Night on Earth (Deutschland/Japan/Frankreich/USA 1991) - Kritik von hasendeddy
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(Altern. LANewYorkParisRomeHelsinki)
Kritik von hasendeddy.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
Beim durchsehen der am Besten bewerteten Movies in der Ofdb, bin ich auf einen Film gestoßen, der mein Interesse sofort geweckt hat. Auf Rang 162 ist ein Film von Jim Jarmusch mit dem Namen „Night on Earth“ gelistet, den ich mir gleich am nächsten Tag in blindem Vertrauen gekauft habe. Hier nun meine Meinung über diesen wirklich guten – nein genialen Independent-Steifen.
Handlung
Dieser Film wurde auf der Verpackung als „Episoden-Film“ bezeichnet, was nach meiner Meinung nicht ganz zutrifft. Es sind fünf völlig verschiedene kleine Geschichten, die zur gleichen Zeit in verschiedenen Städten (und deren Zeitzonen) stattfinden. Die Gemeinsamkeit außer der gleichen (Welt)-Zeit in allen „Episoden“ besteht darin, dass immer eine Taxifahrt in einer Großstadt erzählt wird. Jede Episode dauert etwa 25 Minuten.
1. Geschichte in Los Angeles (mit Gena Rowlands und Winona Ryder):
Die Taxifahrt geht vom Flughafen nach Baverly Hills. Winona Ryder spielt in dieser ersten Geschichte eine sehr maskulin wirkende Taxifahrerin, die gerne als Mechaniker arbeiten möchte. Da steigt am Flughafen eine Castingagentin ein, die gerade auf der Suche nach einer neuen Darstellerin für eine weibliche Hauptrolle ist. Im Taxi erkennt die Agentin bei ihrer Chauffeurin bislang „unerkannte“ Qualitäten…
2. Geschichte in New York (mit Armin Müller Stahl, Rosie Perez, Giancarlo Esposito )
Der schwarze YoYo möchte von Towntown New York zu seiner Wohnung nach Brooklin. Leider hält trotz einiger Bemühungen kein einziges Taxi an. Endlich kommt ein Taxi in seltsam „hüpfender“ Fahrweise näher und hält an. Der Taxifahrer, ein Exilostdeutscher mit schlechten Englischkenntnissen befindet sich gerade auf seiner Jungfernfahrt als Taxifahrer und kommt auch mit der Automatik des Taxis nur sehr schwer zurecht. Da übernimmt Yo-Yo das Steuer…
3. Geschichte in Paris ( mit Isaach de Bankolé, Béatrice Dalle)
Der französische, aus der Elfenbeinküste stammende Taxifahrer hat nach einer wenig erfreulichen Fahrt mit afrikanischen Landsleuten die Nase voll. Da kommt ihm eine blinde Frau als Fahrgast gerade recht - verspricht er sich von dieser doch weniger Probleme. Nach kurzer Fahrt erwacht seine Neugier und er befragt die junge Frau über ihre „alltäglichen Probleme“ als Blinde. Die vermeintlich friedliche Blinde stellt sich nun als durchaus als schlagkräftige Diskussionspartnerin heraus…
4. Geschichte in Rom (mit Roberto Benigni)
Ein äußerst sing- und redefreudiger Taxifahrer in Rom, der auch einmal gerne einen „heißen Reifen“ fährt, nimmt auf einem der vielen Plätze der Stadt einen kränklich wirkenden Priester mit. Anscheinend hat der emotionelle Fahrer schon seit seiner Jugend nicht mehr gebeichtet. Während das Taxi mit atemberaubender Geschwindigkeit durch das nächtliche Rom rast muss sich jetzt dieser Priester die ganze (Liebes- und) Lebensgeschichte des Fahrers anhören …
5. Geschichte in Helsinki (mit Matti Pellonpää)
Mika, ein rustikal wirkender Taxifahrer im winterlichen Helsinki nimmt drei einigermaßen betrunkene Fahrgäste auf. Während einer der drei schon völlig bewusstlos ist und nur noch ins Taxi getragen werden kann, erzählen die etwas nüchterner wirkenden beiden Fahrgäste die traurige Geschichte des bewusstlosen Fahrgasts. Sein Name lautet Mika und er hat wegen seiner Unpünktlichkeit seine Arbeit verloren. Außerdem ist sein neues Auto nur noch Schrott und seine minderjährige Tochter ist schwanger – zusätzlich will ihn seine Frau noch verlassen. Der Taxifahrer hat für die Ausführungen der beiden nur eine Bemerkung übrig: “Es könnte schlimmer sein!“ – da beginnt er seine Lebensgeschichte zu erzählen…
Kritik
Ich muss gleich zu Beginn meiner Kritik zugeben: Der Film ist für mich einfach nur eine Granate! Nie kommt nur eine Spur von Langeweile auf. Dies liegt daran, dass die einzelnen, etwa 25 Minuten dauernden Geschichten, völlig von einander verschieden sind.
