Lautlos (Deutschland 2004) - Kritik von hasendeddy
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Kritik von hasendeddy.
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Hintergrund
Welcher deutsche Schauspieler ist wandlungsfähig, ruhig und sympathisch?
Antwort: Joachim Król! (ich gebe zu ich bin ein Fan!)
Deswegen viel es mir auch leicht, eine gebrauchte DVD von meinem Verleiher für nur 5 Euros mitzunehmen, da bei „Lautlos“ eine der Hauptrollen mit eben diesem Joachim Król besetzt wurde.
Ich hatte ja auch noch nie einen schlechten Film mit ihm gesehen….bis jetzt!
Handlung
Der Auftragskiller Viktor (Joachim Król) erledigt seine Aufträge am liebsten lautlos und gut vorbereitet. Dazu studiert er das Leben seiner Opfer bis ins letzte Detail, ja er lernt sie fast schon persönlich kennen.
Bei einem neuen Auftrag läuft zunächst auch alles glatt – das Opfer stirbt von allen unbemerkt und lautlos.
Als er allerdings in die Wohnung geht, um seinen Auftrag vollends zu erledigen (er muss noch einen versteckten Umschlag hinter der Tapete über dem Bett holen), sieht er eine schöne schlafende Frau im Bett des Opfers liegen – und verliebt sich sofort in die Unbekannte.
Am nächsten Tag wird der „Profiler“ Lang (Christian Berkel) auf den Fall angesetzt, der die Tat natürlich sofort einem Profikiller zuschreibt und auch die mysteriöse Frau namens Nina (Nadja Uhl) unter die Lupe nimmt.
Da Viktor aber inzwischen Nina kennen gelernt hat und dadurch unvorsichtig geworden ist, gerät nun auch Viktor in das Visier der Ermittler…
Kritik
Eines vorweg: Joachim Król spielt wie immer hervorragend, wie auch seine Kollegin Nadja Uhl.
Ich glaube Joachim Król ist derzeit einer unserer wandlungsfähigsten Schauspieler.
Die ungewöhnliche und stylische Kameraführung ist auch perfekt.
Dennoch war ich ständig am kämpfen, den Film nicht vorzeitig aus dem Player zu zerren und die Disk gegen die nächste Wand zu donnern. Ich war wirklich wütend!
Die auch schon von anderen Regisseuren und Drehbuchautoren vielfach bemühte Geschichte „Profikiller verliebt sich und macht dann Fehler“ wird derart kalt, ohne Details und holperig auf den Zuschauer losgelassen, dass dieser keinerlei Beziehung zu den Personen aufnehmen kann. Die geschaffene Distanz kann ansatzweise nur durch das geniale Spiel von Joachim Król hin- und wieder durchbrochen werden.
Aber auch der etwas zu „Overacting“ neigende und unglaubwürdige Christian Berkel, der wohl eher in einer Daily Soap oder als Staubsaugervertreter sein Glück suchen sollte, hat durch sein Unvermögen seinen Beitrag zu diesem vollkommenen Desaster geleistet.
Hauptproblem ist aber die völlig verhunzte Geschichte, bzw. wie sie herübergebracht wird. Da klaffen Logiklöcher (siehe Aufzählung) auf durch die ein Jumbojet fliegen könnte und klischeehafte Polizeibeamte mit scheinbar übersinnlichen Kräften gehen ihrer „coolen“ Tätigkeit nach.
Bei allem wurde nur darauf Wert gelegt, möglichst viele spektakuläre und moderne Elemente einzubauen, ohne dass es die Geschichte wirklich weiterbringt.
Es sind fast alle, bereits aus anderen Thrillern verwandte Elemente enthalten, wie z.B. : fernzüntbare Giftgasgranaten, Laserlichtschranken, ferngelenkte Gewehre, ein indischer Sicherheitschef mit Turban, eine coole Armbrust und natürlich tolle Explosionen (um nur ein paar zu nennen).
Um den dünnen Handlungsfaden nicht zu verlieren und die Geschichte wieder in eine andere Richtung zu lenken, muss dann auch mal ein hellseherischer Polizist her, der unglaubwürdige Fakten schafft.
