Millennium Actress (Japan 2001) - Kritik von hasendeddy
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Originaltitel: Sennen joyu
Kritik von hasendeddy.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
Es gibt so Filme, über die ich ausschließlich gute Kritiken gehört habe und auf deren Release ich deswegen auch schon ewig warte. „Millennium Actress“ gehörte da definitiv dazu.
Vor einiger Zeit kam eine französische Version heraus, deren Kauf ich mir aber unter schwersten Entzugserscheinungen verkniffen habe, weil ja schon länger die Deutsche Version angekündigt war. Jetzt ist sie also da – und ich hab sie natürlich auch sofort gekauft…und geguckt.
Millennium Actress ist ein sehr erwachsener Animefilm und stammt von den gleichen Machern (Regie: Satoshi Kon und Animation /Charakter-Design: Takeshi Honda) die für „Perfect Blue“ und „Tokyo Godfathers“ verantwortlich waren. Da kann ja normalerweise nichts schief gehen. Wobei „Tokyo Godfathers“ aufgrund seiner abgefahrenen Charaktere sicher nicht jedermanns Sache war…
Handlung
Die berühmten Ginei Studios sind pleite und werden abgerissen.
Weil der Regisseur Tachibana ein großer Fan einer berühmten, früher in diesen Studios arbeitenden Schauspielerin ist, hat er sich überlegt eine Reportage über sie zu machen und dieses Interview in seinen Film über das Studio einzubauen.
Chiyoko Fujiwara – so der Name der Schauspielerin hat sich vor 30 Jahren von einem Tag auf den anderen von ihrer Arbeit zurückgezogen und lebt nun in einem abgelegenen Haus, zu dem sich Tachibana und sein trotteliger Assistent auf den Weg machen.
Sie gab auch in der Vergangenheit nur ganz wenige Interviews, weshalb Tachibana natürlich glücklich ist empfangen zu werden – schließlich hat er zusätzlich persönliche Gründe sie zu sehen, denn auch er arbeitete früher in diesem Studio und an ihren Filmen mit und möchte nun deshalb erfahren was die Gründe für das plötzliche Zurückziehen aus dem Schauspielberuf waren.
Als Geschenk hat er einen Schlüssel mit dabei, der für die Schauspielerin in ihrer Vergangenheit von besonderer Bedeutung zu sein schien. Als er ihn übergibt, beginnt Chiyoko Fujiwara ihre Liebes- und Lebensgeschichte zu erzählen und warum dieser Schlüssel für sie so wichtig war und noch immer ist.
Kritik
Woooow! Was für ein Film! Einfach genial…und das gilt nicht nur für den Animebereich!
Ich versuche jetzt mal meine Eindrücke zu vermitteln – ich bin aber noch in der „Verarbeitungsphase“…daher kann ich die ganze Genialität des Films wohl auch nur eingeschränkt wiedergeben.
Wirklich beeindruckend, was hier Regisseur Satoshi Kon in Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsanimateur „Meister“ Takeshi Honda für ein Meisterwerk geschaffen hat. Dies ist einer der besten Filme, die ich bislang gesehen habe - ob nun Real- oder Zeichentrickfilm.
Aber schön der Reihe nach…
Allein schon die Story verspricht etwas ganz Besonderes. Es handelt sich dabei nämlich um die Liebes- und Lebensgeschichte der älteren Schauspielerin, welche mit Hilfe von fast 1000 Jahren japanischer Geschichte erzählt und vermischt wird – so etwas habe ich noch nicht gesehen. Auch eine Einführung in die japanische Filmhistorie wurde mit eingebaut und sogar Godzilla gibt ein kurzes Intermezzo.
Jede „Episode“ in der Liebesgeschichte wird sozusagen in einer anderen Zeit erzählt und auch die Schauspielerin altert natürlich dabei – die „Zeitreise“ beginnt mit den Samurais und endet in der heutigen Zeit oder sogar etwas in der Zukunft…wenn man genau sein möchte.
Klingt jetzt alles etwas kompliziert, doch der Regisseur hat dies alles so spielerisch leicht inszeniert, dass man erst gar nicht merkt, wie hoch die Klasse dieses Films anzusiedeln ist.
Die beiden Filmleute, welche die Schauspielerin ja eigentlich nur interviewen sind dabei immer als Zuschauer in den „Sets“ mit dabei. Dass sie eigentlich nicht in die Szene gehören wurde durch eine stärkere Farbsättigung der Figuren deutlich hervorgehoben. Tolle Idee! – Sie fungieren sozusagen als Führer durch die Handlung und sind das verbindende Element neben der Hauptdarstellerin und dem Schlüssel.
Dabei wurde bei den historischen Szenen auf größtmögliche Authenzität Wert gelegt – alle Kostüme und auch sämtliche sonstigen Details stimmen sehr genau. Es ist ja fast schon pedantisch was da für ein Aufwand getrieben wurde (guckt mal in das Making Of – da wird erklärt, wie genau alles recherchiert wurde). Ich sag nur beim zweiten Mal gucken - „Pausetaste“ und das Bild genau betrachten!
Kommen wir nun zur Technik….
Die klassischen Cel-Animationen sind wie aus einem Guss und wirken so real, dass man meinen könnte, die Figuren steigen gleich aus dem Fernseher. Auch dabei wurde – wie das „Making Of“ belegt –größtmögliche Sorgfalt auf die Qualität gelegt. Wer braucht bei solchen Bildern eigentlich noch CGI?