Abwechslung pur!
Dabei leben die Geschichten hauptsächlich von den unterschiedlichen Charakteren und deren Geschichten, von denen aber scheinbar nur ein kleiner Ausschnitt im Film gezeigt wird. Der Rest der Handlung spielt sich nachher gewollt im Gehirn des Zuschauers ab. Die einzelnen Geschichten sind so abwechslungsreich wie die Städte in denen sie spielen – einmal tragisch, nicht ohne eine Priese schwarzen Humors, ein anderes Mal wirklich brüllend komisch mit einem Hauch von Tragik.
Der fantastischen Kameraarbeit kommt in diesem Meisterwerk eine besondere Bedeutung zu. Jarmusch wechselt von engen, bekemmenden Innenaufnahmen in den Fahrzeugen zu statischen Kameraseinstellungen am Rand der Straße, durch die dann das Taxi durchfährt. Dadurch erreicht der Regisseur eine fast schon dokumentarische und abwechslungsreiche Erzählweise, in der die kleinen Momente des Alltags bis ins letzte Detail festgehalten werden und auch einen Ausschnitt aus der betreffenden Stadt preisgeben.
Dadurch bekommen die Geschichten der Protagonisten eine weitere Portion „Glaubwürdigkeit“ verpasst und wirken dadurch auch sehr spannend erzählt. Ich hatte das Gefühl, die im Film gefahrenen Strecken jederzeit in der Wirklichkeit finden zu können.
Die Musik von Tom Waits passt auch wirklich hervorragend zu dieser außergewöhnlichen Stimmung und unterstützt dabei die Darsteller in ihrer Rolle.
Wichtig! Um in den vollen Genuss des Filmes zu kommen muss unbedingt die nicht synchronisierte Fassung des Filmes ausgewählt werden (…aber natürlich mit deutschen Untertiteln). Denn nur dann kann die in der jeweiligen Stadt gesprochene Sprache einen wichtigen Beitrag zur Atmosphäre des Films liefern. Das macht einen großen Reiz des Films überhaupt aus! (5 verschiedene Sprachen – das schafft noch nicht einmal die Schweiz!)
Alle Schauspieler sind bis auf Wynona Ryder, die ein wenig übertreibt, sehr gut ausgewählt und passen absolut perfekt für ihre Rollen. Das ist umso wichtiger, weil es sich hier ja um einen dialog-basierenden Film handelt. Besonders hervorheben möchte ich die Leistung Armin Müller Stahl, der seine Rolle als emigrierter ex-ostdeutscher Circusclown so realistisch und liebenswert spielt, dass ich selber gerne mit ihm im Taxi mitgefahren wäre.
Ich kann mich wirklich nur schwer entscheiden welcher der 5 Geschichten ich den Vorzug geben möchte (Rom oder New York!).
Als einzigen Kritikpunkt könnte ich aufführen, dass die wohl traurigste Geschichte leider erst am Schluss des Films eingesetzt wurde – wahrscheinlich bewusst.
Meine DVD
Es gibt zwei DVD-Versionen des Films im Handel. Die erste, auf die ich mich hier beziehe, ist vom Label „Arthaus“ und bringt den Film „nur“ im O-Ton mit deutschen Untertiteln. Die Bild- und Tonqualität kann mit heutigen Produktionen natürlich nicht ganz mithalten, ist aber für einen Indi-Film aus dem Jahre 1991 mehr als ausreichend.
Als Bonus sind noch Trailer zu weiteren Jarmusch Filmen enthalten, sowie einige Starinfos.
Seit kurzem gibt es auch noch eine Version aus der SZ Cinemathek der Süddeutschen Zeitung, welche sogar in Deutsch synchronisiert wurde (laut Ofdb). Das ist aber wirklich überflüssig, wie ich schon in meinem Review geschrieben habe. Deshalb kann durchaus die Arthaus DVD ohne Bedenken gekauft werden.
Fazit
Nicht nur ein Film für Fans des ruhigen, poetischen Kinos mit messerscharfen Dialogen. Es ist ein Meilenstein des Kinos, mit Unterhaltungsgarantie, den jeder Filmfan einmal in seinen Player gelegt haben sollte.
Für Jarmusch-Fans, zu denen ich mich jetzt wohl zählen kann, und solche die es werden wollen ist der Film sowieso ein „MUSS“! – Für alle anderen auch…
seltene 10/10 Punkten
Weblinks
- Diese Seite wurde zuletzt am 13. September 2006 um 14:54 Uhr geändert.
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