Schräger als Fiktion (USA 2006) - Kritik von Kopfkino

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Inhaltsverzeichnis

Filmdetails

  • Deutscher Titel: Schräger als Fiktion
  • Originaltitel: Stranger than Fiction
  • Produktionsland: USA
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Originalsprache: Englisch
  • Altersfreigabe: FSK 6
  • Regie: Marc Forster
  • Drehbuch: Zach Helm
  • Produktion: Lindsay Doran
  • Musik: Britt Daniel, Brian Reitzell
  • Kamera: Roberto Schaefer
  • Schnitt: Matt Chesse


Besetzung

  • Will Ferrell: Harold Crick
  • Maggie Gyllenhaal: Ana Pascal
  • Dustin Hoffman: Professor Jules Hilbert
  • Emma Thompson: Karen Eiffel
  • Queen Latifah: Penny Escher


Einleitung

Marc Forster (Monster's Ball, Wenn Träume fliegen lernen,Stay), ist der in Ulm geborene Sohn eines deutschen Pharmaunternehmers und einer Schweizerin. Da er in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen ist (Privatschule in der Schweiz, New York University mit dem Schwerpunkt Film), war die Ausgangsposition natürlich um einiges besser als bei dem Großteil seiner Regisseurkollegen in spe. Doch irgendwann waren die Geldmittel seines Vaters versiegt und der junge Regisseur verschuldete sich. Trotz finanziell lukrativer Angebote aus dem Hause Disney, verwirklichte Forster seine eigenen, kleinen Projekte und schaffte es nach einigen Jahren sich einen Namen in den Independent Filmszene zu machen. 2001 kam dann der erste namhafte Erfolg mit dem Todesstrafen Drama Monster's Ball. Halle Berry erhielt als erste Amerikanerin mit afrikanischen Wurzeln einen Oscar verliehen. Von nun genoss Regisseur Forster das Privileg in Hollywood zu drehen und das auch noch mit erstklassigen Darstellern (Johnny Depp, Kate Winslet, Ewan McGregor, Naomi Watts). Seine Filme, wahrlich keine leiche Durchschnittkost, wissen zu polarisieren und stoßen bei den renommierten Filmkritikern auf offene Augen und Ohren.


Storyblog

Harold Crick (Will Ferrell) ist staatlicher Steuerprüfer und ein ausgewachsener Kontrollfreak. Sein gesamter Tagesablauf ist rigeros durchgeplant, selbst die Anzahl der Zahnputzbewegungen sind perfekt getimt. Der perfekte Neurotiker, der ohne die täglichen Alarmsignale seiner Armbanduhr nicht in den Alltag starten kann. Auch abseits von seinem Job ist Crick ein Einzelgänger, er wohnt alleine und unterhält so gut wie keine sozialen Kontakte. Zunächst geht alles seinen gewohnten Gang, er arbeitet Tag ein, Tag aus und prüft die Steuern. Doch wie aus dem Nichts hört er eines Morgens eine Stimme, die im Stile einer Erzählerin jegliches Handeln von ihm kommentiert. Harold zweifelt an seinem gesunden Menschenverstand und glaubt schon er sei dem Wahnsinn verfallen. In seiner Not sucht er Hilfe beim extrovertierten Literaturprofessor Jules Hilbert (Dustin Hoffman). Der Professor erstellt einen Fragebogen um herauszufinden, ob sich Crick in einer Komödie, oder einer Tragödie befindet. Als die Erzählstimme, wobei es sich im Übrigen um die nicht minder neurotische Schriftstellerin Karen Eiffel (Emma Thompson) handelt, seinen in Kürze bevorstehenden Tod prophezeit, bekommt es Harold Crick mit der Angst zu tun. Harold hat sich in diesem ganzen Wirrwarr der Gefühle in einen seiner "Steuerfälle" verliebt, die durchgeknallte Bäckerin Ana Pascal (Maggie Gyllenhaal). Nach ausgiebiger Recherche schafft es Crick, die scheue Schriftstellerin (welche ebenfalls in Chicago wohnt) ausfindig zu machen und konfrontiert sie mit seiner völlig abgedrehten Geschichte. Für ihn steht alles auf dem Spiel, die neue Liebe, sein Leben ergo die gesamte Existenz. Doch was wird die verzweifelte Autorin machen? Lässt sie den armen Harold kaltherzig sterben, um die Quote ihres Buches zu wahren? Oder ändert sie die Story doch noch in ein Happy End für alle Beteiligten? Lasst euch überraschen.....


