The Grudge - Der Fluch - Premium Edition (Japan / USA 2004) - Kritik von Gorygrunt
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The Grudge - Der Fluch
Kritik von: Gorygrunt
Hintergrund
Nun habt ihr eine ganze Zeit nichts von mir gehört. Das liegt primär daran, dass kein anständiger Film in den letzten Tagen rausgekommen ist und dass mir langsam die Ideen ausgehen. Also wenn jemand vielleicht eine Wunschreview hat, kann er mir das ruhig per PN schicken. Dann versuch ich den Film auseinander zu pflücken.
Ich habe mir erlaubt, den folgenden Film mit dem Original zu vergleichen, da es derselbe Regiesseur mit derselben Geschichte und mit nur zwei Jahren Abstand bzgl. der Veröffentlichung ist.
Eigentlich hatte ich keine großen Erwartungen, da ich von diesem Horrorstreifen (besser Gruselfilm) das Original kannte und begeistert war, trotz der Parallelen des Geistes zu RINGU/RING.
HINWEIS: Dies ist in erster Linie EINE REVIEW, doch konnte ich mir einen Vergleich mit dem Original nicht verkneifen und soll zu einigen Verdeutlichungen beitragen.
Die Vergleiche in Bildern sind immer so aufgebaut:
So nun genug geschwafelt…..los geht’s….
Takashi Shimizu’s US-porduziertes Remake des japanischen Kultfilms JU-ON: The GRUDGE!
Story (1,5 von 3,0)
Wenn jemand in einem Zustand unbändigen Grolls zu Tode kommt, lastet fortan ein Fluch auf dem Ort des Sterbens. (Japanisches Sprichwort)
Karen (Sarah Michelle Gellar) ist gerade mit ihrem Freund nach Japan gezogen, weil er dort einen guten Job bekommen hat. Sie arbeitet weiterhin in Japan als Sozialarbeiterin/Pflegerin. Sie bekommt auch gleich überraschenderweise ihren ersten Auftrag. Karen soll sich über die Zustände in einer Familie informieren und gleichzeitig als Pflegerin sich um die bettlägerige alte Dame kümmern.
Als sie das Haus erreicht beschleicht sie ein ungutes Gefühl…..es ist ruhig und wirkt verlassen. Sie findet ein verdrecktes Haus vor und findet schliesslich auch die alte Frau, die in ihrem Schlafgemach dahinvegetiert. Die letargische Frau spricht kein Wort und keine andere Menschenseele befindet sich im Haus. Nun macht sich Karen an die Arbeit und versucht das Haus auf Vordermann zu bringen, als sie einen Jungen, der im Schrank eingesperrt ist, entdeckt. Das beängstigende Gefühl verdichtet sich immer mehr. Karen scheint doch nicht allein im Haus zusein.
Jeder Mensch der das Haus betritt, scheint von dem Bösen im Haus verfolgt zu werden….
Sorry, für die etwas verworrene kurze Inhaltsangabe, aber es spiegelt nunmal die
Geschichte wieder. Und es fällt mir echt schwer nicht zu viel zu verraten.
Die Erzählweise ist sehr einfach erklärt. Wenn eine Person eine Verbindung mit dem Haus eingeht, durch bsplw. Betreten der Gemäuer oder durch Verwandschaft mit den derzeitigen Einwohnern, erscheint der Geist und es folgt das Ableben dieser Person.
Was mich am Original faszinierte wird hier nur bruchstückehaft verwendet und die komplette Geschichte wurde AMERIKANISIERT und MODERNISIERT. Ich war nie ein Fan von japanischen Horrorfilmen, doch in den letzten Jahren beeindruckten mich diese immer mehr. Das leigt in erster Linie an den SEHR konventionellen Stilmitteln, die immer noch von den Japanern verwendet werden. Die Hollywood-Produktionen hingegen verunglimpfen die Filme durch viel zu schnelle Schnitte und unpassenden Großaufnahmen, die das Gesamtbild irgendwie zerstören.
Wollen wir uns diese Punkte genauer und im Detail anschauen!
Das Original wurde in Kapitel unterteilt und lässt sich wie Kurzgeschichten anschauen, die in einer nicht chronologischen Reihenfolge gezeigt werden. Auch bei dem US-Remake verwendete man diese Methode, man ließ aber die einzelnen Kapitel weg und produzierte den Verlauf etwas fließender. Doch wurden einige (IMHO entscheidende) Elemente entfernt um es der westlichen Gesellschaft nicht ganz so verstrickt zum Frass vorzuwerfen. Das war jetzt mal netter ausgedrückt für: Man hat die Story für die Amis vereinfacht!
