Machuca, mein Freund (Chile, Großbritannien, Spanien 2004) - Kritik von hasendeddy

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(orig. Titel: Machuca)

Kritik von hasendeddy.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Merkwürdigerweise finden in letzter Zeit immer mehr politisch angehauchte Filme ihren Weg in meine Sammlung. So war es klar, dass „Machuca, mein Freund“ mein Interesse geweckt hat. Schließlich war der Film ein Oscarkandidat für das für seine Filmwirtschaft eher unbekannte Chile.

In der Ofdb liegt der Film mit einer Note von 7,14 im oberen Drittel und die User der Imdb waren sogar der Meinung die Note 8,1/10 ist gerechtfertigt. Fast ein Spitzenwert also.

Geschichtlicher Hintergrund

Um diesen Film besser zu verstehen, muss man gewisse Grundkenntnisse in der chilenischen Geschichte mitbringen. Ich beginne am besten im Jahre 1964, wo Eduardo Frei Montalva als Kandidat der Christdemokratischen Partei die Wahl zum Präsidenten gewonnen hat (man sagt, dass die USA eine bedeutende Rolle beim Wahlsieg gespielt haben sollen).

Unter diesem Präsidenten wurden viele Sozialreformen in Angriff genommen wobei es immer wieder zu großen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Armen und den Reichen gekommen ist – schließlich sollten die Armen, meist Indios, mehr Rechte und eine Gleichbehandlung erfahren. Schließlich verteilte er auch den Großgrundbesitz mittels einer Landreform an Bauerngenossenschaften.

1969 gab es ein linkes Bündnis namens Unidad Popular in dem sich alle linksgerichteten Parteien zusammengeschlossen hatten. Unter anderen auch die linkschristliche Partei und natürlich auch marxistische Gruppierungen. Sie wollten eine Verstaatlichung der Industrie und die Enteignung der Großgrundbesitzer.

1970 hat dieses Bündnis die Wahl gewonnen und Salvator Allende wurde zum Missfallen der reichen Weißen (und den USA) zum Präsidenten gewählt.

Doch diese „Minderheitsregierung“ geriet im Laufe der Zeit in immer heftiger werdende Streitereien mit der Opposition. Auch die USA wollten kein „zweites Kuba“ vor der eigenen Haustüre haben.

Und jetzt kommen wir zu den herrschenden Verhältnissen im Film. Im März 1973 konnte die Unidad Popular unter der Führung von Allende ihre Führung nochmals ausbauen, verfehlte jedoch die angestrebte absolute Mehrheit.

Während dieser Zeit brodelte es in ganz Chile und Demonstrationen sowohl der Linken als auch der Rechten Gruppierungen waren an der Tagesordnung (auch im Film schön zu beobachten).

Im August 1973 entzog das Parlament der Regierung das Vertrauen – wegen angeblich missbräuchlicher Amtsausübung. Dies rief dann im September 1973 Augusto Pinochet auf den Plan. Er versuchte einen Militärputsch der ihm auch gelang. Daraufhin soll dann Präsident Allende in seinem Präsidentenpalast Selbstmord begangen haben.

Als Folge der gewaltsamen Machtübernahme durch Pinochet wurden vom Militär die Oppositionellen und deren Sympathisanten in konzentrationslagerähnlichen Komplexen untergebracht. In dieser Zeit gab es viele Tote und viele unschuldige Menschen wurden Inhaftiert.

Der Film zeigt die Zeit kurz vor und nach dem Militärputsch aus der Sicht des aus „besseren Kreisen“ stammenden Gonzalo Infante (Matías Quer).

Handlung

Wie schon gesagt, es ist sehr hilfreich die politischen Verhältnisse zu kennen, welche damals in Chile herrschten – das erhöht die Bewertung des Films um ein vielfaches.

Santiago de Chile im Jahre 1973. Die Regierung steht kurz vor dem Putsch gegen Salvador Allende. Überall in der Stadt finden Demonstrationen statt.

Der Junge Gonzalo Infante (Matías Quer) aus der sozialen Oberschicht des Landes geht in die Privatschule St.Patrick, welche bisher nur für solche privilegierte Schüler zugänglich war.

Durch die Reformbemühungen der herrschenden Linken Partei Allentes werden aber nun auch Kinder aus den Armenvierteln in dieser Schule aufgenommen. Treibende Kraft für diese Reformen an dieser Schule ist Pater McEnroe (Ernesto Malbrán), der sozial engagierte Schulleiter von St.Patrick.

Pedro Machuca (Ariel Mateluna) ist einer davon und wird zunächst von allen mit Argwohn und Feindseeligkeit aufgenommen. Die Vorurteile gegen die „Kaffern“ (Originalausdruck aus dem Film – wohl wegen der dunkleren Hautfarbe der Indios) sind nicht so schnell aus der Welt zu schaffen.

