Not One Less - Keiner weniger (China 1999) - Kritik von hasendeddy
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(Originaltitel: Yi ge dou bu neng shao)
Kritik von hasendeddy.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
Heute möchte ich einmal wieder ein Review über einen für mich wichtigen asiatischen Film schreiben, da solche Filme bei uns in Deutschland meiner Meinung nach ein wenig zu kurz kommen.
Ich spreche von „Not one less – keiner weniger“ vom Ausnahmeregisseur Zhang Yimou, der sich für mich als einer der besten Regisseure Asiens darstellt. Sein Name ist jedoch in Europa nur Asiafilmkennern oder Arthouse Filmfans bekannt – „normale Filmgucker“ dürften aber auch schon unbewusst den einen oder anderen Film von ihm gesehen haben (z.B. Hero).
Liest man die Infos über seine Nominierungen und gewonnenen Preise fragt man sich wirklich, warum in Deutschland so wenige Filme von Zhang Yimou eine DVD Auswertung erhalten haben.
„Not one Less – Keiner weniger“ ist ja schon einmal ein Anfang, und die Geschichte basiert laut DVD Infos auf seinen eigenen Kindheitserinnerungen und kommen der Realität in China schon sehr nahe.
Filmografie von Zhang Yimou
1. Riding Alone for Thousands of Miles
3. Hero
4. Happy Times
5. Heimweg - The Road Home (Silberner Bär – Berlinale)
6. Keiner weniger - Not One Less (Goldener Löwe in Venedig)
7. Keep Cool
10. Leben! (Großer Preis der Jury in Cannes)
11. Die Geschichte der Qiu Ju (Goldener Löwe in Venedig)
12. Rote Laterne (Siberner Löwe in Venedig)
13. Ju Dou
14. The Puma Action
15. Rotes Kornfeld (Goldener Bär – Berlinale)
Handlung
Die Handlung beginnt in einem kleinen Provinzdorf in China. Die Leute dort sind arm und können sich wirklich nur das nötigste Leisten. Dementsprechend arm und heruntergekommen sieht auch die örtliche Dorfschule aus.
Durch einen Todesfall in seiner Familie muss der alte und hoch geachtete Dorflehrer Gao für 4 Wochen sein Dorf verlassen um seinen familiären Pflichten außerhalb des Dorfes nachzugehen.
Nachdem kein normaler, studierter Ersatzlehrer zur Verfügung steht, bestimmt der Bürgermeister des Dorfes die erst 13-jährige Wei Minzhi als Ersatzlehrer – für die 4 Wochen wird das schon gehen, obwohl sie natürlich keinerlei Erfahrung als Lehrer und schon gar nicht mit dem Umgang von Kindern mitbringt.
Nach kurzer Einführung in ihr neues Tätigkeitsfeld, gibt ihr der alte Lehrer noch den Auftrag, dass kein einziger Schüler fehlen darf, wenn er zurückkehrt – es sind schon zu viele von der Schule abgegangen und wenn es noch weniger Schüler werden, dann könnte die Schule geschlossen werden.
Zunächst hat Wei Minzhi so ihre Probleme mit den etwas aufmüpfigen Schülern – besonders mit dem frechen Zhang hat sie so ihre Schwierigkeiten. Doch sie kommt nach und nach besser zu Recht.
Doch nach ein paar Tagen wird die erste Schülerin von einem Talentsucher einer Sportschule entdeckt und mit Zustimmung des Bürgermeisters auch in die neue Schule versetzt. Wei Minzhi versucht das natürlich zu verhindern – ohne Erfolg. Aber es ist ja zu einem guten Zweck.
Doch die Sorgen nehmen kein Ende – kurz darauf fehlt ihr „Sorgenkind“ Zhang beim morgendlichen Durchzählen. Auf Nachfrage bei seinen Eltern erfährt sie, dass der 12-jährige Zhang in die Stadt zum Arbeiten geschickt wurde, weil die Familie viele Schulden hat und natürlich Geld braucht. Mit einer Rückkehr Zhang’s braucht sie gar nicht erst zu rechnen.
Das geht natürlich nicht! Wei Minzhi fasst den Vorsatz Zhang mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zurück zu holen – dummerweise reicht aber ihr Geld nicht einmal für die Busfahrt in die Stadt. Bei der Organisation der fehlenden Mittel helfen dann aber ihre Schüler alle mit, was als Nebeneffekt auch noch die Mathematikkenntnisse der Kleinen aufbessert.
Jetzt kann sie sich auf die Reise in die große für sie völlig unbekannte Stadt machen und es beginnt ein Abenteuer…
Kritik
Zhang Yimou packt mit diesem Film ein problematisches Thema aus seiner Heimat an. Früher in Zeiten des reinen Kommunismus wäre der Film so wohl nie zu sehen gewesen. Gott sei Dank sind diese Zeiten nun (fast) vorbei, sodass gesellschaftskritische Filme auch in China eine Chance haben.
