Max Payne (USA 2008) - Kritik von Isinesunshine

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Max Payne

Detective Max Payne (Mark Wahlberg) kommt nach Hause und bemerkt einen Einbruch. Sofort läuft er ins Kinderzimmer, wo er seine Frau Michelle und sein Baby tot auffindet. Zwei Junkies kann der Cop zur Strecke bringen, aber der dritte Mann - der Mörder seiner Familie - kann entkommen. Deprimiert und von Rachegedanken durchzogen, lässt Payne sich in die Abteilung für ungelöste Fälle versetzen und gräbt sich dort durch zustaubende Akten.

Sein Ex-Partner Alex (Donal Logue) ist immernoch auf der Suche nach Michelles Mörder, als ein aktueller Fall sein Augenmerk auf sich zieht: die drogensüchtige Prostituierte Natasha Sax (Olga Kurylenko, Ein Quantum Trost) wird zerstückelt in einer Gasse aufgefunden und neben ihr liegt Paynes Brieftasche. Sie hat sie ihm zuvor entwendet, doch die Cops wollen Payne nicht glauben. Sie war Valkyr-süchtig; Valkyr ist der Alptraum der Stadt, denn die - Halluzinationen verursachende und sofort süchtig machende - blaue Droge wird neben Natasha auch vielen zum Verhängnis.

Max wendet sich also an seinen alten Freund BB Hensley (Beau Bridges), der - wie seine verstorbene Frau - beim Pharmazieunternehmen Aesir tätig ist. Mona Sax, Natashas Schwester, will sich an Payne rächen. Detective Jim Bravura (Ludacris) von der Dienstaufsicht ist hinter Payne her, nachdem Alex umgebracht wurde und Payne der Hauptverdächtige ist. Letzterer ermittelt also, sich mit so einigen Widersachern herumschlagend, auf eigene Faust anhand der neuen Spuren im Mordfall seiner Frau… …

Max Payne ist die Verfilmung des 2001er Third Person-Shooters Max Payne aus der Feder von Sam Lake. Die Story aus dem Spiel wurde nur sehr grob übernommen. Zwar hat Max Payne Frau und Kind verloren, als Valkyr-Junkies bei ihm eingebrochen sind und hat fortan nichts anderes im Sinn als ihren Tod zu rächen, was den Rest angeht, schrieb Beau Thorne bei seiner Game-Adaption aber so einiges um.

Am auffälligsten ist hierbei wohl das Vermischen der Personen BB Hensley und Nicole Horne (im Film gespielt von Kate Burton, Grey’s Anatomy), die in Moores Film absolut unwichtig ist und es gerade einmal an vier Stellen ins Bild schafft. !!! ACHTUNG, SPOILER !!!! Der Oberbösewicht ist hier also - nicht wie in der Gamevorlage - ein Mann, der Payne noch dazu nahe steht. !!! SPOILER ENDE !!!

Die Valkyr-Trips wurden rein äußerlich zwar so dargestellt wie im Spiel (die Junkies sind abwesend und reden von Engeln und Flügeln), die Trips - wie sie vom Betroffenen wahrgenommen werden - wurden hier aber anders dargestellt als in Sam Lakes Vorlage. Im Film nehmen die unter Valkyr-Einfluss stehenden ihre Umwelt nicht in grünem Licht wahr, sondern die Aussagen der Süchtigen über Flügel und Engel wurden adaptiert: so sehen sie sich in einer grauen Welt, in der höllenartige Funken und Aschefetzen umherwehen und in der Walküren (eine Art schwarze Geisterwesen aus der nordischen Mythologie) durch die Lüfte fliegen. Diese halluzinierten Valküren stürzen die Abhängigen in den Tod.

Die visuelle Ausgestaltung dieser Wahrnehmungen ist sehr gut gelungen und erweist sich als passendes Stilmittel zur Verdeutlichung der Wirkung der Droge. Außerdem steht sie im Einklang mit den im Film vorkommenden Tattoos, die sich dort als brauchbarer Anhaltspunkt für Ermittlungen erweisen.

