The Good German), die Coen Brüder ([[The Man who wasn't there]]) oder auch Robert Rodriguez (Sin City). Sogar der Grandmaster of Pulp Mr. Quentin Tarantino himself bediente sich dieses Stilelementes in Kill Bill Vol.1.

Auch in Europa war man diesbezüglich nicht untätig, beispielsweise der Film Renaissance aus dem Jahr 2006 von Regisseur Cristian Volckman oder von einem meiner Lieblingsregisseure Luc Besson. Doch ein Hommage an die Meisterwerke der 1920er und 1930er Jahre war bisher nicht dabei.

La Antena vom argentinischen Regisseur Esteban Sapir wurde zuerst mangels finanzieller Unterstützung auf 16mm Material gedreht. Erst durch die Mithilfe des Rotterdamer Filmfestivales konnte der Film einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.


Inhaltsangabe

Der eiskalte Diktator und Herrscher über die Stadt, Mr. TV hat den Menschen die Stimmen genommen. Mit Hilfe seines mächtigen Fernsehsenders unterzieht er die Bewohner einer Art Gehirnwäsche um sie gefügig zu machen. Weit und breit gibt es nur noch eine Frau, die über eine Stimme verfügt, La Voz und diese macht sich Mr. TV (Rafael Ferro) zu Nutze um seine Informationen unter die Leute zu bringen.

Doch eines weiss Mr. TV nicht, dass nämlich der Sohn von La Voz ebenfalls über die Fähigkeit zu Sprechen verfügt. Als er eines Tages seinen morbiden Masterplan, den Menschen auch noch die Worte zu stehlen in die Tat umsetzen will, erfährt er von diesem kleinen Jungen. Erbost und zugleich bis ins Mark verängstigt, da ihm dieses Kleinkind seinen genialen Plan vereiteln könnte, schickt er seinen Soldaten aus, um den Jungen ohne Augen zu töten.

Mit Hilfe eines Elektrikers (Alejandro Urdapilleta), dessen Vater, Ex-Frau und Tochter Ana versuchen sie eine alte Sendestation in den Bergen wieder flott zu machen.Wenn die Stimme des Jungen für alle Menschen hörbar ist, können sie den teuflichen Plan von Diktator TV durchkreuzen. Doch dies scheint eine schier ausweglose Angelegenheit zu sein und die Freunde müssen vielen Gefahren trotzen um ihr Ziel zu erreichen....


Bild & Tonqualität

Bildformat:

  • PAL 2,16:1 (16:9) Die Angabe ist aber sicher falsch, wohl eher 1,85:1

Gerade dadurch, dass der Film erst auf 16 mm Material gedreht wurde, wird das ganze authentisch par excellence! Ein visuelles Meisterwerk, mit fantasievollen Dekorationen, passender Kleidung, Oldtimer aus den Anfangstagen des Automobiles, kurz gesagt ein bunt (kleine Anspielung *GG*) gemischter Cocktail aus gezielten Lichteffekten (vor allem das Zusammenwirken von Licht & Schatten spielt eine elementare Rolle), Closeups, futuristischen Kostümen und allerlei Liebe zum Detail (besonders gut gefallen haben mir die kleinen Stop-Motion Effekte im ersten Drittel von La Antena).

Das Bildupscaling meiner PS3 leistete wirklich ganze Arbeit. Habe die DVD auch probeweise in meinen Billig DVD-Player eingelegt und die Unterschiede waren schon enorm. Auch wenn das Bild auf alt getrimmt ist, sind die Szenerien trotzdem grösstenteils recht scharf und vor allem die Closeups von den Gesichtern sind toll.


Tonqualität:

Tonformate:

Untertitel:

  • Deutsch

Welch eine Anlehung an die alten Stummfilmklassiker von Anno Damals! Die Score (welche übrigens als Bonus CD der Special Edition von Capelight beiliegt) ist einerseits dramatisch, dann wieder ganz ruhig und sanft, schwingt dann über zu traurig, genau wie es das Handlungsgeschen verlangt. Gerade die musikalische Unterlegung ist bei einem Film, der sich grösstenteils über Bildsprache ausdrückt von enormer Bedeutung.