Bild und Tonqualität

Bildformat:

  • PAL 1,85 : 1 (Widescreen)

Erst wollte ich ja zur bereits im Handel erhältlichen Blu-Ray greifen. Da mir diese aber zu teuer war, hab ich beherzt zur DVD (mittlerweile im Niceprice Segment für ~7 Euro zu haben) gegriffen. Das Bild ist für eine konventionelle DVD wirklich ausgesprochen gut (das Upscaling meiner PS3 hat dann den Rest erledigt *G*). Ein wirklich sehr homogenes Bild, mit scharfen Kanten, einem guten Kontrast und satten Farben. Auch der Schwarzwert ist wirklich vorbildlich, weiters konnte ich bis auf minimales Bildrauschen keinerlei Fehler entdecken. Die Bitrate liegt mit durchschnittlich 6-8 MB pro Sekunde durchaus im oberen Drittel der bisherigen DVD Veröffentlichungen. Wer also nicht 20 oder mehr Euro für die Blu Ray Disc investieren möchte, ist mit dieser VÖ sehr gut bedient.


Tonformate:

  • Deutsch Dolby Digital 5.1
  • Englisch Dolby Digital 5.1

Untertitel:

  • Deutsch
  • Englisch
  • Türkisch

Ähnlich gute Eigenschaften wie dem Bild, kann ich auch der deutschen Dolby Digital Tonspur bescheinigen. Die Dialoge sind zwar vorrangig frontlastig (der Center macht einen Grossteil der Lautspecherarbeit), darum sind die Dialoge auch klar und gut verständlich. Lediglich die an die Storyblog gebundenen Überraschungseffekte tönen auch aus den hinteren Speakern. Leider ist die Abmischung einiges lauter, als der Rest des Audio Outputs, weshalb ich teilweise etwas erschreckt bin. Das ist aber das einzige Manko des Sounds, also gibt's dafür auch nur einen kleinen Punktabzug. Den Soundtrack finde ich wieder einmal mehr als gelungen. Der ausgewogene Mix aus melancholischer Easy Listening und "guter Laune" Musik unterstreicht die bereits recht intesive Story rund um Harold Crick noch um ein Vielfaches. Gerade Filme, die leicht zu Dramatik tendieren hinterlegen ihre Szenen mit wundervoller Musik (z.B. Brokeback Moutain,Cashback, Garden State).


Bonusmaterial

Eine Single Disc, die ihren Namen eigentlich gar nicht verdient hat. Hier gibt es gleich zwei verschiedene Audiokommentare (einer gespickt mit vielen Witzen und lustigen Momenten vom Set, im andere geht es vor allem um das technische Knowhow Kameraführung, Effekte & Co). Fünf verschiedene Dokumentationen (z.B. Harold Zahlenwelt - Grafische Gestaltung IMHO ein sehr interessantes Feature), abgerundet wird das Ganze durch diverse erweiterte/entfallene Szenen. Einen Blick kann man auf jedenfall riskieren, da doch einige informative Sachen dabei sind.

  • Kommentar über die gesamte Spielfilmlänge mit Regisseur Marc Forster sowie den Darstellern Dustin Hoffman und Will Ferrell (OT mit dt. UT's)
  • Kommentar über die gesamte Spielfilmlänge mit Regisseur Marc Forster, Szenenbildner Kevin Thompson, Visual Effects Designer Kevin Haug, Kameramann Roberto Schaefer, sowie den Produzenten Lindsay Doran und Eric Kopeloff (OT mit dt. UT's)
  • Making Of/Dokus (Die Schauspieler, Das Team, Die Story, Harolds Zahlenwelt - Grafische Gestaltung, Hinter den Kulissen
  • Entfallene und verlängerte Szenen