Wo wir garade bei Stilmitteln sind: stiltechnisch betrachtet, zählt Max Payne zum modernen Aufguss des Film-Noir, dem Neo-Noir. Es ist also ein düsterer Film mit pessimistischer Weltanschauung, dessen Bilder von Schwarz und Weiß, den Farben, die gar keine Farben sind, dominiert werden. Tagsüber regnet es so gut wie immer wie aus Kübeln, was die Straßen menschenleer macht. Nachts schneit es meistens und so bildet sich ein starker Schwarz(Nacht)-Weiß(Schnee)-Kontrast.

Andere Farben, die im Film vorkommen, sind kalter Natur; wie etwa Blau in all seinen Variationen. Valkyr selbst ist zwar leuchtend blau, trotzdem ist die Farbe keine warme und die flüssigkeit strahlt nur glasklare Kälte aus. Ein dunkleres Blau wurde fürs Wasser benutzt, in dem Payne zu Beginn des Films herumstrampelt. Selbst Licht ist hier nicht strahlend gelb, sonder matt und oft fast schon wieder weiß. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen (Szenen) im Film, in denen warme Farben vorkommen.

Natashas Kleid, zum Beispiel, ist aus rotem glänzenden Stoff, was sie in der tristen Umgebung, in der sie sich befindet, aber eher deplatziert aussehen lässt. Das Kleid von Michelle ist ebenfalls rot (mit weißen Punkten), befindet sich aber im gelb-orange erleuchteten Kinderzimer, an das Max Payne ständig denken muss, in einer warmen Umgebung - die Payne sich als Himmel wüncht.

Ebenfalls leuchtend gelb und Rot ist die brennende Asche, die unter Valkyr-Einfluss stehende sehen. Alleine diese kleinen Farbpartikel bilden schon einen deutlichen Kontrast zum Grau-In-Grau der Stadt, was den Eindruck einer Droge, die die Wirklichkeit verschwinden lässt, ohne viel Aufwand entstehen lässt, obwohl der düstere Himmel bleibt und schwarze Walküken umherfliegen.

Ja, wir befinden uns in der Sparte des Neo-Noir, aber der Trailer und die Poster zum Film versprachen mehr: Bullettime-Action und Comicstrips so wie im Spiel. Leider wurde die Comicstrips einzig und allein für den Trailer geschustert, im Film sind keine zu finden. Bullettime-Action gibt es letztendlich zu wenig, was aber auch daran liegt, dass es insgesamt relativ wenig Szenen gibt, in denen sie zum Einsatz hätte kommen können. Der Film geht ziemlich schleppend los und so wartet man in der ersten Hälfte vergebens auf heftige Schießereien. Fast das ganze Blei fliegt den Akteuren im Showdown um die Ohren.

Mark Wahlberg schafft es sehr gut, den rachsüchtigen, im Kern gebrochenen, Polizisten und Witwer darzustellen. Wie schon in Shooter rächt er sich auch hier - mit seiner Waffe an der Seite. Eine ähnliche Leinwandpräsenz zeigt allerdings kaum ein anderer Akteur im Film. Die Nebenrollen sind wirklich nebensächlich und auch nicht mit so bekannten Gesichtern besetzt wie die Hauptrolle. Die meisten davon kommen einem aber totzdem irgendwoher bekannt vor.

Vor allem die Damenwelt, sofern sie den Film sieht, wird hier zwei Gesichter aus Grey’s Anatomy wiedererkennen: Kate Burton spielt Nicole Horne (in Grey’s Anatomy spielte sie Merediths Mutter Dr. Ellis Grey) und Chris O’Donnell, der in Max Payne Jason Colvin spielt, kennt man aus Grey’s Anatomy als Dr. Finn Dendridge, Merediths Fast-Freund.

Aus musikalischer Sicht sind hier Ludacris und Nelly Furtado vertreten und die männlichen Auto- und 2 Fast 2 Furious-Freunde werden sicher bemerken, dass neben Ludacris noch eine weitere Nebenrollenbesetzung des eben genannten Films auch in Max Payne mit von der Partie ist: Amaury Nolasco, der in Max Payne Ex-Sgt. Jack Lupino verkörpert.