Nein, es ist wirklich kein Vergnügen diesen Film anzuschauen!
Vorsicht Spoiler: Zur besseren Verständlichkeit der (Un-)Logik, die sich der Film bedient, hier einige Beispiele (…wahllos herausgegriffen von 100erten anderen möglichen): Spoiler:
- Der Profiler erkennt sofort am ersten Tatort ohne vorherige Nachforschungen: „"Der Täter ist erfahren, also mindestens 40. Sehr sportlich, höchstens 45". – das hätte mit seiner hellseherischen Art wohl besser in Akte X gepasst – schafft aber Fakten!
- Der Profiler befragt Viktors alte Lehrerin (vor ca. 30 Jahren) nach den Details zum Tot von Viktors Eltern. Diese erinnert sich sofort daran und sagt z.B. dass Viktor nicht auf deren Beerdigung war sowie weitere kleinste Details – fragt doch mal nach 30 Jahren euere ehemaligen Lehrer, ob sie sich überhaupt noch an euch erinnern – geschweige denn an Details über eure Eltern!
- Der Profiler kramt einen alten Fall heraus, bei dem ein damals 10-jähriger seine Eltern gerächt hat – und schließt wegen der unglaublichen Parallelen sofort daraus, dass es nur Viktor gewesen sein kann! – …wir bräuchten wirklich solche Polizisten!
- Der Profiler geht ins ehemalige Elternhaus Viktors, welches inzwischen leer steht und setzt sich in die Ecke – Geistesblitz! Er weiß sofort alles über die Mordtat – bis ins kleinste Detail obwohl das Haus komplett leer ist (Akte X lässt wieder grüßen!) – sein Kollege popelt aus einer Ritze im Boden irgendwelche Haare heraus und folgert natürlich sofort daraus: „Jetzt können wir einen Gentest machen!“
- Einige SEK Autos (natürlich BMW!) verfolgen die flüchtende Nina. Viktor hat ein paar Ölfässer neben den Waldweg gestellt (natürlich gut sichtbar!) und bringt diese auch kurz bevor die Beamten zu dieser Stelle kommen zur Explosion (lautlos?!) – Kommentar von der SEK Gruppe: „Wir stehen hier vor einer undurchdringlichen Feuerwand (ca. 3,50m breit) – wir kommen nicht weiter“. Hubschrauber mit Wärmebildkameras sind anscheinend gerade zur Überholung im Hangar und zu einer Fahndung hat gerade keiner Lust (…außerdem gibt es von BMW keine Hubschrauber)
Meine DVD
Bild und Ton sind ganz gut gelungen, wobei der Ton eher frontlastig und der Subwoofer handlungsbedingt meistens zur Untätigkeit verurteilt ist. Das Bild könnte aber auch schärfer und in den dunklen Bildteilen viel besser aufgelöst sein.
Die DVD von X-Verleih wurde als lobenswerte 2-Disk Edition veröffentlicht. Nach dem verheerend gruseligen Film war mir allerdings nicht mehr danach, die zweite Disk einzulegen, um die Extras anzuschauen. Hier die reinen Fakten:
- Audiokommentar: Kommentar von Regisseur Mennan Yapo
- Kurzbiographien von Stab und Besetzung
- Dokumentation: Framed - Kurzfilm von Mennan Yapo
- Dokumentationen: Rückblick – Framed
- Featurette (die Musik, der Look, der Schnitt)
- Making Of: Shooting Lautlos
- Nicht verwendete Szenen
- Storyboards
- TV Spots & Trailer
- Outtakes
Fazit
Ein deutscher Film bei dem es, bis auf den modernen Look und die schauspielerische Leistung von Krol und Uhl, wirklich an allem mangelt.
So ein unausgegorenes Werk, welches nicht einmal Fensehfilmniveau erreicht, ist mir schon lange nicht mehr in die Finger gekommen. Die im Abspann erwähnten Filmfördermittel sind aus dem Fenster geworfen worden!
Falls ihr also eure Leidensfähigkeit testen wollt – Bitte, hier ist ein perfekter Kandidat!
3/10 Punkten
Weblinks
- Diese Seite wurde zuletzt am 13. September 2006 um 09:28 Uhr geändert.
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