Ein weiterer Unterschied besteht in der Entwicklung der kleinen Plots. Im Original werden viele Szenen viel viel ruhiger ausgeschmückt, sodass einige Schreckmomente viel intensiver auf den Zuschauer niederprasseln. Im US-Remake werden dieselben Szenen schon von Beginn an etwas schneller abgehandelt und die Spannungskurve fängt früher an zu steigen, doch der entscheidende Moment wird dadurch abgeflacht.
Im US-Remake hatte man versucht den Ursprung des Fluchs als Geheimnis darzustellen und verstrickte diese in die Erzählung und dem Finale. Wobei im Original gleich von Anfang an klar ist, wieso das Haus verflucht ist und nur die Details immer klarer werden.
Der Hauptunterschied liegt in der kompletten Entwicklung der Story.
Das Original behandelt vielmehr Plots. Diese weisen nach und nach Parallelen auf und führen am Ende zusammen. Dem Zuschauer fällt es wirklich schwer, den Geschehenissen zu folgen, doch es gelingt einfach nicht und ohne drüber nachzudenken wird alles langsam klarer. Man muss sich das so vorstellen, als ob viele kleine Fäden zum Schluss ein Seil ergeben. Sehr gelungen waren die Begegnungen der verschiedenen Charaktere und deren Handlungen im Haus, obwohl diese unmöglich zeitgleich stattfinden könnten. Bei dem US-Remake versagt das völlig, dadurch wirkt die Geschichte zu abgehackt und und zusammenhangslos. Die Plots wurden halbiert und laufen mehr als Rückblick neben den Hauptteil der Story her. Mehr erstmal nicht, seht selber!
Das Buch wurde im Jahre 1999 von Takashi Shimizu verfasst und diente natürlich auch als Vorlage zu diesem Remake. Im Grunde genommen ist es schon das zweite Remake.
Die allerserste Version JU-ON war eine Direct-to-Video-Produktion und erschien bereits 2000, es wurde auch gleich eine Fortsetzung abgedreht – JU-ON 2.
Dann drehte Shimizu 2003 gleich von beiden Teilen die japanischen Remakes mit dem Namenszusatz JU-ON: THE GRUDGE und JU-ON: THE GRUDGE 2. tztztz….
Und 2004 durfte Takashi Shimizu unter der Fuchtel von Sam Raimi (u.a. EV*L D*AD, SPIDER-MAN) eine amerikanisch-produzierte Version drehen.
Die Parallelen des Geistes zu dem Geist von RINGU/RING sind nicht von der Hand zu weisen, da RINGU-Autor Hiroshi Takahashi auch als Creativ Consaltunt im Original beteiligt war.
Für die westliche Welt etwas verdaulicher gestaltet wurde die Geschichte von [[Stephen Susco]] (Screenplay). Der junge Autor hat erst seit 1999 seinen Abschluß, durfte schon nach 4 Jahren an eine ganz große Nummer und wurde auch gleich von Sam Raimi für die Fortsetzung verpflichtet. Das lässt nicht gerade auf Besserung beim Sequel hoffen.
Produktion (2,5 von 3,5 Punkten)
Jetzt werden auch wieder die Unterschiede deutlicher, vorallem im Schnitt und der Kameraführung. Die konventionellen und die modernen Stilmittel kann man an diesen beiden Versionen einer Geschichte schön vorführen.
Die Vision des Regisseurs und Autors Takashi Shimizu sind in beiden Filmen gleich und erkennbar. Dieser hielt sich strikt an seinen vorhergehenden Werken, hatte allerdings mehr Geld zu Verfügung und verbesserte die Darstellung des Geistes. Dieser wirkt durch die besseren Computeranimiationen etwas gruseliger.
In einer Zusammenarbeit zwischen den Kameramännern Lukas Ettlin und Hideo Yamamoto (der das japanische Sequel JU-ON 2 schon fotografierte), vollführen die beiden Linsenbediener hier eine Modernisierung, die sich in einigen Szenen sehr deutlich erkennen lassen. Wurde zum Beispiel im Original die Person von hinten gefilmt, wenn sie sich einem Objekt näherte. Entweder beigleitet durch die Kamera oder als starre Aufnahme. Das bewirkt ein ganz bestimmtes empfinden aus der Sicht der gezeigten Person beim Zuschauer und lässt irgendwie mitfiebern. Im US-Remake hingegen wurde dieselbe Szene so gedreht als würde sich die Person auf die Kamera/das Objekt zu bewegen. Also aus der Sicht des Geistes (oder des Bösen u.s.w.). Dieses Stilmittel wurde das erstemal von John Carpenter bei HALLOWEEN verwendet, wo man gleich zu Beginn des Films aus der Sicht des jungen Michael Myers unter der Maske heraus den Mord an seiner Schwester miterlebt. Dadurch schlüpft der Zuschauer automatisch in diese Rolle durch die Egoperspektive und das erzeugt auch ein etwas voyueristisches, aber beängstigendes Gefühl.