Zum Ton ansich möchte ich mich eher kurz halten. Das Ganze ist doch recht frontlastig, grössteils arbeitet der Centerspeaker und ein wenig auch die beiden Frontspeaker. Auch den Rearspeaker ist nur sehr selten ein Sound zu hören, was mich aber nicht weiter gestört hat. Alles in Allem eine runde Sache, welche die visuelle Bilderflut doch gut in Szene bringt.


Bonusmaterial

Hut ab, ihr Leute von Capelight Films. Diese schicke 2 Disc Collector's Edition ist gut bestückt im Punkto Extras. Hier einmal eine kleine Auflistung, auf was sich potentielle Käufer freuen können:


Persönliche Meinung & Kritik

Bei La Antena war ich Dank Hasendeddys gelungener Kritik bereits gespannt, wie ein Flitzebogen. Doch meine Erwartungen wurden noch übertroffen. Man merkt von der ersten Sekunde an, dass es Regisseur Esteban Sapir nicht um kommerziellen bzw. finanziellen Erfolg geht. Der Mann macht das Ganze aus purem Idealismus und steckt seine ganze Liebe zum Film (vor allem die Werke von Fritz Lang (alleine in Anlehung an gibt es zig kleine Details, die elegant geklaut wurden.

Auch der elitäre Stil von Lang's Dr. Mabuse findet sich ansatzweise in La Antena wieder. Auch Georges Méliès Die Reise zum Mond, welcher als einer der ersten Filme gilt, die gedreht wurden findet eine Ehrerbietung im Film von Esteban Sapir.

Was will uns dieser Film bloss sagen. Meine Meinung gleicht sich im Grossen und Ganzen mit der von Hasendeddy. Die Macht des Bildes, den Einfluss, den das Fernsehen auf die moderne Zeit hat, um dieses brisante Thema geht es. Auch der ewige Kampf Stark gegen Schwach (im Film versinnbildlicht durch die beiden Apparaturen in Form eines Davidsternes/Judenstern und des Hakenkreuzes).

Die Vielfalt der Stilmittel und technischen Helferlein ist IMHO sehr umfassend. Zum Einsatz kommen neben Green Screen und zahlreichen Miniaturmodellen (das hatte George Lucas bereits Ende der 70er Jahre für die Star Wars Trilogie perfektioniert), teil sehr comichafte Texttafeln (wenn z.B. mit einem Maschinengewehr geschossen wird) und viele weitere interessante Features, die man in der Form nur selten zu Gesicht bekommt.

Dank der etwas bizarren Charaktäre, beispielsweile einer von Mr. TV's Schergen ist eine Art Ratte mit völlig deformierten Zähnen und einem Sack auf dem Kopf *loL*, oder dem durchgeknallten Wissenschaftler mit dem Mini TV vor dem Mund. Dazu eine visuelle Bilderflut und die stimmige Score (wobei es sich fast ausschliesslich um klassische Stücke handelt) bekommt man eine Hommage, ich würde schon fast sagen eine Liebes erklärung an den von vielen vergessenen Stummfilm. Muchas Gracias Señor Esteban Sapir aus Argentinien, sie haben mir meinen Montag Abend versüsst. Soviel Mut und Experimentierfreunde würde ich mir von mehr Leute aus der Filmbranche wünschen!


Wertung

  • Film: 10+/10 Punkte (Nostalgiepunkte)
  • DVD: 9/10 Punkte
  • Gesamtwertung: 9,5/10 Punkte

"Die Fantasie hat die Menschen gerettet" (Zitat aus LA ANTENA)

  • Diese Seite wurde zuletzt am 15. April 2008 um 10:41 Uhr geändert.
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