Lost in Translation (USA / Japan 2003) - Kritik von Herr Shaggy
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Lost in Translation
Kritik von Herr_Shaggy.
Hintergrund
Lost in Translation ist Sofia Coppolas zweite Regiearbeit. Wie auch bei The Virgin Suicides übernahm sie sowohl die Aufgabe des Drehbuchschreibens (wenn bei TVS auch nur die Adaption von Jeffrey Eugenides Roman), wie auch die Regie. In 97 Minuten verzaubert sie den Zuschauer dabei mindestens so sehr, wie bei ihrem (grandiosen) Debüt!
Story
Tokio ist eine pulsierende Metropole, eine riesige Spielwiese, mit über 8 Millionen Einwohnern. Eine Stadt, in der die japanische Kultur nur allzu deutlich wird: verschlossen und traditionell auf der einen Seite, Technik verrückt und Nachts vollkommen ausgelassen auf der anderen Seite. In diese fremde „Welt“ geraten zwei einsame Seelen, die im Kulturschock fast untergehen.
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Charlotte (Scarlett Johansson) hat gerade ihr Psychologiestudium erfolgreich absolviert und ist (scheinbar) glücklich frisch verheiratet. Ihr Mann John (Giovanni Ribisi) ist ein angesagter Fotograf und eilt in Tokio von einem Termin zum anderen. Viel Zeit für seine Frau bleibt da kaum. Hinzu kommt, dass Charlotte nach ihrem Platz im Leben sucht- ob sie in Tokio fündig wird?
Bob (Bill Murray) ist ein Schauspieler, der sein Verfallsdatum so langsam überschritten hat. Für die stolze Summe von 2 Millionen Dollar dreht er dennoch einen Whiskey Werbespot in Tokio, fernab von seiner Frau und seinen Kindern. Die Ehe wirkt auch hier nicht allzu glücklich, vielmehr bilden die gemeinsamen Kinder eine letzte starke Verbindung zwischen den Eheleuten.
Beide (Charlotte und Bob) streifen einsam und schlaflos durch die Metropole, völlig verloren in der fremden, verdrehten Stadt. Als sie sich aber zufällig in der Lobby ihres gemeinsamen Hotels begegnen und anfreunden, ändern sich die Vorzeichen- statt verloren durch Tokio zu ziehen, halten sich beide aneinander fest und lernen die Stadt und sich selbst besser kennen Werden die beiden dank des anderen Antworten auf ihre Fragen bekommen?
Allgemeine Kritik
Lost in Translation ist ein extrem ruhiger, wenn nicht gar langsamer Film, was aber nicht bedeuten soll, dass er langweilig wäre, oder mit Längen kämpfen müsste! Die erste halbe Stunde konzentriert sich voll und ganz auf die beiden Hauptcharaktere und ihre Probleme mit der fremden Kultur. Dabei kommt es zu vielen komischen Situationen (die Dreharbeiten für die Werbung, das Fotoshooting, etc.), aus denen sich dann die „Verlorenheit“ der Charaktere ableiten lässt- gerade Bob wirkt teilweise sehr sarkastisch in seiner Art gegenüber den Japanern. Es kommt zwar an zwei Stellen zu kurzen Treffen der Hauptcharaktere (eines davon im Hotelaufzug), bis auf ein gegenseitiges Anlächeln kommt es aber zu keinem Kontakt zwischen Bob und Charlotte. Man wünscht sich fast beim Treffen im Aufzug, dass der eine, den anderen anspricht, damit sich beide gegenseitig aus ihrer Einsamkeit reißen können. Dann kommt es endlich zum ersten Kotakt in der Hotelbar- man atmet leicht auf, hofft, dass es beiden bald besser gehen wird. Und in der Tat: die beiden machen gemeinsame Streifzüge durch das nächtliche Tokio, amüsieren sich und genießen ihren Aufenthalt in der fremden Stadt. Dabei wirken sie teilweise fast heimisch, singen sie doch gemeinsam mit japanischen Freunden Karaoke und gehen Sushi essen.
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Und dennoch sticht selbst in diesen Momenten die Einsamkeit der beiden durch: es gibt Einstellungen, wo beide einfach wortlos nebeneinander sitzen, draußen vor den Clubs, völlig in sich gekehrt und abseits. Dabei fällt auch ein Satz, der die Situation der beiden perfekt umschreibt: (nach einem lustigen Karaoke Abend) „Lass uns nie mehr hierhin zurückkehren- es wird nie wieder soviel Spaß machen“; das ganze Feiern und aus sich herausgehen war letzen Endes doch nur eine Flucht vor der eigenen Einsamkeit und keine Medizin dagegen!
Im Verlauf des Films gehen dann beide weiter aufeinander ein, bis zu einer Szene, in der beide (angezogen) gemeinsam im Bett liegen und die Tiefen Fragen des Lebens diskutieren- in diesem Moment wird beiden klar, was sie eigentlich suchen und wonach sie streben- grandios!
Die einzigartige Beziehung zwischen Charlotte und Bob ist es, die den Zuschauer fesselt und sowohl leiden als auch lachen lässt.
Was die schauspielerische Leitung angeht, muss man weder lachen, noch weinen, sondern vielmehr den Hut vor Bill Murray und Scarlett Johansson ziehen!