Die Szenen wurden in einer größeren Aufnahme fotografiert mit Nahaufnahmen oder kleinerem Abstand zum Geschehen, dadurch wurden allerdings wieder einiger Schreckmomente auf ein laues Maß reduziert. Im Original hingegen hat man ein weiteres Sichtfeld und plötzliche Erscheinungen tauchen schemenhafter auf und wirken intensiver, da sich nicht gleich sichtbar sind.
Noch Auffälliger sind die anderen Kamerawinkel die verwendet wurden. Und zwar fast immer Spiegelverkehrt. Dies sieht man aber ganz besonders in Bildervergleichen. Das Bühnenbild wurde etwas dunkler gehalten und nicht so stark ausgeleuchtet. Im Großen und Ganzen wurde aber Aufnahmetechnisch gute Arbeit geleistet. Kameramann Lukas Ettlin dreht zurzeit an RINGS und stellt eine Art Brücke zwischen RING und RING 2 (US-Versionen) dar.
Cutter Jeff Betancourt zückt das Messer in einigen Sequenzen zu oft und lässt ein wenig
Hektik ausbrechen. Die viel zu schnellen Schnitte sind wie bereits erwähnt etwas tödlich
für einen ruhigen Spannungsaufbau. Er schnitt u.a. auch RAN AN DIE BRAUT mit Kirsten
Dunst.
Darsteller (2,0 von 3,5 Punkten
Als Hauptdarstellerin ist diesmal Sarah Michelle Gellar zusehen, die zwar ganz niedlich ist, aber leider keine große Ausdrucksstärke beweisen konnte. Sehr verwunderlich war dies nun nicht, da sie auch in der TV-Serie BUFFY nicht gerade Charakterdarbietungen ablieferte. An alle Buffy-Fans: Sorry, die Serie ist wirklich lustig, aber Sarah….. Weitere Rollen hatte sie in SCOOBY DOO 1+2 und ihre beste in SCREAM 2 (hihi).
Bill Pullman ließ ein wenig mehr Licht in seiner Rolle und spielt gewohnt professionell. Seine bisherigen Rollen waren allerdings um einiges besser ausgearbeitet. Seine beste Performance gab er in LOST HIGHWAY von David Lynch und 29 PALMS, wor er einen durchgeknallten Busfahrkarten-Verkäufer mimte. Er war auch zu sehen in SPACEBALLS (einer seiner ersten Rollen) und als MR.President in INDEPENDENCE DAY.
Überraschenderweise spielte Clea DuVall alle anderen an die Wand. Zwar hat sie nur eine sehr kleine Nebenrolle, aber ihr Schauspiel war großartig. Aufgefallen war sie unteranderem auch in GH*STS OF M*RS, IDENTITÄT, 21 GRAMM, THE FACULTY und schliesslich THE ASTRONAUT’S WIFE.
Eine weitere Nebenrolle gespielt von KaDee Strickland (ANACONDAS), die eigentlich nur einen guten beängstigenden Part mimte. Dieser ist einzig und allein durch seine Intensität erwähnenswert.
Die etwas unterbewertete Grace Zabriskie spielt die bettlägerige alte Dame und konnte alle Erwartungen erfüllen. Eine letargische alte Frau zu performen ist schon eine Herausforderung. Bekannt aus TWIN PEAKS oder NUR NOCH 60 SEKUNDEN, wo sie die Mutter der Hauptakteure Nicholas Cage und Giovanni Ribisi spielte.
Etwas lachhaft der Beitrag von Ted Raimi, der nur Rollen in Filmen bekommt, wo sein Bruder Sam Raimi die Finger mit drinnen hat (man siehe SPIDER-MAN 1+2). Er spielt den Chef von Karen alias Sarah Michelle Gellar. Er wird demnächst auch in EVIL DEAD REGENERATION zu sehen sein. Ansonsten habe ich ihn gesehen in der TV-Serie XENIA und SEAQUEST.
