The Glamorous Life of Sachiko Hanai (Japan 2004) - Kritik von hasendeddy
Aus wiki.dvdb.de
Originaltitel: Hanai Sachiko no karei na shôgai
Kritik von hasendeddy.
Inhaltsverzeichnis |
Hintergrund
Endlich haben sich in Deutschland Release Firmen gefunden, welche sich die Veröffentlichung von sog. Pink Eiga Filmen angenommen haben. Rapid Eye Movies ist so eine Firma.
Zitat:
Warum hängt das Schicksal der Welt an George W. Bushs Mittelfinger? Und was hat der in Sachikos Schlüpfer zu suchen?
Meike MITSURU Polit-Porno stellt auf eine erfrischend unverschämte Art die Kriegsrhetorik Bushs und seiner Mitstreiter im Rüstungswettlauf bloß.
…das steht auf der Rapid Eye Movies Webseite als Text zu „The Glamorous Life of Sachiko Hanai“. Es handelt sich dabei um einen waschechten Pink Eiga Film aus Japan.
Da ich ja immer ungewöhnliche und vor allem asiatische Filme suche, kommt mir dieses Werk natürlich gerade richtig. Eigentlich dachte ich eher an einen ungewöhnlichen Sexfilm aus Japan, doch „The Glamorous Life of Sachiko Hanai“ entpuppte sich als viel mehr…
Erklärung des Begriffs „Pink Eiga“
Pink Eiga Filme gibt es in Japan schon seit ca. 40 Jahren. Diese Filme sind hauptsächlich aus der Tatsache entstanden, dass „echte“ Sexfilme in denen Geschlechtsteile zu sehen sind in Japan verboten sind. Daher konnten westliche Pornos nie in Japan Fuß fassen und es hat sich dann als „Ersatz“ diese „Softsex“- Variante entwickelt. Am ehesten sind diese Werke also mit unseren “Sexploitation-Filmen“ zu vergleichen.
Diese Filme stellen in Japan einen großen Teil der filmischen Jahresproduktion dar, kommen aber so gut wie nie außerhalb Japans zur Aufführung. Produziert werden die Filme von kleinen, unabhängigen Produktionsfirmen mit einem durchschnittlichen Budget von nur ca. 25.000-30.000 €.
Pink Eiga Filme stellen für Japanische Regisseure somit gewissermaßen ein Sprungbrett dar, um sich am Filmmarkt einen guten Namen zu machen, denn diese Filme bieten eine große inhaltliche Freiheit – als Vorgabe gibt es von den Produktionsfirmen nur das Budget und eine feste Anzahl von Sexszenen – alles Weitere wie z.B. die Story oder die eingesetzte Technik kann der Regisseur selbst bestimmen.
Eben diese Freiheit ist es dann auch die uns frische und künstlerisch anspruchsvolle Filme beschert. Aus diesem Grund tummeln sich unter den Pink Eiga’s auch viele „Kunstwerke“ von Regisseuren mit großen Namen, denen man so etwas nie zugetraut hätte.
Deswegen sollte man diese Filme auch nicht nur als „Schweinekram“ abtun, sondern als das was sie sind. Urjapanisches Kino teilweise bizarr, teilweise mit Anspruch, aber immer mit nackten Tatsachen.
Mit den Veröffentlichungen von Rapid Eye Movies und Asia Film Networks kommen Pink Eiga Filme nun auch vereinzelt in unsere Gefilde. Danke dafür. Bislang sind mir aber nur „Raigyo“ (Takahisa Zeze) von AFN und „The Glamorous Life of Sachiko Hanai“ (Mitsuru Meike) von REM bekannt. „Tokyo X Erotica“ (Takahisa Zeze) ist von AFN angekündigt….
Zitat von der AFN Webseite zu Tokyo X Erotica:
Ob analfixierter Mann im Hasenkostüm, eine mit Sperma gefüllte Wasserpistole "Cum Gun" oder einfach nur die volle Ladung ins Gesicht. Welche Zeit ist länger – die vor der Geburt oder die nach dem Tod? In seinem "Pink Eiga" Tokyo X Erotica beweist Takahisa Zeze erneut, wie sehr man ein Genre an seine Grenzen treiben kann.
…das ist Pink Eiga!
Infos über den Regisseur Mitsuru Meike:
- Geboren 1969 in der Kanagawa Präfektur
- Nach dem College und wurde er 1992 Regieassistent.
- 1996 drehte er seinen ersten Videofilm
- 1997 gewann er den Preis als bester Pink Film Regisseur (A Nurse’s Diary)
Filme von Mitsuru Meike (nur die Wichtigsten):
- A Nurse's Diary (1997)
- Second-hand Love (2000)
- Buuyan / It don't mean a Thing if it ain't got that Swing (2002)
- Bitter sweet / The Glamorous Life of Sachiko Hanai (2004)
Handlung
Die recht skurrile Handlung beginnt natürlich wie nicht anders zu erwarten mit nackten Tatsachen. Die Prostituierte Sachiko Hanai (Emi Kuroda) gibt dabei ihr Bestes.
Mit der Verrichtung ihrer (im Film häufig vorkommenden) horizontalen Arbeit fertig, geht sie in eine Bar, in der gerade zwei zwielichtige Gestalten ein Geschäft abwickeln wollen. Es geht um eine super effektive Geheimwaffe – die Nachbildung von George W. Bushs Finger.