Doch langsam erkennt Gonzalo, dass diese Jungen im Prinzip auch nicht anders als andere Mitschüler sind und freundet sich schließlich mit Machuca an. Durch diese Freundschaft erhält der reiche Junge aus besserem Zuhause zum ersten Mal in seinem Leben einen erschütternden Einblick in das Leben der Armen Bevölkerung.

Aber auch Machuca sieht, dass bei den Reichen nicht alles Gold ist was glänzt. Nichts scheint Freundschaft gefährden zu können – doch als sich die politische Lage zusehends zuspitzt bilden sich schnell die alten, längst vergessen geglaubten Vorurteile und die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Dann kommt der Putsch…

Kritik

Was hatte ich erwartet? Nun nach den vielen positiven Bewertungen hatte ich einen Film im Stil von „City of God“ erwartet. Doch „Machuca, mein Freund“ war zu meiner Überraschung komplett anders. Wer auf so einen Vergleich gekommen ist möchte ich wirklich einmal wissen!

In diesem chilenischen Oscarkandidaten wird sehr einfühlsam die persönliche Geschichte zweier Jungen erzählt, die aus grundverschiedenen sozialen Schichten stammen. Diese ruhig erzählte Handlung findet vor dem realen geschichtlichen Hintergrund der frühen 70er Jahre in Chile statt. Es geht im Prinzip um Vorurteile, und wie tief diese im Unterbewusstsein verwurzelt sein können. Eben ein sozialkritischer Film, der auch heute nicht an Brisanz verloren hat.

Um die für diesen Film richtige (trostlose 70er Jahre) Atmosphäre zu erzeugen greift Regisseur Andrés Wood auf blasse Farben und ein leicht grieseliges Bild zurück. Die Handlung wird langsam und nachvollziehbar weitergebracht, sodass keine Verständnislücken auftreten können. Langweilig wurde es mir trotzdem zu keiner Zeit – Die Spannung wurde aber auch nicht unbedingt auf die Spitze getrieben.

Die Schauspieler machen ihre Sache auch ganz gut – zweckmäßig ohne nennenswerte Fehler zu machen. Mehr kann ich nicht dazu sagen….

Ein ruhiger, unauffälliger Film, der lehrreich ist und zusätzlich auch noch sehr gut unterhält. Was will man mehr?

Als einzigen Kritikpunkt möchte ich jedoch angeben, dass weiterführende Informationen zur politischen Situation in Chile die Aufgabe des Bonusmaterials gewesen wäre. Ein paar Texttafeln hätten da Wunder wirken können. So muss der Zuschauer vorher im Internet seine Wissenslücken in aktueller chilenischer Geschichte selber auffüllen…

Meine DVD

Schön, dass sich in Deutschland ein Label für die Veröffentlichung dieses kleinen aber wichtigen Films gefunden hat.

Sunfilm hat diesen Film in gewohnt guter Qualität auf den Markt gebracht. Das Bild zu beurteilen fällt aber nicht so leicht, da zur Darstellung des 70er Jahre Flairs wohl einige Filter zu Einsatz gekommen sind. So schreibe ich das leichte Bildgrieseln und die blassen Farben der „künstlerischen Freiheit“ des Regisseurs zu.

Der Ton in Deutsch (Dolby Digital 2.0 und 5.1, Spanisch (Dolby Digital 2.0 und 5.1) hingegen bietet nur durchschnittliche Kost, ist aber gut verständlich.

Die spärlichen Extras hätten ruhig etwas mehr Infos zur Geschichte enthalten können – so musste ich mich vorher im Internet schlauer machen:

Fazit

Weltgeschichte – erzählt aus der Sicht zweier kleiner Jungen – das ist „Machuca, mein Freund“. Dabei maßt sich der Film keinerlei Wertung der politischen Geschehnisse an und bleibt zumindest auf politischer Seite eher neutral. Es bleibt bei den tatsächlichen Ereignissen – der Zuschauer muss selbst entscheiden wie er zu den Ereignissen steht.

Diese Geschichte von zwei unterschiedlichen Welten, die aufeinander treffen wird sehr unterhaltsam erzählt und kann nicht zuletzt durch das authentischen 70er Jahre Flair vollkommen überzeugen.

Als Kritikpunkt muss ich jedoch angeben, dass eine Vorkenntnis der damaligen politischen Ereignisse in Chile dringend erforderlich ist – sonst kann man den Überblick über die vielen Demonstrationen und die daraus resultierenden Ereignisse schon einmal verlieren. Die heutigen Zuschauer dürften nicht viel davon mitbekommen haben (alle über 35 natürlich schon).

Ich empfehle diesen Film für alle, die auf ernstes „Erzählkino“ und Arthousekino mit einer gehörigen Portion „Lerneffekt“ stehen. Actionfans und Horrorfreaks lassen diesen Film lieber in der Videothek versauern.

Ich habe mich perfekt unterhalten gefühlt…

7,5/10 Punkten

Weblinks

  • Diese Seite wurde zuletzt am 13. September 2006 um 10:57 Uhr geändert.
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