Bild (1,5 von 3,5 Punkten)
Mir liegt hier ein anamorphes 1,85:1 Widescreen Bildformat vor und weist leider ein paar negative Aspekte auf. Ein sehr unruhiges Bild durch Hintergrund- und Farbrauschen, da der Rauschfilter zu stark eingesetzt wird. Auch die geringen Kontraste sind alles andere als befriedigend, da der Film zu 80% in sehr dunklen Szenen abläuft, verschwinden sehr viele Details. Trotzdem Kantenschärfe wo man hinschaut. Die Farben sind etwas kalt, aber das hebt die Bildschärfe ebenfalls ein wenig an. Die Datenrate beträgt ca. 7,2 Mbps und lässt kaum Artefakte an den Konturen zu. Nicht gerade ein Referenzbild für den Heimkinobereich und sollte aufgrund des schlechten Schwarzwertes besser auf dem TV Gerät geschaut werden.
Ton (3,0 von 3,5 Punkten)
Sehr gut gelungen die Abmischung der Effekte, da sie sehr dezent über alle Kanäle gelegt wurden. Der eigentlich sehr frontlastige Sound kommt allerdings auch nur in Spannungssequenzen oder Schreckmomente aus den Vollen. Der Subwoofer hat auch ein Wort mitzureden und kommt sehr kraftvoll von unten und rundet das Gesamtergebniss mit den schön differenzierten Höhen ab. Die sehr atmosphärische Klangwolke oder auch Hintergrundsoundkulissen (wie auch immer ihr es nenn wollt) reisst nicht einmal durch und hält sich schön konstant. Sehr dynamischer Score der ebenso intensiv den Pegel während des Films anhebt, um noch mehr Gänsehaut zu zaubern.
Bonusmaterial/Artwork/Layout (1,5 von 3,0 Punkten)
Die Abbildung auf dem Cover wurde fast exakt 1:1 von dem Bild des Films RINGU übernommen und zeugt von einer gewissen Ideenlosigkeit. Trotzdem der Atmosphäre des Films entsprechend und mit passenden Farben geschmückt. Das animierte und mit musikhinterlegte Menü ist einfach gehalten, aber dem restlichen Artwork angepasst.
Ein ca. 20 minütiges Making Of, diverse Interviews mit einer Gesamtlänge von 13 Minuten und Filmografien bilden das Bonusmaterial, was vielleicht etwas rar ausgefallen ist. Obendrein gewährt man uns einen Blick auf kommende Filme anhand diverser Trailer.
Fazit
Das Remake eines hervorragenden Kult-Gruselfilms aus Japan, was leider nicht ganz den Sprung auf dieselbe Stufe schafft, obwohl der Regisseur derselbe ist. Trotz der nicht so schönen Story, liefert er einige gelungene Schockmomente und Gänsehaut. Dieser Film wirkt am besten in der Nacht und allein, dann stellt sich bei wirklich jedem das eine oder andere Nackenhaar auf.
Übersicht Punkteverteilung
- Film 6,0 von 10
- Die Punkte setzen sich wie folgt zusammen:
- 1,5 von 3,0 Punkten - Story/Drehbuch
- 2,5 von 3,5 Punkten - Produktion (d.h. Cut, Kamera, Ausstattung, Regie u.s.w.)
- 2,0 von 3,5 Punkten - Darsteller/Nebenrollen
- Die Punkte setzen sich wie folgt zusammen:
- DVD 6,0 von 10 Punkten
- Zusammengesetzt von:
- 1,5 von 3,5 Punkten - Bild
- 3,0 von 3,5 Punkten - Ton
- 1,5 von 3,0 Punkten - Bonusmaterial/Artwork/Layout
- Zusammengesetzt von:
Meine persönliche Empfehlung
Meine persönliche Empfehlung allerdings sieht anders aus. Ich würde mir zuerst das Original anschauen, dann ein wenig Zeit ins Land gehen lassen und mir das Remake reinziehen. Auch wenn man nicht so auf japanische Filme steht, sollte man sich ruhig mal durchbeissen. Denn die konventionellen Stilmittel sind IMHO noch die, die richtig unter die Haut gehen.
Ob der Effekt auch umgekehrt funktioniert, kann ich anhand dieses Films nicht sagen. Aber bei RING und RINGU habe ich zuerst das Remake gesehen, dann das Original. …und RINGU hatte mir ebenfalls (auch rein storytechnisch) besser gefallen!
- Diese Seite wurde zuletzt am 10. Februar 2008 um 18:35 Uhr geändert.
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