Mit gerade einmal 18 Jahren liefert Scarlett eine beeindruckende Leistung ab, die man kaum hoch genug loben kann! Sie spielt den vielschichtigen und schwierigen Charakter der Charlotte voller Hingabe und mit einer Glaubwürdigkeit, die man selbst von alteingesessen Schauspielern nur selten zu Gesicht bekommt! Sowohl ihre Darstellung der liebenden Ehefrau, als auch der verletzlichen, jungen Frau wissen zu begeistern und tragen viel zur Atmosphäre des Films bei.
Doch wird die weibliche Hauptrolle deutlich von ihrem männlichen Pendant übertroffen. Bill Murray spielt einfach nur weltklasse in diesem Film! Ohne lange Dialoge, oder aufdringliches überdrehtes Spiel bringt Murray den Zuschauer zum Lachen, ohne dabei die Probleme der Figur zu vernachlässigen. Dabei spielt seine minimal Mimik eine große Rolle; so wirkt Bob gerade in den Szenen mit den japanischen Filmemachern mürrisch und irgendwie fehl am Platze- und genau das ist es, was seinen Charakter im Film ausmacht! Das Bill Murray für die Leistung keinen Oscar bekommen hat ist schlicht und einfach eine Frechheit!
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Nicht weiter zu erwähnen sind die Nebendarsteller Anna Faris (Kelly) und Giovanni Ribisi (John)- Anna Faris spielt einen ählich überdrehten Charakter wie in ihren bekannten Rollen in Scary Movie, dies jedoch in einem weitaus glaubwürdigerem Rahmen. Giovanni Ribisi spielt souverän, was für ihn jedoch bei der Rolle des lässigen Rock-Fotografen nicht weiter schwierig gewesen sein dürfte.
Die ganzen japanischen Darsteller zu bewerten ist mehr als schwierig, agieren sie (dem Film entsprechend) sehr aufgedreht und überdreht- das machen sie aber alle sehr gut.
Besonderes Lob verdient der Kameramann Lance Acord- seine Arbeit hat ein ähnlich hohes Niveau wie Bill Murrays Schauspiel! Besonders die Skyline aufnahmen (wenn Charlotte aus dem Fenster des Hotels guckt) sind wunderschön und verstärken das Gefühl des verloren seins. Im Gegensatz dazu stehen dann die dynamischen Nachtaufnahmen, die Tokio in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen- einfach klasse!!!
Der Score ist ebenfalls erwähnenswert: die Japano-Pop Stücke passen wie die Faust aufs Auge, die westlichen Lieder beim Karaoke Singen sind da wieder ein willkommener Kontrast. Je nach Szene passt sich der Score an, ist dabei immer passend und untermalt die Handlung überaus gut.
Zur Regie hab ich mich ja weiter oben schon geäußert, wiederhole an dieser Stelle aber gerne noch mal, dass auch dieser Punkt überaus erhaben ist. Sofia Coppola hat das Talent förmlich in die Wiege gelegt bekommen und erreicht locker die Qualität ihres Vaters, wenn beide auch vollkommen andere Genres pflegen.
Veröffentlichung und Technik
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Technisch ist die DVD von Highlight durchaus gelungen.
Das Bild (16:9 (1.85:1) anamorph ) ist gut, wenn der Kontrast auch höher liegen könnte. Das Bild wirkt insgesamt etwas zu weich, was wohl aber(ähnlich wie bei The Virgin Suicides) als Stilmittel Sofia Coppolas gedacht war. Dadurch gehen leider einige Details (gerade im Dunkeln) verloren- letztlich ist es aber nicht ganz so schlimm. Rauschen tritt zum Glück so gut wie gar nicht auf, Verunreinigungen gibt es auch nicht.
Beim Ton (Deutsch/Englisch DD 5.1) hingegen kann man eigentlich kaum meckern. Wie bei Dialogfilmen üblich wird dem Zuschauer auf den Rear Kanälen nicht wirklich viel geboten (ab und an mal Umgebungsgeräusche, der Score darf obligatorischer Weise auch mal aus allen Lautsprechern dringen), dafür wurde der Sub gut in den Mix integriert. Gerade in den Nachtclubs dröhnt es recht heftig aus dem Tieftöner. Die Dialoge sind in beiden Tonspuren gut verständlich.
Die etwa 77 minütigen Extras sind sehenswert, wenn auch nicht überragend. Ein interessantes Making-Of, dazugehörige Behind the Scenes Aufnahmen, sowie Interviews gehören ja eigentlich zur Standartausführung. Der Informationsgehalt ist aber über-durchschnittlich, was positiv hervorzuheben ist! 5 Deteted Scenes ergänzen das Standartrepertoire des Bonus Materials. Dann gibt es noch Texttafeln zu Cast und Crew und ein Musicvideo (Kevin Shields- City Girl). Zweifelsohne Highlight des Bonus Materials ist ein Gespräch zwischen Sofia Coppola und Bill Murray- teilweise wirklich urkomisch!
Fazit
Mit Lost in Translation hat Sofia Coppola ein weiteres Mal ihr Ausnahme Talent bewiesen- von der ersten bis zur letzten Minute verzaubert sie den Zuschauer mit einem Film, der tiefste Emotionen in einem weckt: von komisch bis ernst und tief traurig ist alles dabei. Das perfekte Zusammenspiel von Cast und Crew macht den Film zu einem außergewöhnlichen Beitrag der Filmkunst. Wer Sofias Filmdebüt The Virgin Suicides mochte, kommt nicht drum rum Lost in Translation zu lieben!
10 von 10 Punkten
- Diese Seite wurde zuletzt am 22. September 2005 um 15:12 Uhr geändert.
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