Kritik/Persönliche Meinung

Will Ferrell, hierzulande weit nicht so bekannt, wie in den USA ist ein aktives Mitglied des Frat Pack's (eine Anspielung auf das legedäre Rat Pack). Ferrell hatte viele Jahre mit einem ähnlichen Schicksal wie Jim Carrey zu kämpfen. In seinen Rollen spielte er meistens einen subtilen Dummkopf mit leicht peinlichen Nuancen. Jim Carrey schaffte im Jahre 1998 mit seiner genial gespielten Rolle in Die Truman Show den Absprung und auch Ferrell ist Dank der auf ganzer Linie überzeugend gespielter Rolle in Schräger als Fiktion auf dem besten Weg, ein ernst genommener Schauspieler zu werden. Aber nicht nur Will Ferrell (Buddy der Weihnachtself, Die Eisprinzen, Ricky Bobby), der den Hauptcharakter Harold Crick verkörpert macht seine Sache ausgezeichnet. Auch Maggie Gyllenhaal (Donnie Darko, Secretary, World Trade Center), Emma Thompson (Junior, Harry Potter und der Gefangene von Askaban, I am Legend) und Dustin Hoffman (Papillon, Rain Man, Sleepers) spielten ihrer Stärken als Charakterdarsteller aus. Dazu gesellt sich noch Queen Latifah (Set it off, Haus über Kopf, Hairspray), die als Beraterin der Schriftstellerin endlich mal eine ruhige und trotzdem gut passende Rolle übernehmen durfte. Gerade durch die liebevollen und etwas chaotischen Akteure, die selbst beinahe dem Wahnsinn verfallen, machen diesen Mix aus Komödie und Tragödie so sehenswert.

Harold Crick, der staubtrockene Neurotiker und Kontrollfreak, der zeitlebens an seine strickten Rituale gebunden ist. Ana Pascal, welche Rebellin, Anarchistin und Bäckerin in einer Person vereint ist zwar etwas unscheinbar, doch genau wie Crick auf den zweiten Blick sehr liebenswert. Jules Hilbert ein chaotischer Literaturprofessor, welcher insgeheim eine tiefe Verbundenheit zu Karen Eiffel verspürt. Selbige steht den restlichen Figuren in nichts nach, sie ist schüchtern, neurotisch, makaber und hat einen leichten Hang für das Skurrile. Dazu gesellt sich noch Noch einen klaren Bonuspunkt weiss [B]Schräger als Fiktion[/B] im Vergleich mit Genrekollegen zu verbuchen. Die Story ist innovativ, witzig aber nicht albern, melancholisch aber nicht schmalzig, eine romantische Tragikkomödie trifft die Genrebezeichnung wohl am Besten. Dazu kommt dann noch eine gehörige Portion künsterlische Freiheit, die viel Raum für eigene Gedanken lässt. Erwähenswert sind auch noch die Graphic User Interfaces (kleine Zahlen und Grafiken, die optisch untermalen, was gerade in Harolds Kopf vorgeht), und die anderen Gimmick, welche sich wie ein roter Faden quer durch den Film bewegen. Eine schauspielerische Glanzleistung aller Darsteller, ein witzig/innovativer und sehr spannender Handlungsblog, tolle Kamera/Regiearbeit gepaart mit exquisiter Musik machen Stranger than Fiction zu einer echten Genreperle und einem Geheimtipp, auch für Skeptiker!


"Wenn wir uns bisweilen in Furcht und Verzweiflung verlieren, in Routine und Gleichförmigkeit, Trübsinn und Tragödien, können wir Gott dafür danken, dass es Basier-Zucker-Cookies gibt." (Filmzitat aus Schräger als Fiktion)

Wertung:

  • Film: 9/10 Punkte (Emma Thompson war mir manchmal etwas zu nervig und der künstlerische Freiraum wirft einige kleine Logiklöcher auf)
  • DVD: 7/10 Punkte (Eine gelungene VÖ, interessantes Bonusmaterial, einwandfreies Bild + Ton)[/list]
  • Gesamt: 8/10 Punkte (Interessierte können gerne mal einen Blick riskieren, auch die Kritiker von Will Ferrell)
  • Diese Seite wurde zuletzt am 31. Juli 2008 um 18:05 Uhr geändert.
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