Technisch ist „Millennium Actress“ wie auch die anderen Titeln Takeshi Honda's also wieder Top! – Sogar noch ein wenig besser als die Ghiblis, welche für mich bislang die Referenz der klassischen Animationsfilme darstellten. Überblendungen und die traumhaft schönen Landschaften und Kamerafahrten bleiben mir wohl lange im Gedächtnis. Am ehesten lässt sich „Millenium Actress“ mit „Only Yesterday“ von den Ghibli Studios vergleichen…wenn auch nur bedingt, dann „Millennium Actress“ ist um Klassen komplexer und vielschichtiger.
Kein noch so kleinstes Detail wurde vernachlässigt – sogar die ungewöhnlich starke Holzmaserung im Haus der Schauspielerin oder die wohl überlegte Farbgebung mancher Szenen haben eine Bedeutung. Auch das macht den Film so einzigartig und man kann das ganze Ausmaß der Genialität wohl erst nach dem 3. oder 4. Mal gucken begreifen.
Der ruhige Score unterstützt dabei die Handlung ohne irgendwie aufdringlich zu wirken.
Ein perfekter Film, bei dem mir wirklich keine negativen Seiten einfallen wollen – so lange ich auch überlegen mag.
Nun noch eine kurze Info für Menschen, die glauben Zeichentrick Filme seien nur etwas für Kinder:
Für Kinder ist "Millennium Actress“ zwar geeignet, doch so 100% verstehen werden sie ihn wohl nicht.
Arthouse Kino im Animegewand - so könnte man den Filmwohl am besten beschreiben. Eine Reise durch 1000 Jahre japanische Geschichte wird anhand der Lebens- und Liebesgeschichte der alten Schauspielerin erzählt.
Zudem noch die Geschichte des japanischen Kinos. Alles in einem - und alles in berauschenden, detaillierten Bildern. Vielleicht ist der Film sogar den Ghibli Filmen überlegen - was die Story und die Komplexität angeht auf jeden Fall.
Ich denke ich muss den Film heute noch einmal gucken um überhaupt zu begreifen wie wichtig er für die Filmgeschichte ist. Ein Kunstwerk….Romantisch, bezaubernd und einfach toll inszeniert.
Meine DVD
Schön, dass sich der Publisher Universum nun doch noch diesem wichtigen Film mit entsprechender Sorgfalt gewidmet hat.
Die DVD kommt in einem limitierten Digipack, welches außen matt mit aufgedruckter Glanzschrift äußerst geschmackvoll designed wurde. Tolle Veröffentlichung, die auch zu den anderen Titeln (Ghibli oder Ghost in the Shell 2) des Labels passt.
Die Qualität setzt sich beim Bild fort. Dieses ist scharf und weist auch nicht viele Fehler auf – zumindest keine gravierenden, die den Sehgenuss nachhaltig stören würden. Allerdings ist die Bitrate nur durchschnittlich, was einige Komprimierungsartefakte zur folge hat. Zudem ist ein ganz leichtes Grieseln in den Farbflächen zu beobachten. Ganz selten sind auch kleine weiße „Aufblitzer“ zu sehen. Alles aber halb so schlimm wie sich das jetzt anhört.
Bei der Synchro hatte ich ja die meisten Bedenken, denn um die tollen Bilder richtig genießen zu können schaue ich mir solche Filme immer zuerst mit deutschem Ton an. Auch hier kann ich diesmal Entwarnung geben. Die Synchro ist wirklich gelungen und gut gesprochen – da waren Fachleute am Werk. Trotzdem gucke ich den Film natürlich auch einmal im O-Ton an…klar!
Tonformate:
- Deutsch und Japanisch (DD 5.1)
Extras (diesmal habe ich sie sogar angeschaut):
- Ein wirklich hevorragendes, umfangreiches und vor allem interessantes Making Of, das jeder gesehen haben sollte der sich den Film vorher angeschaut hat. Hier wird alles ausführlich erklärt.
- Deutscher und Japanischer Trailer
- Trailershow zu anderen (Anime-)Titeln des Labels
Tolle Extras, besonders das interessante Making Of. Ich hätte mir aner gerade bei diesem Film eine zweite Disk mit noch mehr Infos gewünscht.
Fazit
Ein Film, der in seinem ganzen genialen Ausmaß wohl erst nach mehrmaligem gucken begriffen werden kann. Eine tolle und romantische Story, eine Geschichtsstunde über die Historie von Japan, die japanische Filmgeschichte und das Leben und die Liebe einer Frau – alles wird zu einem großen Ganzen kombiniert.
Details über Details und traumhafte Bilder ohne CGI Einsatz. „Millennium Actress“ ist jedenfalls ein Film, an dem sich andere Animationsfilme messen lassen müssen. Ein echtes Kunstwerk und Arthouse in seiner reinsten, aber auch unterhaltsamsten Form.
Diesen Film sollten ausnahmslos ALLE gucken, denen Filme am Herzen liegen und sich auch noch eine romantische Ader bewahrt haben.
10/10 Punkten …ein Meilenstein….
Weblinks
- Millennium Actress (Japan 2001) - Kritik von hasendeddy in der Online-Filmdatenbank (OFDb)
- Millennium Actress (Japan 2001) - Kritik von hasendeddy in der Internet Movie Database (IMDb)
- Review mit Bildern
- Diese Seite wurde zuletzt am 13. September 2006 um 10:49 Uhr geändert.
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