Doch bei einer von ihr zufällig ausgelösten Schießerei landet der Finger in Sachiko’s Handtasche. Sie selbst bekommt während der Schießerei eine Kugel mitten in den hübschen Kopf, was ihr aber anscheinend nichts ausmacht – nein, sie bemerkt es nicht einmal.
Zuhause vor dem Spiegel angekommen bemerkt sie dann dieses Loch im Kopf und forscht mit einem Kugelschreiber nach, was da wohl im Gehirn stecken könnte. Dadurch schiebt Sachiko die Kugel aber nur noch weiter ins Gehirn – genauer gesagt bis ins Stammhirn.
Das hat ungeahnte Folgen – sie ist plötzlich ein Genie! Fortan zitiert sie die größten Philosophen der Welt. Doch sie hat nicht viel Zeit dies zu genießen – schließlich ist sie noch im Besitz des Fingers, hinter dem auch der nordkoreanische Geheimdienst her ist.
Zudem entwickelt dieser Finger ein merkwürdiges Eigenleben – er fühlt sich sozusagen zu engen dunklen Verstecken hingezogen….
Kritik
Der Film will viel! Es handelt sich bei diesem Pink Eiga um einen Vertreter der Gattung „Kunst meets Trash meets Sexfilm“.
Regisseur Mitsuru Meike haut uns in diesem Werk neben den natürlich sehr reichlich vorhandenen Nackt- und Horizontalszenen auch noch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik um die Ohren, ohne jedoch für die aufgezeigten Probleme Lösungen anzubieten. Ein Spiegel der uns vorgehalten wird.
Speziell wird die Politik von George W. Bush karikiert, die Politik Koreas hinterfragt und der pseudointellektuelle Umgang mit Philosophen wird auch schön durch den Kakao gezogen. Immer schön bissig und hart an der Grenze des Geschmacklosen.
Die Story an sich wird dann aber leider sehr holprig und künstlich in die Länge gezogen erzählt, was ich aber auch den manchmal wie ein Fremdkörper anmutenden Sexszenen anlaste. Das ist dann halt das Problem, dass es sich hier um einen Pink Eiga handelt – da muss ich mich erst noch daran gewöhnen.
Wirklich lustige Ideen (gerade was das Thema Bush bzw. seinen Finger betrifft) sind genügend vorhanden und auch die technische Umsetzung belegt das technische Verständnis und die Experimentierfreude des Regisseurs. Schnelle Schnitte, psychedelische Grafiken, ungewöhnliche Einstellungen. So ist „The Glamorous Life of Sachiko Hanai“ dann auch mehr ein sehr lustiger Kunstfilm, als schnödes Sexmovie.
Trotzdem kann ich den Film wirklich nur eingeschränkt empfehlen – zu ungewöhnlich und abgefahren ist das Werk. Aber gerade das war es, was mich daran so interessierte. Zu 100% Japanisch eben…
Mehr kann ich darüber nicht schreiben, weil ich ja nichts über die wirklich gelungenen Gags und Ideen verraten will…gucken!
Meine DVD
Rapid Eye Movies bringt den Film in noch brauchbarer Bildqualität auf den Deutschen Markt. Die Bildqualität muss man immer vor dem Hintergrund beurteilen, dass es sich bei dem Film um eine Billigproduktion handelt. Dementsprechend geht es dann auch in Ordnung, wenn das Bild nicht sonderlich scharf ist. Ich bin sicher REM haben ihr Möglichstes getan…
Der Ton liegt in guter Qualität in Deutsch (DD2.0) und Japanisch (DD2.0) vor. Ich gebe aber dem zwar etwas dumpfen, aber atmosphärisch wirklich besser wirkenden Japanischen O-Ton den Vorzug, weil die Deutsche Synchronisation viel von der Atmosphäre verloren gehen lässt.
Die Verpackung ist wie bei diesem Label üblich ein wunderschön gestaltetes Slimdigi, welches fast keine Wünsche offen lässt.
Die Extras sind wie bei so einer Billigproduktion nicht anders zu erwarten eher spärlich bzw. nicht vorhanden:
- Original Kinotrailer
- Trailer zu weiteren Filmen des Labels (Arakimentari, Tears of the Black Tiger, Tokyo Fist, Sasori – Scorpion, Hanzo - The Razor)
Und ein für REM- Veröffentlichungen übliches Filmposter (36x54cm) mit Informationen zum Film.
Fazit
Diesen Film als bloßen Sexfilm aus Japan abzutun wäre ungerecht. „The Glamorous Life of Sachiko Hanai“ entpuppt sich als Gesellschafts- und USA-kritischer Film, der aufgrund seiner Darstellungs- und Gedankenwelt jedenfalls für Japanfilmfans hoch interessant ist.
Die Sexszenen fügen sich nicht immer passend in die Handlung ein, waren aber wohl in Zahl und Art von der Produktionsfirma vorgeschrieben.
Ein Film, den westliche Zuschauer wohl nie völlig verdauen können. So krass und abgedreht ist die Handlung.
Die Handlung in drei Wörter: Möpse, Bush und Philosophen…
Jetzt zur Wertung…schwierig diesen ungewöhnlichen Film in ein Schema zu pressen, in das er gar nicht passt. Ich bewerte jetzt nur mal den Unterhaltungswert….
7,5/10 Punkten
Weblinks
- The Glamorous Life of Sachiko Hanai in der Online-Filmdatenbank (OFDb)
- The Glamorous Life of Sachiko Hanai in der Internet Movie Database (IMDb)
- Diese Seite wurde zuletzt am 15. September 2006 um 18:06 Uhr geändert.
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