Hintergründe zur Handlung: Viele Kinder in China können es sich aus Zeitgründen nicht leisten eine vernünftige Schulausbildung zu beenden, weil sie zum Familienunterhalt Geld dazu verdienen müssen.
Der Weg führt sie dann oft in die vermeintlich reiche Stadt, nur um dann festzustellen dass auch hier kein Geld auf der Straße liegt. Zusätzlich haben diese Kinder auch keine Möglichkeit sich später zu verbessern, weil ihnen ja die für die einträglichen Jobs nötige Schulausbildung fehlt. Ein Teufelskreislauf.
Eigentlich untypisch für Zhang Yimou ist der Film in ruhigen, zweckmäßigen, ja schon fast biederen Bildern eingefangen und erzeugt keinen farbigen Bilderrausch wie in manch anderen Filmen von ihm. Realismus ist in diesem Werk höchste Priorität! Dazu passend tönt die ruhige, unaufdringliche Musik, die auf einer gesonderten Tonspur auch „pur“ genossen werden kann.
Durch die Zurückhaltung beim Einsatz der technischen Mittel kommen dann natürlich die Darsteller besser zur Geltung. Alle Darsteller sind keine professionellen Schauspieler und wurden vor Ort gecastet oder üben ihre im Film dargestellten Tätigkeiten auch in der Wirklichkeit aus. Der Lehrer ist z. B. ein echter Lehrer - so konnte er seine Rolle natürlich besonders wirklichkeitsnah spielen ohne sich verstellen zu müssen.
Die Laienhaftigkeit ist aber am auffälligsten bei den Schulkindern. Sie wirken etwas überdreht, neigen zum Overacting und haben merklich Spaß an ihren Rollen. Dies bringt aber nur zusätzliches Vergnügen in den Film und die kleinen wachsen einem richtig ans Herz – Prädikat: Puzig!
Besonders erwähnenswert sind auch die fantastischen Landschaftsaufnahmen, die einem das „Land des Lächelns“ für eine Urlaubsreise richtig schmackhaft machen.
Wirklich ein schönes Stück Erzählkino aus dem „Reich der Mitte“ – meisterhaft und kurzweilig – was will man mehr.
Meine DVD
Die DVD von Columbia TriStar Home Video bietet zu meiner Freude ein scharfes und farblich sehr natürliches Bild. In 1,85:1 (Anamorph). Wirklich schön, dass ein so wichtiger asiatischer Film auch einmal eine so würdige Umsetzung erfahren durfte.
Beim Ton gibt es für den Otto-Normalgucker allerdings einen (kleinen) Wehmutstropfen zu verdauen. Der liegt leider nur in Dolby Surround 2.0 und das auch nur in Mandarin vor. Dafür ist die Qualität aber sehr in Ordnung.
Zum Ausgleich sind aber gut lesbare Untertitel in Arabisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Griechisch, Hebräisch, Hindi (für mich ganz wichtig!), Holländisch, Isländisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch enthalten.
Leider wurde seitens Columbia beim Bonus gespart – mehr als eine Soundtrack Tonspur in Dolby Surround 2.0 und einem Kinotrailer ist leider nicht zu bewundern. Schade, gerade bei einem so wichtigen Film hätten mich die Hintergründe schon sehr interessiert.
Fazit
Wieder einmal zeigt Zhang Yimou seine Wandlungsfähigkeit.
Er kann Action- (Hero, House of Flying Daggers), Kunst- (Rote Laterne) und dokumentationsähnliche Filme (Not one less) drehen – alles wird perfekt und weiß natürlich auch sehr gut zu unterhalten. Für mich einer der besten aktuellen Regisseure Asiens – wenn nicht der ganzen Welt.
Der Film berichtet auf unterhaltsame Art dokumentarisch über die Probleme des ländlichen China und zeigt, dass auch in den Städten nicht alles Gold ist was glänzt.
Ich empfehle diesen Film aber nur den Zeitgenossen, die sich für Erzählkino in seiner reinsten Form begeistern können und auch mal einen Film ohne viel Action, dafür mit einer wichtigen Message vertragen können.
Es ist halt auch mal wieder etwas völlig anderes und bietet eine schöne Abwechslung mit Unterhaltungsgarantie. Als Bonbon erhält man wirklich schöne Landschaftsaufnahmen des fernen China und einen realistischen Einblick in die dortige Gesellschaft mit all ihren Problemen.
Zur Zeit gibt es den Film für nur ca. 10 Euro – da braucht man wirklich nicht lange überlegen – oder?
8/10 Punkten
Weblinks
- Diese Seite wurde zuletzt am 13. September 2006 um 14:32 Uhr geändert.
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