Leider gibt es im Film einige Logiglöcher und einen richtig herben Patzer, der mir immernoch nicht aus dem Kopf geht, und der mich den ganzen Film über beschäftigt hat. Zum Patzer: bekannter Weise handelt es sich bei Ex-Model Mark Wahlberg um einen Linkshänder und wie auch Angelina Jolie in Tomb Raider oder Mr. & Mrs. Smith schießt er - dem entsprechend - mit der Linken Hand. Als Mona Sax ihn überrascht und dazu auffordert, seine Waffe fallen zu lassen, hält er diese die ganze Zeit über in der linken Hand. Dann fordert sie ihn auf “[die Ersatzwaffe auch auf den Boden zu werfen - aber mit der linken Hand!]“, was ich so unlogisch fand, dass es mich immernoch beschäftigt. Wem das zu kleinkariert vorkommt, der wird mir aber dennoch zustimmen, dass es schon erstaunlich ist, wie ein einziger angeschossener(!!) Mann es schaffen kann, innerhalb von ein paar Minuten drei Viertelstockwerke eines enorm großen Gebäudes mithilfe von vier, fünf Päckchen C4 so zu präparieren und zu verkabeln, dass alles per Knopfdruck in die Luft fliegt. Ein echter Übermensch. !!! ACHTUNG, SPOILER !!! Auch etwas rätselhaft war es für mich, dass Michelle, als sie ermordet wurde, auf einmal tätowiert war; schließlich war sie nicht auf Droge und wozu hätten die schuldigen Drahtzieher freiwillig eine solche Spur legen sollen? !!! SPOILER ENDE !!!

Ohne das Spiel zu kennen, könnte es gegebenenfalls zu Komplikationen bezüglich des Verständnisses kommen, da ich selbst das Spiel kenne, vermag ich dies an hiesiger Stelle allerdings nicht zu beurteilen. Aber selbst so kam an der einen oder anderen Stelle ein kleineres “Hä?” auf. Schlecht ist die Story deswegen nicht, aber als das gelbe vom Ei kann man sie auch nicht bezeichnen.

Max Payne ist ein brutaler Shooter, in dem viel Blut fließt, spritzt und vergossen wird - eben ein Spiel für diejenigen, die offiziell zum Konsum harten Alkohols berechtigt sind. Dass der Kinofilm für alle ab 12 zu sehen ist, zeigt dutlich, dass das Maß an Gewalt, das das Spiel vorgibt, bei weitem nicht erreicht werden kann. An manchen Stellen habe ich mich zwar etwas gewundert, dass die FSK eine 12er und keine 16er ist, aber ein FSKkJ-Max Payne wäre vermutlich näher an die Vorlage herangekommen. So ist es unverständlich, dass die Verfilmung nicht mit höherer Altersfreigabe in den Kinos läuft; was haben die Macher damit beabsichtigt? Ein 12-jähriger, der den Film toll findet, spielt doch in 6 Jahren, wenn er 18 ist, kein dreizehn Jahre altes Spiel!

Einen Lichtblick gibt es aber dennoch: es wurde ein Gamers Dedicated Cut (ein, an Gamer gerichteter, Cut) angekündigt. Hier soll der Wiedererkunnungswert des Games höher und der Film insgesamt rauer sein. Die Spekulation, im GDC würde den Zuschschauer ein Blutbad erwarten, wies Regisseur Moore jedoch zurück. Es wird sich also vermutlich um die (noch abänderte) Version des Film handeln, die in den USA eine FSKkJ erhielt.

Leider erreicht die Verfilmung insgesamt nicht die atmosphärische Dichte des Games und ist auch nicht nah dran an der Erfüllung dieses Anspruchs. Dem Stil des Spiels kann der Film ebenfalls nicht gerecht werden und auch in die Kontinuität der Film-Noir-Anforderungen haben sich kleine Aussetzer eingeschlichen. Das veränderte Ende scheint nach einer Fortsetzung zu schreien, ersteinmal sollte man aber mit mehr Spannung auf die für Gamer geschnittene DVD-Version warten.

Insgesamt ist Max Payne ein guter Film mit einigen Stärken und ein paar Mängeln, was ihm insgesamt 6,5/10 Punkten einbringt.

  • Diese Seite wurde zuletzt am 21. November 2008 um 21:35 Uhr geändert.
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